Gevelsberg-Fans bei Facebook

Christian Frohn hat mit der Gründung der Facebook-Gruppe „Du bist Gevelsberger, wenn…“ eine Lawine losgetreten. Der Austausch von nostalgischen Bildern und Anekdoten zählt ebenso zu den Aktivitäten der über 4.500 Mitglieder wie in die Zukunft gerichtete Aktivitäten. (Foto: wochenkurier)

Gevelsberg. (zico) „Bist Du auch damals über das Viadukt im Stefansbachtal gelaufen? Bist Du auch zur Mutprobe durch den Klosterholztunnel gegangen? Und kannst Du Dich noch an die flotten Abende im Café Krenzer an der Neustraße erinnern? Ja? – Dann bist Du Gevelsberger!“

Im sozialen Netzwerk Facebook erfreuen sich derzeit viele neue Gruppen großer Beliebtheit, die der Liebe zur jeweiligen Heimatstadt gewidmet sind. Besonders erfolgreich ist dabei die Gruppe „Du bist Gevelsberger, wenn “, die vom Silscheder Christian Frohn gegründet wurde und gut einen Monat später schon mehr als 4.500 Mitglieder zählt. Gegenstand der Beiträge und Diskussionen sind oftmals gemeinsame Erinnerungen und Fotos aus alter Zeit.

Da künden Dönekes von Zucht und Ordnung unter der Regie verschrobener Lehrkörper, der längst vergilbte Lorbeer von Erfolgen Gevelsberger Sportmannschaft wird plötzlich wieder grün, und so manches Gruppenfoto ruft ein Schmunzeln hervor: So haben wir mal ausgesehen, damals, in den afrolook-fröhlichen 70-ern.

„Die Idee zu der Gruppe stammt im Ursprung nicht von mir, sondern wurde schon vor zwei, drei Jahren in Großstädten geboren. Doch in Köln oder Berlin funktioniert so etwas nicht richtig, weil sich die Leute untereinander zu wenig kennen und die Erinnerungen an früher zu unterschiedlich sind“, erklärt Christian Frohn, der von einem Freund, der früher in Celle lebte und dann in die USA auswanderte: „Der erzählte mir, wie schön es sei, in der Gruppe ,Du kommst aus Celle‘ an seine alte Heimat erinnert zu werden, und ich dachte mir, dass solch eine Gruppe auch in Gevelsberg viele Interessenten finden könnte.“

So sah es vor dem 2. Weltkrieg am Nirgena aus – nur eines der zahlreichen Fotos, die in der Facebook-Gruppe „Du bist Gevelsberger, wenn…“ kursieren. (Foto: wochenkurier)

So startete er am 5. Juli 2012 die Facebook-Gruppe für die Engelbertstadt, die mittlerweile auch Mitglieder aus den USA, Großbritannien, Spanien, Frankreich und anderen Ländern, in die es Ur-Gevelsberger verschlagen hat, in ihren Reihen weiß. Und seither werden auch die Anekdoten, zum Beispiel, wer wann warum im Rockpommels Land oder in der Saxopete Hausverbot hatte, heiß gehandelt.

„Irgendwann geht der Schatz an Erinnerungen natürlich zur Neige“, weiß Christian Frohn, „doch ich freue mich besonders über Bestrebungen, die in die Zukunft weisen.“ Wobei er in Gevelsberg eine hohe Grundzufriedenheit innerhalb der Bürgerschaft ausgemacht hat – anderswo, etwa im nach Hagen eingemeindeten Hohenlimburg, gibt es gepfefferte Kritik an politischen Versäumnissen und kommunalem Leistungsabbau, die einem „Shitstorm“ gleich kommen. Jeglichen politischen Instrumentalisierungsversuchen schiebt der Gruppengründer jedoch von vornherein einen Riegel vor.

Gleichwohl möchten viele Mitglieder die Kraft der Gemeinschaft nutzen und Positives für ihre Stadt bewegen. Frohn, Inhaber der Internetagentur Bassmastermedia, hat zur Finanzierung solcher Projekte bereits einen hübschen Button mit der Aufschrift „Wir sind Gevelsberger“ aufgelegt, der einen Euro kostet und bei Haarhaus, Ellinghaus, Hedtstück, im Rathskeller, im Papillon und bei Saure erhältlich ist. 350 der Buttons sind bereits über die Ladentheken gegangen, wobei 50 Cent gespendet werden und der Rest in die Herstellung fließt. Christian Frohn selbst verdient keinen Cent an dem Projekt. Denkbar wäre zum Beispiel ein zusätzlicher Freizeitbereich mit Wetterschutz am Ennepebogen, der allen Generationen zugute kommt. „Wichtig ist mir, dass dieses Geld nicht in einem Großprojekt einfließt, sondern dass die Urheberschaft der Gruppe erkennbar ist“, so Frohn, der auch einzelnen Kirmesgruppen wenig Hoffnung auf die Zuwendung macht: „Das würde ja andere Kirmesgruppen benachteiligen. Letztlich ist geplant, über den Verwendungszweck abzustimmen.“

Weitere Ideen sind in Vorbereitung – etwa eine hochwertige und fair gehandelte Gevelsberg-Kollektion oder eine Fotoausstellung bei Juwelier Haarhaus. Kein Zweifel – die Facebook-Gruppe „Du bist Gevelsberger, wenn …“ verfügt über die Substanz, Identität zu stiften und Einsatz für die Stadt zu generieren – historische Spurensuche ebenso wie ehrenamtliches Engagement, das schon jetzt zum Beispiel von Menschen gezeigt wird, die den Ennepebogen immer mal wieder vom Müll befreien. Die Gemeinschaft beweist schon jetzt viel Verantwortungsbewusstsein für ihre Stadt – nicht nur zur Freude ihres „geistigen Vaters“ Christian Frohn …