Gevelsberg gegen rechte Gewalt: Woche für Zivilcourage mit Anne-Frank-Ausstellung

Gevelsberg. (je) Für Fremdenfeindlichkeit ist in Gevelsberg kein
Platz. Das machen über das ganze Jahr viele Veranstaltungen und Aktionen
deutlich. Doch ein ganz besonderes Zeichen setzt die jährliche „Woche für
Zivilrourage gegen rechte Gewalt“, die 2016 zum bereits neunten Male
stattfindet.

Erstmalig wird die Aktion in diesem Jahr durch das Förderprogramm „Demokratie
leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
gefördert, was für ein erheblich größeres finanzielles Polster sorgt. So ist es
möglich, dass für sämtliche Veranstaltungen im Rahmen der „Woche für
Zivilcourage“ der Eintritt frei ist und so noch mehr Menschen eine Teilhabe
ermöglicht werden kann.
Und das Programm kann sich auch in diesem Jahr sehen lassen, sowohl bei den
Veranstaltungen für die Öffentlichkeit wie auch bei jenen speziell für
Schulen.
Anne-Frank-Ausstellung
Los geht es am kommenden Freitag, 28. Oktober, mit der Eröffnung der
Ausstellung „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ um 18 Uhr in der Aula
der Realschule, Alte Geer 4. Zunächst spricht dort Bürgermeister Claus Jacobi
einleitende Worte, gefolgt von Thomas Biermann, dem Vorsitzenden der
Bügerstiftung der Sparkasse. Einige erklärende Worte zur Ausstellung liefert
dann noch Maya Keifenheim vom „Anne Frank Zentrum“ in Berlin. Für den
musikalischen Rahmen sorgt die Gevelsberger Sängerin Lina Ammor.
Im Anschluss an die Festreden führen schließlich acht Schülerinnen und
Schüler und drei frischgebackene Abiturienten durch die Ausstellung zum Leben
des jüdischen Mädchens Anne Frank, das 1945 von den Nationalsozialisten ermordet
wurde und dessen Tagebücher ein eindrucksvolles Denkmal darstellen. Die jungen
Leute haben sich als sogenannte „Peer Guides“ ausbilden lassen und werden auch
im weiteren Verlauf nach Vereinbarung Führungen, insbesondere für Schulklassen,
übernehmen.
Darüber hinaus können die Exponate, die auch die Perspektiven von Mitläufern
und Tätern darstellen und sich in einem aktuellen, von modernen Medien
gestützten Teil direkt an die Besuchenden wenden, bis 25. November montags bis
freitags von 10 bis 13 Uhr, an Montagen und Donnerstagen zusätzlich von 16 bis
19 Uhr angeschaut werden. Weiterhin hat die Ausstellung auch am 29. und 30.
Oktober sowie am 1., 5. und 6. November jeweils von 11 bis 16 Uhr geöffnet.
Ermöglicht wird die Schau, die durch die Volkshochschule nach Gevelsberg
geholt wurde, neben der Förderung durch das Programm „Demokratie leben!“ auch
durch die Bürgerstiftung der Stadtsparkasse, die den nötigen Eigenanteil
zuschießt.
Viele weitere Veranstaltungen
Am Mittwoch, 2. November, lädt Dr. Heiner Sasse um 18.30 Uhr alle
Interessierten in das Gevelsberger Rathaus zu seinem Vortrag „Menschenwürde,
Macht und Rechtsradikalismus“ ein. Hier möchte der Psychologe darlegen, was die
Würde eines jeden Menschen ausmacht, wie diese durch Machtstreben verletzt wird
und warum dies dazu führt, dass immer wieder blind Führern gefolgt wird.
Um die Rolle der Frau im Nationalsozialismus und Rechtsextremismus dreht sich
alles am Donnerstag, 3. November, im Filmriss-Kino, Rosendahler Straße 18. Um 19
Uhr zeigt das Duo „Generationen Komplott“ mit Originaltexten, Liedern und Musik,
warum der Einfluss von Frauen auf die rechte Szene oft unterschätzt wird – vor
80 Jahren genau wie auch heute. Bereits ab 18 Uhr und auch nach der
Veranstaltung präsentieren verschiedene Akteure, die in Gevelsberg gegen rechte
Gewalt eintreten, sich und ihre Arbeit im Foyer des Filmriss-Kinos.
Musikalisch wird es dann am Samstag, 5. November, im Pub 18 in der
Rosendahler Straße 18. Der „Neue Gevelsberger Kulturverein“ lädt zum Konzert
„Music Against Racism“ mit der Psychedelic-Blues-Rock-Band „Vintage Pussy“ aus
Hagen und den Gevelsberger Ska-Punkern „The Schabernacks“. Der Eintritt ist
natürlich auch hier frei, es wird jedoch um eine Spende für die Aktion „Pro
Asyl“ gebeten.
Ebenfalls musikalisch geht es am selben Tag in der Grundschule am Vogelsang,
Am Schultenhof 1, zu. Dort stehen ab 17 Uhr die arabisch-türkische Musikgruppe
„Hamam Abbiad“, die Country-RockBand „Maze“, das Akustikduo „Jean & Dean“
und das „Wort Rock Kollektiv“ mit Ina Wohlgemuth auf der Bühne. Zuvor ist jedoch
ab 15 Uhr Sport, Kunst und Begegnung beim Freundschaftsfest des „internationalen
Sportvereins Gevelsberg“ angesagt, das in diesem Jahr unter dem Motto „Tausend
und 1 Nacht“ steht.
Um der Menschen jüdischen Glaubens zu gedenken, die von Nazis in der
sogenannten „Reichspogromnacht“ um den 9. November 1938 ermordet wurden, findet
am Sonntag, 6. November, um 11 Uhr eine Gedenkveranstaltung am Mahnmal auf dem
Rathausvorplatz statt. Hauptredner ist Altbürgermeister Dr. Klaus Solmecke.
Weiteres Programm
Doch mit Ende der Woche sind die Veranstaltungen für Zivilcourage und gegen
rechte Gewalt noch nicht vorbei. So wird etwa am 16. November um 19.30 Uhr der
Film „Das Tagebuch der Anne Frank“ im Filmriss gezeigt. Und am 18. November
findet in der Stadtbücherei eine ganz besondere Lesung statt: Gevelsbergerinnen
und Gevelsberger – darunter Schülerinnen und Schüler, aber auch lokale Prominenz
wie der Landtagsabgeordnete Hubertus Kramer – tragen Texte zu Holocaust und
Nationalsozialismus vor.
Das gesamte Programm inklusive der Veranstaltungen für Schulklassen und allen
Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme ist auf www.gevelsberg.de abrufbar.