Gevelsberg wird 125 Jahre alt

Renommierte Autoren zeichnen zum 125-jährigen Stadtjubiläum unter Federführung von Kirsten Niesler und Werner Bloemer die Geschichte Gevelsbergs nach. (Foto: Frank Schmidt)

Gevelsberg. (zico) Stolze 125 Jahre alt wird am 1. Februar des kommenden Jahres die Stadt Gevelsberg – ein Jubiläum, welches die Engelbertstadt gebührend feiern möchte. Unter anderem mit einem umfangreichen Buch, an dem ein namhaftes Autorenteam um die renommierten Gevelsberger Journalisten Kirsten Niesler und Werner Bloemer seit August dieses Jahres mit viel Sachkenntnis und Fleiß arbeiten. In einer Auflage von voraussichtlich 2.000 Exemplaren wird die Festschrift auf mehreren hundert Seiten vom Werden und Wachsen Gevelsbergs künden. Im Rathaus gaben Bürgermeister Claus Jacobi und die Autoren einen Vorgeschmack auf das ambitionierte Druckwerk.

„Das Buch soll nicht nur über die vergangenen 125 Jahre, sondern über ein Jahrtausend Geschichte Auskunft geben, denn Gevelsberg gab es natürlich auch schon vor der Verleihung der Stadtrechte“, leitete Werner Bloemer zu Beginn der Zusammenkunft ein. Und Kirsten Niesler ergänzte: „Damit wir den Erscheinungstermin 1. Februar einhalten können, sollten bis Weihnachten alle Texte fertig sein. Wir sind zuversichtlich, dass wir das schaffen.“

So hat sich Günter Fischer bereits ausgiebig mit der Vorgeschichte der Stadt in den Jahren von 1096 bis 1886 beschäftigt. „Vom Sühnekloster über das Dorf und Bauerschaften zur Stadtwerdung“ heißt sein Kapitel, angelehnt an den Titel einer Ausstellung, die Fischer zusammen getragen hat. „Dieser Abschnitt beschäftigt sich auch, aber nicht nur mit der Geschichte des Stifts“, so Fischer, der in verschiedensten Schriften recherchiert hat, um alle Quellen ausschöpfen zu können.

Ein Sonderthema beackert unterdessen Wolfgang Stamm, der sich der „Industrie- Post- und Transportgeschichte als Antrieb zur Stadtwerdung“ widmet. „Enthalten ist zum Beispiel auch die Frühgeschichte der Industrialisierung“, so Stamm, der die Geschichte des Handels aufgrund von fehlenden Quellen nicht lückenlos nachzeichnen konnte: „Weil aus Platzgründen ja nicht alles in dem Buch erscheinen kann, muss ich ohnehin kürzen und auswählen.“

„In keiner Epoche war es so spannend wie zur Kaiserzeit“, hat sich Dr. Margarete Korn den ersten Jahren der städtischen Geschichte Gevbelsbergs angenommen: „Aufstieg und Fall des Kaiserreichs liegen hier auf wenigen Seiten beeinander, wobei viele Menschen die ganze Zeit über arm blieben. Demgegenüber stehen 28 Fabriken, die es schon 1886 in Gevelsberg gab.“

Die Bürgermeister der Stadt Gevelsberg sind im Bilde im Gevelsberger Ratssaal zu sehen. (Foto: Frank Schmidt)

Von 1919 bis 1933 währte die Weimarer Zeit, deren lokale Entsprechung von Gevelsbergs „Chefchronist“ Fritz Sauer beleuchtet wird. Inflation, Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und das Aufkeimen der braunen Saat des Nationalsozialismus – all dies hatte auch in Gevelsberg Entsprechungen. „Es war aber auch der erste demokratische Abschnitt der Geschichte Deutschlands“, gab Claus Jacobi zu Bedenken.

Mit der Zeit des Nationalsozialismus hat sich Stadtarchivar Detlef Raufelder beschäftigt, denn: „Dieses Kapitel darf nicht ausgeblendet werden und bedarf der kritischen Auseinandersetzung.

Die unmittelbaren Nachriegsjahre von 1945 bis 1948 nimmt sich dann wieder Dr. Margarete Korn an: „Die beiden Tage des Einmarschs verliefen glimpflich, doch Freudenstimmungt herrschte nicht – eher schon Nachdenklichkeit. Freude und Trauer mischten sich, denn so mancher hatte bei den Nazis ja auch Karriere gemacht. Allen gemein war die Hoffnung auf die Zukunft und auf die Rückkehr von Vermissten. Die Geschäfte aber blieben zu, und es setzte eine Zeit des Hungers und der Tauschgeschäfte ein.“

Den „Wiederaufbau nach der Währungsreform“ sowie das Sonderthema „Kommunale Neugliederung und Ortsteile“ ruft wiederum Fritz Sauer in Erinnerung – Gevelsberg gemeindete die Stadtteile Asbeck, Silschede und Berge ein.

„Die Weichen für die Zukunft sind gestellt“, stellt anschließend Gevelsbergs früherer Stadtdirektor Volker Stein für die Zeit von 1970 bis 1991 fest. „Über die Epoche, die mit dem Ausscheiden Helumt vom Schemms als Bürgermeister endet, wollte ich immer schon schreiben“, so Stein, der in seinem Kapitel historische Daten mit dem persönlichen Erleben verknüpfte: „Als ich als Auswärtiger mit dem Zug nach Gevelsberg kam und erstmals über die Mittelstraße ging, kam ich zu der Überzeugung: Diese Stadt hat ein Verkehrsproblem. Dies wurde letztlich mit dem innerstädtischen Bürgervotum zur Umsetzung des Verkehrskonzeptes gelöst.“

Ein Sonderthema für Fritz Sauer war dann die Begründung der Städtepartnerschaft mit Vendôme im Jahre 1973; ebenso wie die Städtepartnerschaft mit Sprottau und Butera für Dr. Klaus Solmecke. Der Altbürgermeister und Jacobi-Vorgänger hat sich außerdem der „Umsetzung des innerstädtischen Verkehrskonzeptes und der daraus resultierenden Stadtentwicklung von 1991 bis heute“ verschrieben, unter anderem mit den Elementen Engelberttunnel, Mittelstraße und Ennepebogen.

Visionen und einen Ausblick auf die Zukunft gibt abschließend Gevelsbergs heutiger Bürgermeister Claus Jacobi. Damit das Buch auch für heitere Momente sorgt, werden Dieter Krakrügge, Marlis Schäfer und Günter Decker kapitelübergreifend „Kurioses, Interessantes und Lustiges“ einflechten.

Schon jetzt bittet Claus Jacobi um Verständnis, dass die Festschrift trotz des großen Umfangs nicht alle Details aus der Geschichte Gevelsbergs enthalten kann: „“Das Buch soll auch zu bewältigen sein und Leser finden.“