Gevelsberger Pestalozzi-Schule wird 100

Beim Mittagessen besuchte Bürgermeister Claus Jacobi die Kinder, die im offenen Ganztag noch einen langen Nachmittag vor sich hatten. (Foto: Stefan Scheler)

Gevelsberg. (Sche) „Er erledigte seine Aufgaben in der Regel zügig und gewissenhaft“, sagte ein Zeugnistext der Pestalozzi-Grundschule über den aktuell bekanntesten ehemaligen Schüler, Bürgermeister Claus Jacobi: „Er war meist interessiert und aktiv.“

Die nach dem Schweizer Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827) benannte Grundschule in der Gevelsberger Teichstraße feiert am Samstag, 13. April 2013, ihr 100-jähriges Bestehen. Gegründet als Kaiser Wilhelm-Schule und nach dem ersten Weltkrieg in „Schule an der Teichstraße“ umbenannt, trägt die Bildungseinrichtung für die Kinder im „Vogelviertel“ – gemäß den Straßennamen – seit 1927 den Namen des berühmten Schweizer Erziehers, dessen Motto „Schule mit Kopf, Herz und Hand“ einen für die damalige Zeit neuen Stil begründete, junge Menschen auf das Leben vorzubereiten. Starrer, nach der Herkunft der Kinder in gesellschaftliche Klassen eingeteilter Frontalunterricht, teilweise mit körperlicher Züchtigung, trat weitgehend in den Hintergrund. Schon geradezu modern muten Pestalozzis Vorstellungen von individueller Förderung und entdeckendem Lernen an.

„Diesem Ideal haben wir uns nach unserem Namenspatron auch verschrieben“, charakterisierte Rektorin Heike Feldmann den Alltag in dem mehrfach renovierten Gebäude an der Teichstraße: „Mussten in früheren Jahren die Kinder noch die Sütterlin-Schrift lernen, treten heute Computer-Anwendungen mehr und mehr in den Vordergrund.“

Bürgermeister Claus Jacobi, Konrektorin Petra Riesenberg und Rektorin Heike Feldmann (von links) stöberten im Archiv der Pestalozzi-Schule. (Foto: Stefan Scheler)

Den Kindern auf den Teller geschaut

Die in städtischer Trägerschaft stehenden Grundschule bietet rund 300 Schülern eine umfangreiche Einführung in Rechnen, Lesen, Schreiben und Gemeinschaftskunde. Auch die musischen Fächer wie Singen und Gestalten stehen auf dem Stundenplan, der sich für einige Kinder, deren Eltern dies wollen, im Rahmen einer offenen Ganztagsbetreuung bis 16 Uhr hinzieht. Damit bei einem solch langen Tag der Magen nicht knurrt, gibt es im schuleigenen Speiseraum eine leckere Mahlzeit, bei der auch Claus Jacobi einmal den jungen Essern auf den Teller schaute und einige launige Worte mit den Schülern wechselte.

„Vieles hier erinnert mich an meine eigene Schulzeit“, wurde das Stadtoberhaupt leicht nostalgisch: „So geht es übrigens vielen Menschen aus diesem Viertel, die es teilweise in weit entfernte Gegenden verschlagen hat, und die sich aber immer noch gern an ihre Zeit hier erinnern.“

Das konnte auch Konrektorin Petra Riesenberg bestätigen. „Für die Feierlichkeiten zum Jubiläum haben wir sogar schon eine Einladungs-Rückmeldung aus Italien bekommen“, freute sich die stellvertretende Schulleiterin: „Es wird ziemlich voll werden; wir erwarten zwischen 1.000 und 1.500 Gäste.“ Da wird das „Vogelviertel“ unter Parkraummangel leiden, weshalb die Verantwortlichen die Anreisenden bitten, ihre Autos weiträumig abzustellen und öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen.

Kinder abholen, wo sie stehen

16 reguläre Lehrkräfte vermitteln Wissen und Lebensführung, wobei sie bei besonderen Sachfragen spezielle Fachleute unterstützen. „Die Unterrichtsgestaltung ist völlig anders als vor hundert Jahren“, sagt Heike Feldmann über die pädagogischen Fortschritte: „Wir gehen wesentlich differenzierter an die Materie heran und holen die Kinder dort ab, wo sie nach ihrer individuellen Entwicklung stehen.“ Das Ergebnis dieser Arbeit sei unter anderem, dass die heutigen Kinder selbstbewusst und neugierig seien, während die Schüler von der Kaiserzeit bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts eher ein wenig verschüchtert daherkamen.

Den Höhepunkt des Programms zur Jubiläumsfeier bildet nach den einführenden Worten von Claus Jacobi und Schulamtsdirektor Joachim Niewel zwischen 11 und 13 Uhr eine bunte Revue unter dem Titel „Zeitreise“, in der die Kinder selbst die turbulenten Entwicklungen in hundert Jahren Schulgeschichte szenisch und musikalisch nachstellen.