Golfer zeigten soziale Seite

Mensur Abazi und Schwester Valentina haben mit ihrem Team 108 Golfern ein gelungenes Turnier geboten. Das Spiel auf dem Grün diente zudem einen gutem Zweck. (Foto: Stefan Scheler)

Gevelsberg. (Sche) „Für mich ist das eine Verpflichtung“, begründete Mensur Abazi, Pächter des Landhauses Berkenberg am Golfplatz Gut Berge in Gevelsberg anlässlich des „Dankeschön-Turniers“ seine Spende für das Sozialkaufhaus des Diakonischen Werks Ennepe-Ruhr/Hagen: „Die Erlöse aus den Startgeldern führe ich zu hundert Prozent an den Tafel-Laden der Diakonie ab.“

Die Einrichtung in Schwelm an der Kaiserstraße 55 betreut zusammen mit den Kollegen in Gevelsberg und Wuppertal als Standort der übergeordneten Organisation wöchentlich zwischen 60 und 80 vom Leben aus der Bahn geworfene Personen. Im Schwelmer Sozialkaufhaus und Tafel-Laden bekommen die Bedürftigen Lebensmittel aus Restbeständen des Handels zu fairen Preisen.

„Die Menschen kommen an jedem Dienstag von 10.30 bis 12 Uhr zu uns“, erläuterte Edgar Proske, Sozialpädagoge und hauptamtlicher Leiter des Sozialkaufhauses, den Ablauf: „Zuerst kaufen sie sich für einen Euro einen Zettel mit einer Nummer. In deren Reihenfolge bedienen unsere Helfer dann die Kunden. Das Ganze funktioniert wie ein Los.“ So werde vermieden, dass sich die Stärksten, Flinksten und Gesündesten bereits um sieben Uhr morgens anstellen und den Schwächeren die besten oder aus kultureller und religiöser Sicht geeigneten Sachen vor der Nase wegschnappen.

Edgar Proske vom Schwelmer Tafelladen (l.) freute sich über Mensur Abazis großzügige Spende im Landhaus Berkenberg. (Foto: Stefan Scheler)

„Ein muslimischer Mitbürger hätte zum Beispiel gar nichts davon, wenn nach dem großen Ansturm nur noch ein Korb mit Schweinefleisch und -würsten übrig bliebe“, gibt Edgar Proske ein Beispiel: „Der in asiatischen Küchen so beliebte Reis ist bei anderen Bürgern weniger beliebt. Ähnlich verhält es sich mit Weiß- und Graubrot.“

Alex Mertins dankte in Vertretung des Bürgermeisters Mensur Abazi in seinem Grußwort für dessen großzügige Spende, bedauerte aber gleichzeitig, dass in unserem Staat überhaupt eine Notwendigkeit für Tafel-Läden und Sozialkaufhäuser bestehe. „Arbeitslosigkeit und Alter sowie fehlende Vermittlungschancen zwingen viele Menschen in diese für sie oft peinliche Lage“, redete der Bürgermeister-Vertreter den 108 versammelten Golfen ins soziale Gewissen: „Jeder kann heute in Folge unvorhergesehener Ereignisse schnell in eine Lage kommen, wo er auf die Solidarität und Hilfe seiner Mitmenschen besonders angewiesen ist.“

Mensur Abazi überreichte den symbolischen Spendenscheck über 1.560 Euro bezeichnenderweise am 4. Deutschen Tafeltag, der ein Zeichen gegen Armut setzt und die Probleme vieler der gemeinnützigen Einrichtungen in einem immer härter und unsozialer werdenden wirtschaftlichen Umfeld aufzeigt. Spender sind den Tafeln im Rahmen der Wirtschafts- und Finanzkrise massenhaft weggebrochen. Dabei steigt der Bedarf ständig.

157 Tafeln gibt es in Nordrhein-Westfalen nach 20 Jahren, in denen die Idee, im freien Handel nicht abgesetzte Waren an sozial Schwache zu verteilen, Früchte trägt. Eine dieser Lebensmittel-Ausgaben, die man nicht mit den Suppenküchen – also der Verköstigung der Bedürftigen mit warmen Speisen – verwechseln darf, ist jetzt auch am Haufer Bahnhof an der Hagener Straße, in Gevelsberg, eingerichtet. „Von 10.30 bis 12 Uhr sind wir dort für die Kunden da“, lädt Stadtrat Eberhard Wehberg in seiner Funktion als Tafel-Helfer die Benachteiligten ein, über den Schatten ihres eigenen Unwertgefühls zu springen: „Von 8.30 bis 13 Uhr sind wir in Vor- und Nachbereitung sowie Verkauf tätig und haben größten Respekt vor jedem unserer Kunden.“