„Handfeste“ Zusagen

Sprockhövel. (red.) Guntram Schneider, Minister für Arbeit, Integration und Soziales, mag mechanische Türschlösser. Die flache Plastikkarte, die ihm den Zugang zu seinem Ministerium in Düsseldorf ermöglicht, sei doch nichts Handfestes, meint er. Der gelernte Werkzeugmacher, Gewerkschafter und Minister in NRW besuchte auf Einladung von Adi Ostertag, Vorsitzender der hiesigen AWo und ebenfalls gelernter Werkzeugmacher, den Werkstattverbund der AWo im Ennepe-Ruhr-Kreis. Und gab die Zusage, dass die Landesregierung den Standard in der Behindertenpolitik trotz der Haushaltslage nicht herabsetzen werde. „Das ist nicht die Philosophie dieser Regierung“, sagte Guntram Schneider bei der Besichtigung der AWo-Werkstatt in Sprockhövel.

In Sachen mechanische Türschlösser ist Guntram Schneider in den Werkstätten der AWo EN gut aufgehoben. Neben vielen anderen Teilen erstellen die Mitarbeiter auch mechanische Türschlösser. Rund 80 solcher Schlösser werden pro Tag und Mitarbeiter in der Abteilung gefertigt.

Besichtigten die AWo-Werkstatt in Sprockhövel: (links) Jürgen Röllinghoff, Fachkraft AWo Werkstatt Stefansbecke; (vorne rechts) Minister Guntram Schneider; (mittlere Reihe von links nach rechts) Marlies Schmidt, Mitglied des AWo Unterbezirksvorstandes; Jochen Winter, Geschäftsführer der AWo EN; Burghard Bormann, Bereichsleiter des AWo Werkstattverbundes; (obere Reihe von links nach rechts) Jörg Alexander, Leiter der AWo-Werkstatt für Menschen mit Behinderung Stefansbecke; René Röspel, stellvertretender AWo-Kreisvorsitzender. (Foto: AWo)

1977 gründete die AWo die erste Werkstatt für Menschen mit Behinderungen im Ennepe-Ruhr-Kreis. Heute beschäftigt die Arbeiterwohlfahrt an drei Standorten in Gevelsberg und Sprockhövel mehr als 550 Menschen mit Behinderungen in dem Berufsbildungsbereich, in der Metallzerspanung, in der Systemmontage, der Elektrotechnik und nicht zuletzt im Bereich der Großküche „Enculina“.

Kunden des AWo-Werkstattverbundes sind Unternehmen wie DORMA, ABC, AW Schuhmacher oder andere namhafte Betriebe der Region. DORMA, Weltmarktführer im Bereich Glasbeschlagstechnik, verarbeitet die Teile, die aus den Werkstätten der AWo kommen, direkt weiter. Das ist ein Vertrauensbeweis einerseits und andererseits die Bestätigung der Qualität der Teile aus der AWo-Fertigung.

Die Werkstattbeschäftigten in den AWo-Werkstätten erhalten Entgelte und sind sozialversichert. In die Rentenversicherung zahlt die AWo Beiträge ein, die dem durchschnittlichen Lohnniveau in Deutschland entsprechen. Bereits nach 20 Jahren erwerben die Beschäftigten damit Rentenansprüche, die sie unabhängig von Transfer-Leistungen stellen.

Die Besonderheit in NRW: Auch schwerstmehrfachbehinderte Menschen finden unter dem Dach der Werkstatt eine Tagesstruktur. Obwohl sie nur bedingt an der Produktion teilnehmen können, erhalten sie ein Entgelt sowie Einzahlungen in die Sozialversicherungssysteme inklusive Rentenansprüche. Also ein Solidarsystem, in dem Leistungsträger der Werkstatt für behinderte Menschen die Leistungsschwachen mittragen.

Neben der Beschäftigung in den Werkstätten sieht die AWo ihre Aufgabe auch in der Vermittlung von Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt. So konnten in den letzten Monaten 34 Menschen mit Behinderungen in eine Beschäftigung von Unternehmen in Form von Praktika oder Außenarbeitsplätzen auf dem ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden.

Für Guntram Schneider ist die Arbeit in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen ein Weg, die berufliche Einbeziehung in der Gesellschaft voranzutreiben. Dies ist erklärtes Ziel der Politik und der Sozial- und Wohlfahrtsverbände.

Einen zweiten Weg, der keinesfalls in Konkurrenz zu den Werkstätten stehe, sieht Schneider in den sogenannten Integrationsunternehmen. Die Gründung solcher Gesellschaften, die im ersten Arbeitsmarkt stehen und Mitarbeiter mit Behinderungen beschäftigen, wird das Land vorantreiben, bekräftigte er entsprechende Planungen der AWo EN. Die Werkstätten der AWo sind in der Zulieferindustrie eine feste Größe.

„Unsere Werkstattbeschäftigten brauchen nicht länger als Menschen ohne Behinderung für die Fertigung, nur die Ausbildung dauert ein wenig länger“, sagte Werkstattleiter Jörg Alexander. Im Falle eines autistischen Mannes sei es sogar so, dass er aufgrund seiner Inselbegabung schneller als alle anderen die Arbeiten an 50-poligen EDV-Kabeln und Steuerungsleitungen erledigen kann.

Man ist stolz darauf, als verlässlicher Partner gesehen zu werden. „Wir bekommen keine Almosen, sondern müssen wie alle anderen auch termingerecht arbeiten“, bekräftigte Burghard Bormann, Leiter des Werkstattverbunds, beim Rundgang mit Guntram Schneider durch die Werkstatt den Anspruch, qualitativ hochwertige Arbeit abzuliefern. Seit mehr als zwölf Jahren ist der Werkstattverbund sowie alle übrigen Einrichtungen der AWo EN ISO-zertifiziert.