Haßlinghausen schöner machen

Haus und Grund-Vorsitzender Matthias Mayer, Werbering-Vorsitzender Wolfgang Weiss, Bürgermeister Dr. Klaus Walterscheid und Klaus Willmers, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Südwestfalen, (von links) arbeiten an einer guten Zukunft für die Mittelstraße. (Foto: Stefan Scheler)

Sprockhövel. (Sche) „Nach sechs Monaten sind wir auf einem guten Weg“, bewertete Sprockhövels Bürgermeister Dr. Klaus Walterscheid bei der Vorstellung der Planungen zur neu gestalteten Mittelstraße im Sprockhöveler Rathaus die Arbeit des Arbeitskreises aus Verwaltung und Gewerbetreibenden vor wenigen Tagen: „Wir haben noch keine endgültigen Ergebnisse, haben aber intensiv die möglichen Lösungen abgeklopft.“

Es geht um den Ortsteil Haßlinghausen, genauer gesagt: um die Mittelstraße, an der überwiegend die Einzelhändler in dem ehemaligen Straßendorf angesiedelt sind. Hier hat in den vergangenen 20 bis 30 Jahren eine gewisse Verödung stattgefunden, da zahlreiche Händler aufgegeben hatten und ihre Ladenlokale zu Leerständen wurden. Diese Entwicklung umzukehren, hat sich ein Arbeitskreis zum Ziel gesetzt, dem Vertreter der Verwaltung, des Werberings sowie der Haus- und Grundbesitzer angehören. Der Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Südwestfalen, Klaus Willmers, koordiniert dessen Aktivitäten.

Standort-Analyse

Der Arbeitsauftrag war zunächst die Analyse der derzeitigen Situation, der eine Vorschlagsphase für das weitere Vorgehen folgt. Auf der rund einen Kilometer langen Mittelstraße, der Ortsdurchfahrt Haßlinghausen von Witten nach Wuppertal, befinden sich etwa 70 Geschäfte mit einer Gesamtfläche von 10.000 Quadratmetern. Darunter befinden sich Lebensmittel-Großmärkte; die sieben größeren Ladenlokale teilen sich ein Areal von 5.800 Quadratmetern im Kernbereich. Die restliche Verkaufsfläche umfasst rund 4.200 Quadratmeter, die sich etwas über 60 Läden teilen. Das ergibt rein rechnerisch eine durchschnittliche Lokalgröße von 70 bis 80 Quadratmetern. „Darauf ist ein nach heutigen Maßstäben wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb kaum noch möglich“, zog Klaus Willmers das Fazit aus intensiven Marktbeobachtungen und seinen Erfahrungen: „Deshalb ist es schwierig, für diese kleinen Betriebe neue Investoren zu finden.“

Ein Schlüssel zur Neubelebung der Mittelstraße sei auch deren optische Aufwertung. „Ein gepflegtes und einheitliches Erscheinungsbild ist wichtig“, fasste es der Vorsitzende des Werberings, Wolfgang Weiss, zusammen: „Dazu gehört auch eine attraktive Verkehrsgestaltung.“

Tempo 30?

Hier möchte man das Parken vereinfachen, zum Beispiel mit Schrägbuchten. Das setzt aber aus Sicherheitsgründen eine Herabsetzung der Geschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer voraus. „Eine Sache, die das Land vorerst abgeschmettert hat“, gab Matthias Meyer, Rechtsanwalt und Vorsitzender von Haus und Grund, rechtliche Auskunft: „Es handelt sich bei der Mittelstraße um eine Landesstraße, die als Hauptverkehrsachse zu nutzen ist.“ Langfristig könnte sich daran zwar etwas ändern, es fragt sich aber, ob man damit die Zustimmung aller Bürger erreicht, insbesondere derer, die schnell nach Wuppertal oder in Richtung Bochum, Wetter oder Witten gelangen müssen und nicht durch den Ortskern Haßlinghausen schleichen wollen. Laut Auskunft von Wolfgang Weiss hat man in dieser Sache auch schon Gespräche mit der Partei Bündnis 90/Die Grünen geführt, deren Landtagsabgeordnete Daniela Schneckenburger den Tempo 30-Plänen angeblich wohlwollend gegenübersteht.

Sorgenkinder

24 Objekte auf der Mittelstraße waren bei Aufnahme der Tätigkeit des Arbeitskreises nicht in Nutzung, wurden zwischenzeitlich freigeräumt oder sehen in absehbarer Zeit dem Auszug ihrer Nutzer entgegen. Ersatz für die entfallene Geschäftssubstanz ist als Ergebnis der Kooperation zwischen Eigentümern und Arbeitskreis jedoch teilweise in Sicht. Elf Räumlichkeiten fanden kurzfristig wieder eine Nutzung; in zwei Fällen wird dies mittelfristig der Fall sein. Die übrigen elf „Sorgenkinder“ stehen zum Beispiel wegen Umbauüberlegungen der Eigentümer nicht alle am Markt zur Verfügung; aktuell sind sechs Leerstände zur Vermietung frei.

„Von der Aufwertung der Mittelstraße mit neuen Geschäften oder Dienstleistern verspreche ich mir einen attraktiven Standort mit Kraft in Handel und Wandel“, fasste Bürgermeister Dr. Klaus Walterscheid das Ziel der Bemühungen zusammen: „Wir können als Mittelzentrum die Ziele zwar nicht zu hoch stecken; mir schwebt aber ein schönes Örtchen vor, das Durchfahrende gern einmal zum spontanen Einkaufen einlädt.“ Um dies zu erreichen, sollen übrigens auch Fördermittel aus der Landeskasse helfen.