Herausforderung Licht und Ton

Ennepetal. (Sche) Immer tiefer geht es in den Klutertberg. Das hat den Zechen-Kumpel Heinrich Schmidt im Jahr 1875 nicht geängstigt, war er doch die Welt unter Tage von Berufs wegen gewohnt. Was ihn allerdings an verwinkelten Stollen, Nebengängen und versteckten Kammern unter der Erde Ennepetals erwartete, hatte er unterschätzt. Ein sechs Tage langer, für einen Katastrophenfilm reifer Irrgang lag vor dem Abenteurer, der diesen an seine persönlichen Grenzen brachte und Urängste des Menschen vor dem Dunklen und Unbekannten heraufbeschwor.

Das Filmteam vor der Kluterthöhle: (von links) Oberbeleuchter Fabian Gehlsdorf, Tonmeister Markus Limberger, Hauptdarsteller Yann Grouhel, Regieassistentin Marnie Held, Regisseur Thorsten Kleinschmidt, Aufnahmeleiter Simon Louwen, Kameramann Friedrich Schönig und Kostümbildnerin Eva Wasmund. (Foto: Stefan Scheler)

„Das hört sich nach einem guten Filmstoff an“, hatte sich der Regiestudent Thorsten Kleinschmidt gedacht, der an Ennepetals Wahrzeichen mit seinem Team im Beisein von Wolfgang Kern, Geschäftsführer der Kluterthöhlen-Gesellschaft, vor wenigen Tagen das Projekt für seine Abschlussarbeit an der Kunsthochschule für Medien Köln vorstellte: „Mein Werk entwickelt die starken Emotionen, denen sich ein Mensch, welcher unter der Erde gefangen ist, stellen muss.“ Die Figur des Helden hat der 26-Jährige leicht abgewandelt. Aus dem historisch verbürgten Bergmann Heinrich Schmidt wurde für das Drehbuch der fiktive „Heinrich“ ohne Nachnamen, ein Naturforscher des 19. Jahrhunderts. „Etwas der Humboldt-Typ“, bezieht sich der Regisseur auf den berühmten Wissenschaftler und Entdecker Alexander Freiherr von Humboldt, der zwischen 1769 und 1859 lebte und sich vorwiegend mit Geografie und Geologie beschäftigte.

„Das passt wunderbar zu unserer Höhle“, zeigt sich Wolfgang Kern von dem Filmthema begeistert: „Auch unter den Bergen Ennepetals gibt es eine Menge zu erkunden.“ Wer einmal längere Zeit in der Kluterthöhle verbracht und dabei vielleicht sogar für kurze Zeit den Anschluss an die Gruppe oder seinen Führer verloren hat, kann in etwa nachfühlen, wie die Beklommenheit in der Seele aufsteigt und man nach längerer Zeit ohne Ausweg zu halluzinieren beginnt. „Das ist auch das Leitmotiv meines Films“, zeigt Regiestudent Thorsten Kleinschmidt, dass er sich im Vorhinein mit der Problematik ausführlich auseinander gesetzt hat: „Selbst uns beim Drehen sind solche Gefühle nicht fremd. Da muss man sich schon immer wieder an seine eigenen Fähigkeiten und Qualitäten erinnern, um einen kühlen Kopf zu behalten.“ „Das ist der therapeutische Effekt dieser Naturerscheinung“, wirbt Wolfgang Kern auch bei Touristen für seine Höhle: „Nicht nur die Luft, ärmer an Sauerstoff und reicher an Kohlendioxyd als die Außenatmosphäre, trägt wie ein Höhentraining zum körperlichen Wohlbefinden bei, auch das mentale Sich-Einlassen auf die Gegebenheiten bildet den Charakter.“

Die Technik stellt die Filmschaffenden ebenfalls vor ungeahnte Herausforderungen. „Das Ausleuchten will hier absolut gekonnt sein, denn es hilft überhaupt kein Schein von außen“, plaudert Oberbeleuchter Fabian Gehlsdorf aus dem Nähkästchen: „Man kann dafür aber mit den Lichteffekten sehr gut arbeiten und kreativ sein.“ Das sieht Tonmeister Markus Limberger für sein Fach ähnlich. „Es ist in der Höhle so vollkommen still, dass man sich voll auf den Filmton konzentrieren kann“, erläutert er sein Handwerk: „Manchmal gibt es Echo-Effekte, mit denen man spielen und sie in die Filmhandlung einbauen kann.“ Allen Beteiligten macht allerdings die Enge in den Gängen zu schaffen. „Das ist teilweise Extremsport“, sind sich die Profis vor und hinter der Kamera einig: „Man hat nach einem Zehnstunden-Tag abends einen gesunden Appetit und in der Nacht einen tiefen Schlaf.“

Der Hauptdarsteller Yann Grouhel, in die Tracht des 19. Jahrhunderts gekleidet, hat eine Speziallampe zur Hand, welche man vor über 100 Jahren im Bergbau und für Höhlenexpeditionen verwendete. „Ich finde es beeindruckend, wie ausgiebig Thorsten Kleinschmidt über die Welt unter Tage recherchiert hat“, drückt Wolfgang Kern dem angehenden Berufs-Regisseur seine ehrliche Anerkennung aus: „Er weiß darüber vieles, was sogar ich nicht kenne.“ Auf den 45-minütigen Streifen mit dem Arbeitstitel „Die Höhle“ darf man also gespannt sein.