Hilfe für Migrantinnen bei häuslicher Gewalt

Stellten den Wegweiser „Frauen finden Unterstützung“ im Gevelsberger Rathaus vor: (von links) Julia Robert (AWo), Ulrike Janz (Gesine), Christel Hofschröer (Stadt Gevelsberg), Petra Bredow (EN-Kreis) und Isabell Diehl (Weißer Ring). (Foto: Frank Schmidt)

Gevelsberg/EN-Kreis. (zico) „Migrantinnen sind öfter von häuslicher Gewalt betroffen als andere, dazu kommen in vielen Fällen das Problem der Isolation, eine schlechtere wirtschaftliche Situation, schlechtere Information und Sprachprobleme“, so Ulrike Janz von „Gesine“, dem Netzwerk Gesundheit EN – Intervention gegen häusliche Gewalt. Deshalb haben sie sowie Isabell Diehl (Weißer Ring), Christel Hofschröer (Gleichstellungsbeauftragte Stadt Gevelsberg) und Julia Robert (AWo-Jugendmigrationsdienst) als Redaktionsteam einen Wegweiser mit dem Titel „Frauen finden Unterstützung“ zusammen gestellt.

Der Ratgeber ist 20 Seiten stark und beinhaltet zahlreiche Informationen zu Anlauf- und Beratungsstellen, die besonders zugewanderte Frauen unterstützen – sei es, um sich hier als Neubürgerin zurecht zu finden, um Kontakte zu knüpfen und sich aus schwierigen Lebenssituationen zu befreien. Gedacht ist er gleichermaßen für ,Profis’ in medizinischen, beratenden und sozialen Berufen, die gute Adressen für ihre Klientinnen suchen, als auch für Multiplikatorinnen mit guten Kontakten in unterschiedliche Kulturkreise und direkt zu ratsuchenden Frauen.

Zusammengetragen haben die Informationen Fachfrauen und Männer des kreisweiten Forums „Migration und Häusliche Gewalt“ – ein Arbeitskreis des Runden Tisches gegen Häusliche Gewalt im EN-Kreis. Geschäftsführerin des Arbeitskreises ist die Kreisgleichstellungsbeauftragte Petra Bredow, die betont: „Unsere Angebote sind gut strukturiert, vielleicht aber zu wenig bekannt.“ Das sieht auch Christel Hofschröer so: „Es gilt, diese Infrastruktur transparent zu machen.“ Einen weiteren Aspekt stellt Isabell Diehl heraus: „Wir optimieren unsere Angebote, in dem wir sie vernetzen.“

Aufgeführt sind auf den 20 Seiten aus Platzgründen nur die kreisweiten Angebote; es ist aber bereits in einigen Städten angedacht, lokale Einlegeblätter hinzu zu fügen – etwa in Gevelsberg und Sprockhövel.

2.500 Exemplare sind vom Wegweiser „Frauen finden Unterstützung“ gedruckt worden. Sie liegen in Rathäusern, Arztpraxen und an anderen Plätzen aus, die Angehörige der Zielgruppen aufsuchen, aus. Elektronisch ist er über die Gleichstellungsbeauftragten und die Internetseiten der Städte herunter zu laden (z.B. bei der Stadt Gevelsberg). Ins Netz sollen bald auch Übersetzungen des Wegweisers gestellt werden; etwa in türkischer oder auch griechischer Sprache.

„Viele Bürgerinnen, die nicht hier aufgewachsen sind, wissen nicht, wie unsere Hilfesysteme funktionieren, wo sie Hilfe bekommen, wen sie ansprechen können. Wir setzen deshalb auf Fachkräfte und Multiplikatorinnen, die in ihrem beruflichen Alltag mit zugewanderten Frauen zu tun haben und Türen zu Fachstellen und Beratungseinrichtungen öffnen können. Dies können zum Beispiel Lehrkräfte in Integrationskursen sein, aber auch engagierte Mütter in interkulturellen Müttercafes. Wir wollen, dass unsere Angebote auch ankommen“, benennen die Autorinnen ihre Motivation für die Informations- und Mutmachbroschüre. „Gleichzeitig verknüpfen wir erstmals das Wissen und die Kontakte der Einrichtungen, die die Lebenssituation gewaltbedrohter und zugewanderter Frauen im Blick haben“, erklären Isabell Diehl, Julia Robert, Ulrike Janz und Christel Hofschröer ihr Anliegen.

So beschreibt der Beratungsführer im ersten Teil den Weg, den Frauen gehen können, wenn sie zu Hause Gewalt und Demütigung erleben. Er nennt Anlaufstellen und Vertrauenspersonen, die Frauen beraten, begleiten und schützen, wie die Frauenberatung, das Frauenhaus, die Polizei, den Weißen Ring und Pro Familia.

Im zweiten Teil lotst der Beratungsführer zu Einrichtungen, die Deutsch als Fremdsprache vermitteln. Er nennt Beratungsstellen, die helfen, sozial und beruflich Fuß zu fassen. Er gibt Beispiele für gute Kontakte in Stadtteiltreffs und Müttercafes, beschreibt, wann Gleichstellungsbeauftragte und Integrationsbeauftragte, Integrationsräte und Migrantenselbstorganisationen eine gute Adresse sind.

„Wir wissen, dass zugewanderte Frauen umso geschützer sind, je besser sie integriert sind“, verweisen die Autorinnen auf repräsentative Studien und setzen auf mehr Zusammenarbeit zwischen den Hilfesystemen. Der Wegweiser soll hier Orientierung bieten. Möglich gemacht haben ihn die Gleichstellungsstellen im Kreis, allen voran Petra Bedow vom Ennepe-Ruhr-Kreis.

Weitere Informationen zum Thema gibt für das Forum um Migration und Häusliche Gewalt im Ennepe-Ruhr-Kreis die Gleichstellungsstelle der Stadt Gevelsberg, Ruf 02332 / 771-124, und die Frauenberatung EN/Gesine-Netzwerk EN, Ruf 02336 / 4759152.