Horst Zahn: Früherer Bergmann am Queue

Schwelm. (Sche) „Leider haben wir ein Nachwuchsproblem“, bedauert der Sportwart der Billardfreunde Schwelm, Andreas Springorum, dass er mit seinen 44 Lenzen der Jüngste der Truppe ist: „Darum ist es wichtig, dass wir uns auf unsere ,Oldies‘ verlassen können.“

Horst Zahn (links) mit Sportwart Andreas Springorum vor der Trophäensammlung der Billardfreunde Schwelm. (Foto: Stefan Scheler)

Damit meint er besonders den am 3. April 2012 79 Jahre alt gewordenen Horst Zahn, der eine tragende Säule des Sportbetriebs bei den Billardfreunden Schwelm darstellt. Nach dem Meistertitel mit der Mannschaft im Dreiband, wobei vor dem Treffen einer Kugel zunächst drei Banden zu berühren sind, hat Horst Zahn, der vom Niederrhein an die Schwelme gefunden hat, vor Kurzem auch den Titel des Mannschaftsmeisters in der Freien Partie errungen. „Dabei sind zwei Bälle nacheinander mit der weißen Spielkugel zu treffen“, klärt Sportwart Andreas Springorum auf und fügt anerkennend hinzu: „Außerdem hat unser Sportsfreund Horst Zahn drei Wochen nach seinem 79. Geburtstag die Kreismeisterschaften in der 8. Klasse Freie Partie ohne Niederlage gewonnen.“

Der so Gelobte betreibt das Spiel mit den drei Bällen seit über 50 Jahren. „In Schwelm spiele sich seit Ende 1970“, erzählt der Senior: „Mit dem Billard angefangen habe ich im Alter von 29 Jahren, damals beim Verein Reiner Meerbeck, in der Nähe von Moers.“ Dabei bevorzugt der Routinier heute besonders die Carambolage-Variante, die anders als Pool oder Snooker keine Löcher im Tisch hat und mit drei Bällen auskommt. „Das ist etwas ruhiger als die amerikanische und englische Variante“, schätzt der ehemalige Bergmann, der als Zuschauer auch für Fußball, Handball und Basketball schwärmt, seinen Sport: „Besonders in meinem Alter weiß man das etwas beschaulichere Tempo zu schätzen.“ Unterschätzen sollte man die Leistung des bald 80-Jährigen aber nicht. „Ich gehe in der Woche dreimal für zwei bis drei Stunden zum Training“, erzählt er, schränkt aber ein: „Mit 80 möchte ich so langsam mit dem Turnierbetrieb aufhören. Zum Abschied von den Wettkämpfen wünsche ich mir ein gutes Ergebnis.“ Dem geselligen Bälle schieben bleibt er aber treu, auch wenn das im Hinblick auf die Anfahrt nun etwas beschwerlicher geworden ist.

„Nachdem uns der Spielort in der Schwelmer Markgrafenstraße nicht mehr zur Verfügung steht, mussten wir nach Wuppertal an die Dieselstraße ausweichen“, erklärt Andreas Springorum, warum er auch für den Billardkreis Bergisch-Land antritt: „Das hat aber nicht nur Nachteile.“ In der Tat, gegenüber dem nicht sehr hellen Keller, in dem der Verein damals seine Stöße probte, ist der neue Raum in der Nähe der Firma EDE hell und übersichtlich. Zudem fällt die Farbe der Tischfilze auf. Statt dem traditionellen grün leuchten die Spielflächen jetzt in einem angeblich die Nerven beruhigenden Lichtblau. Die neue Umgebung weiß auch Horst Zahn zu schätzen. „Das Spiel und auch das Treffen mit den Vereinskameraden ist neben dem Körpertraining auch gut für das seelische Wohlbefinden“, hat der rüstige Sportsmann erfahren und stapelt tief: „Wenn man dann noch einigermaßen erfolgreich ist, erhöht das zusätzlich den Spaß an der Sache.“

Dass dem noch lange so bleibt, wünschen ihm seine Mitstreiter, vor allem Sportwart Andreas Springorum, der noch auf einen interessanten Termin hinweist: „Am Samstag und Sonntag, 5. und 6. Mai, findet hier an der Dieselstraße 38 in Wuppertal-Langerfeld die öffentlich ausgetragene Landeseinzelmeisterschaft statt, an der ich als Repräsentant der Billardfreunde Schwelm und des Billardkreises Bergisch-Land teilnehme. Beginn ist an beiden Tagen um 10 Uhr, samstags geht es bis 20 Uhr; das Finale am Sonntag beginnt etwa um 14 Uhr.“ Vielleicht, so hofft Andreas Springorum, der unter Ruf 02336/ 4712191 gern Auskunft gibt, könne man so einer vom Aussterben bedrohten Sportart noch einige neue Impulse geben. „Es ist traurig“, bilanziert er: „Dass es in Wuppertal bis zum Jahr 2000 noch etwa 15 bis 20 Lokale gab, in denen man Carambolage spielen konnte. Jetzt sind es nur noch drei.“