Im Nimmerland gibt es keine Erwachsenen

Gevelsberg. (zico) „Im Filmrisskino Theater spielen – das macht Riesenspaß. Ich bin einer von den Guten, die Verantwortung übernehmen“, bekennt der neunjährige Luis Schenk, der in den Reihen der Filmriss-Theater AG mit „Nimmerland 2010“ am Samstag, 13. November, 18 Uhr, sowie am Sonntag, 14. November, 16 Uhr, bereits sein zweites Stück spielt. Auch sein Bruder Simon, der ihn vor über einem Jahr mit zu den Proben nahm, ist wieder mit von der Partie, wenn sich am kommenden Samstag im Lichtspielhaus an der Rosendahler Straße der Vorhang für die neueste Produktion des vor vier Jahren ins Leben gerufenen Jugendtheatergruppe hebt. Überhaupt sind viele der 17 Kinder, die sich 2006 anschickten, die Bretter, die die Welt bedeuten, zu erobern, noch mit von der Partie.

Filmriss-Betreiber Klaus Fiukowski hatte einst die Idee, die im Kino vorhandene Bühne zu nutzen und eine Theater-AG ins Leben zu rufen. Der städtische Veranstaltungsmanager nutzte seine Kontakte zur  „Lutz – junge Bühne Hagen“, die dem Hagener Stadttheater angeschlossen ist, und verpflichtete die Theaterpädagoginnen Meike Strehl und Sophie Beckel zur Ausbildung des Gevelsberger Schauspiel-Nachwuchses. „Das erste Stück haben wir uns noch vom Autoren Stefan Keim schreiben lassen“, erinnert sich Fiukowski: „Doch ab der zweiten Produktionen hat die AG die Stücke selbst erarbeitet.“ Allen bislang vier Stücken, die im „Filmriss“ zur Aufführung kamen, ist eines gemeinsam: Neben dem Theaterspiel enthalten die Produktionen auch Filmsequenzen – die künstlerischen Möglichkeiten, die das Kino bietet, werden somit optimal genutzt.

Im Stück „Nimmerland 2010“, das unmittelbar vor der Uraufführung steht, geht es um eine Welt ohne Erwachsene – für Sandy, Kathi und ihre Freunde wäre das der Himmel auf Erden. Keine Schule, lange ausschlafen, nichts aufräumen müssen und so viele Süßigkeiten wie man essen kann. Und plötzlich geht ihr Traum in Erfüllung. Doch ist es wirklich so einfach, ohne die Erwachsenen zurecht zu kommen? Kathis Bruder merkt schnell, was es bedeutet, ganz auf sich allein gestellt zu sein. Er trommelt seine Freunde zusammen, die versuchen, das Zusammenleben der Kinder zu regeln. Doch die Situation gerät außer Kontrolle, und nur Sandy ist in der Lage, die Erwachsenen zurück zu holen. Ist sie bereit, ihren größten Wunsch rückgängig zu machen?

Diese und viele andere Fragen werden am kommenden Wochenende im Filmriss-Kino beantwortet. „Das Stück sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Es gibt sehr lustige Rollen, gleichzeitig ist Nimmerland 2010 aber auch sehr ernsthaft und sogar dramatisch“, laden Paula Marie Asbeck, Caroline Heermann und Katharina Hammes (alle elf Jahre alt) die heimischen Theaterfreunde zum Besuch ein.

„Die Nachwuchsschauspieler sind war alle älter geworden, aber das aktuelle Stück spielt sich noch auf der kindlichen Ebene ab. Das wird sich im kommenden Jahr ändern – dann wollen wir im Frühjahr eine zweite Gruppe mit acht- und neunjährigen Kindern ins Leben rufen, während die jetzige AG sich mehr dem Jugendbereich widmen wird“, blickt Klaus Fiukowski schon voraus. Sophie Beckel zeigt sich unterdessen erfreut, über welches Potential die Schützlinge, die auch von Joanna Lange, Riccardo Sfragara, Janina Ullrich und Lena Kachelmeier angeleitet werden, mittlerweile verfügen: „Sie spielen die Entwicklung der Kinder, die zunächst erfreut über die Welt ohne Erwachsenen sind, dann aber mit den Problemen konfrontiert werden, sehr überzeugend nach.“ Nicht umsonst bespielt die Filmriss-Theater AG mittlerweile auch andere Bühnen, gastierte im vergangenen Jahr im „Kultopia“ in Hagen und soll mit „Nimmerland“ auch im „Hasper Hammer“ auftreten.

Besonders dankbar ist Klaus Fiukowski der AVU, die die Theaterproduktionen der Filmriss AG bislang stets im Rahmen des Programms „Junges EN“ förderte. „Der Jury gefällt es offenbar, was die Theaterpädagogen gemeinsam mit den Kindern auf die Beine stellen“, freut sich der Kinobetreiber: „Ohne diese Mittel wäre diese kreative Arbeit nicht zu verwirklichen.“

Karten für „Nimmerland 2010“ gibt es noch für beide Aufführungstermine. Sie kosten drei Euro für Erwachsene, 2,50 Euro für Kinder und sind an der Kinokasse des Filmriss, Rosendahler Straße 18, erhältlich.