In der Sporthalle West fliegen Fäuste und Füße

Necati Türkdönmez (39, rechts) aus Gevelsberg will am Sonntag gegen den Kölner Nick Rodenhäuser (24) den Weltmeistertitel im Kickboxen erobern. (Foto: Frank Schmidt)

Gevelsberg. (zico) „Schaut Euch mal böse an“, ruft Hakan Demirci den Kickboxern Necati Türkdönmez und Nick Rodenhäuser beim offiziellen Fototermin vor deren Mittelgewichts-WM-Kampf am morgigen Sonntag, 6. Mai 2012, in der Gevelsberger Sporthalle West (Am Hofe 10) zu, und ein paar Sekunden lang tun die beiden Sportler, wie ihnen geheißen. Dann müssen sie lachen. Nein, echte, erbitterte Feindschaft ist beim Kickboxen eher selten, wie Bundestrainer Frank Fiedler und Karlheinz Berger-Frerich, Generalsekretär der Internationalen Allstyle Kickbox-Federation, unisono bestätigen: „Eher sind wir eine große Familie.“

Die Fäuste – und Füße – fliegen erst, wenn die Herren im Ring stehen. Dann aber richtig! „Kickboxen ist viel dynamischer und actiongeladener als herkömmliches Boxen“, charakterisiert Frank Fiedler jene Sportart, die auch dank vieler TV-Übertragungen in Deutschland immer populärer wird: „Da wird nicht dauernd geklammert und geschoben, da geht es richtig zur Sache.“ Und davon sollen sich am Sonntag circa 600 Besucher in der Halle West persönlich überzeugen können. Um 16 Uhr beginnen die Rahmenkämpfe und ein kulturelles Programm; gegen 20 Uhr soll dann der Hauptkampf steigen. Und mit Necati Türkdönmez greift sogar ein Gevelsberger Lokalmatador nach dem Weltmeisterschaftgürtel im Mittelgewicht!

Necati Türkdönmez kam 1994 nach Gevelsberg, war zuvor bereits acht Jahre als Teakwondo-Kämpfer aktiv, bestritt in seiner Laufbahn 82 Kämpfe und kassierte bei vier Unentschieden nur zwei Niederlagen. 30 seiner 76 Siege erzielte er per Knockout! Höhepunkte seiner Laufbahn waren zwei Deutsche Meisterschaften und 2001 der Gewinn des Europameistertitels. Nun will der 39-Jährige noch höher hinaus und seinem Kontrahenten Nick Rodenhäuser den WM-Gürtel entreißen.

Der 24-jährige Kölner, der im vergangenen Jahr zum Weltchampion aufstieg, hat allerdings einiges dagegen. Der Modellathlet von den Rheinfighters Köln betreibt seine Sportart seit sieben Jahren, hat nur sieben seiner 74 Kämpfe verloren und 18 K.O.-Siege gelandet. Ein Unentschieden findet sich nicht in seinem Rekordbuch. „Beim Kickboxen kann ich mich richtig auspowern und freimachen“, schildet Rodenhäuser die Faszination, die der harte Sport auf ihn ausübt. Zuvor hatte sich der Rheinländer im Taekwondo und im Judo versucht.

Sehen einem anspruchsvollen und abwechslungsreichen Kampftag in der Sporthalle West entgegen: (von links) Bundestrainer Frank Fiedler, IAF-Generalsekretär Karlheinz Berger-Frerich, Weltmeister Nick Rodenhäuser, Europameister und Herausforderer Necati Türkdönmez und dessen Trainer Hakan Demirci. (Foto: Frank Schmidt)

Beide Kämpfer sind überzeugt, den WM-Kampf siegreich zu beenden. Dafür trainieren sie sechs bis sieben Tage in der Woche, drei und mehr Stunden. Necati Türkdönmez ist auch wegen seiner 39 Jahre hoch motiviert, will seine vielleicht letzte Titelchance unbedingt nutzen. „Ich bin zuversichtlich, diesen Kampf zu gewinnen“, gibt er selbstbewusst zu Protokoll, doch sein Gegenüber ist nicht weniger siegesgewiss: „Necati ist sehr erfahren, aber ich schaffe diese Aufgabe.“

Damit der Tag in der Sporthalle West eine richtig runde Sache wird, hat Özkan Köse für den gastgebenden Internationalen Sportverein Gevelsberg (ISG) in Zusammenarbeit mit dem Weltverband IAF ein tolles Rahmenprogramm auf die Beine gestellt, in dem sich Athöleten aus Deutschland, den Niederlanden und Belgien messen werden. „Wir haben sogar einen attraktiven Frauenkampf im Programm, und da werden die Zuschauer sehen, dass Kickboxen nicht nur Männersache ist“, freut sich Köse. Aber auch kulturell wird eine Menge geboten. „Wir haben Drachentanz mit der Gruppe Shaolin Hung Choi, die Gruppe Dadas tritt auf, und es soll auch noch einen musikalischen Überraschungsgast geben“, so Karlheinz Berger-Frerich, der vor allem das verbindende Element beim Kickboxen heraus streicht: „Hier sind Sportler aus vielen Nationen aktiv und bilden eine ausgeprägte Gemeinschaft.“ Wer sich näher dafür interessiert, ist herzlich eingeladen, zu den Trainingsabenden dienstags und donnerstags in die Sporthalle West oder freitags ins Jugendzentrum zu kommen. Beginn ist jeweils um 18 Uhr.

Erst einmal steigt aber am morgigen Sonntag der große WM-Kampf mit umfangreichem Rahmenprogramm, und es sind noch Eintrittskarten zum Preis von 15 Euro an der Tageskasse erhältlich. Kinder bis zwölf Jahre haben freien Eintritt. Einen Wunsch aber haben alle Beteiligten: Es soll ein fairer Kampf werden! Einer allerdings, bei dem ordentlich zugeschlagen wird!