Janoschs Schätze wecken Kinderträume

Gevelsberg. (Sche) „Komm, wir finden einen Schatz“, zitierte Sparkassenchef Thomas Biermann bei der Eröffnung der Janosch-Ausstellung im Ennepe-Finanzcenter dort vor wenigen Tagen deren Titel und schmunzelte dabei: „In den Tagen der Niedrigzinspolitik wird das hier nicht der Fall sein.“ Immerhin gebe es ein „Schätzchen“, nämlich ein für die aktuelle Lage attraktiv verzinstes Zuwachssparen für die Dauer der Ausstellung.

Die Präsentation zeigt bis Freitag, 24. Oktober 2014, 90 Originalgrafiken, Aquarelle und Gouachen des am 11. März 1931 in Hindenburg im heutigen Polen geborenen Horst Eckert, der in den späten 50-er-Jahren den Künstlernamen Janosch annahm. „Die Aktien seiner Mediengesellschaft notierten zunächst mit sieben Cents an der Börse“, gestattete sich Thomas Biermann noch einen Ausflug in sein Metier: „Heute gibt es für eine Janosch-Aktie drei Euro und 15 Cents Dividende.“

So aufsteigend wie der Marktwert verlief auch das Leben des Künstlers, der als Kind unter dem gewalttätigen Vater litt, in ärmlichen Verhältnissen bei den Großeltern aufwuchs und erst einmal „etwas Richtiges“ lernte. Im Rückblick sieht Janosch seine Schmiedelehre als wichtige Phase in seinem Leben, die ihn auch künstlerisch formte.
Es schlossen sich verschiedene künstlerische und schriftstellerische Ausbildungen an: Textilfachschule in Krefeld, Lehrgang im Musterzeichnen bei dem Paul Klee-Schüler Gerhard Kadow und Informationsreisen nach Paris und München. In der bayrischen Hauptstadt schrieb sich Horst Eckert bei der Akademie der Bildenden Künste ein.

1956 begann seine schriftstellerische Arbeit; und schnell fand das Multitalent den Weg in die Welt der Kinder. Vielleicht, weil seine eigene Kindheit recht trostlos war, beschenkte er von nun an die Dötze mit anrührenden Zeichnungen, Gemälden, Postkarten und Kinderbüchern. Diese Werke wimmeln von putzigen, aber auch hintergründig psychologischen Figuren wie „Valek, das Pferd“ und später den berühmten Motiven „Kastenfrosch“, „kleiner Tiger“ oder „kleiner Bär“. Die „Tigerente“ hat als drolliges Rollwägelchen sogar in die Spielzeugläden Einzug gehalten.

„Der Erfolg hat Janosch menschenscheu gemacht“, referierte Kurator Günther Troll, der mit Ehefrau Gabriele die Ausstellung organisiert hatte: „Er selbst hat sich sogar als Autist bezeichnet.“ Der Künstler war selbst auch nicht anwesend, was allerdings eher dessen angegriffener Gesundheit geschuldet war. Der lange Flug von seinem Domizil auf Teneriffa wäre zu anstrengend gewesen. Als Hommage an Janoschs spanische Wahlheimat umrahmten Musikschulleiterin Dagmar Tewes und Musikprofessor Hans-Werner Huppertz die Vernissage vor 347 geladenen Gästen musikalisch mit iberischen Weisen. „Oh, wie schön ist Panama“, zitierte Bürgermeister Claus Jacobi, der die Werkschau als großen Gewinn für seine Stadt bezeichnete, einen Janosch-Kinderbuchtitel. Das Stadtoberhaupt improvisierte und wandelte ihn um: „Oh, wie schön ist Gevelsberg.“