Jugend stärken im Quartier

Ennepetal. (as) Sie waren in Vorleistung getreten. Ein gutes halbes Jahr. Aber die Sache war es wert. Gemeinsam hatten sich die drei Südkreisstädte Ennepetal, Gevelsberg und Schwelm um Mittel des Bundes und des Europäischen Sozialfonds beworben, um das Projekt „Jugend stärken im Quartier“ ins Leben zu rufen. Gemeinsam wollten die Städte Anlaufstationen schaffen, um Schulverweigerern und jungen Menschen, die auf die schiefe Bahn zu rutschen drohen, wieder auf die Beine zu helfen. Seit Anfang des Jahres bereits gibt es erste Ansprechpartner. Strukturen sind geschaffen worden. Irgendwie inoffiziell. Doch diese Zeiten sind nun vorbei.

Vor wenigen Tagen flatterte den Städten die Förderzusage auf den Tisch. Rückwirkend zum 1. Januar 2015 und bis zum 31. Dezember 2018 wird das Verbundprojekt der Städte Schwelm, Gevelsberg und Ennepetal mit einem Betrag in Höhe von 450.000 Euro zu den Personalkosten bezuschusst.

Weitere Förderung

Hans Georg Heller, Fachbereichsleiter Jugend und Soziales in Ennepetal, gibt sich zuversichtlich: „Wenn es so gut läuft, wie wir hoffen, können wir mit einer weiteren Förderung rechnen.“
Den Akteuren vor Ort wäre das natürlich recht: Bianca Euteneuer und Corinna Bick beispielsweise. Sie koordinieren im Fachbereich Jugend und Soziales der Stadt Ennepetal das Projekt für die drei Südkreisstädte. Im Mehrgenerationenhaus, im neuen Büro „Jugend stärken im Quartier“, arbeiten zudem noch Karsten Langwald und Kristin Beer. Das heißt: Im Büro wird man die beiden neuen Mitarbeiter nicht allzu oft antreffen.

Zu ihren Aufgaben gehört nämlich auch die so genannte „aufsuchende Arbeit“. Sie sind oft unterwegs zu den Treffpunkten von Jugendlichen. Sie versuchen herauszufinden, wo der Schuh drückt. Gewinnen sie das Vertrauen von jungen Menschen, kann Schritt zwei beginnen. Das so genannte Case-Management, also die Einzelfallhilfe.

Kristin Beer, die schon zwei Jahre als Streetworkerin in Gevelsberg gearbeitet hat, weiß, wie schwer es manche Jugendlichen haben. Sie spricht von „Vernachlässigung und sexuellen Übergriffen“. „Da wundert es oft nicht, dass Kinder und Jugendliche mit Schulverweigerung reagieren“, sagt Kristin Beer.

Helfen, den Blick zu schärfen

Karsten Langwald und Kristin Beer sind Ansprechpartner für junge Menschen. Aber sie sind auch für deren Bezugspersonen da. Unter der Aufgabenbeschreibung „Beratung und Clearing“ wollen sie auch Lehrern helfen, den Blick zu schärfen. „Schulverweigerung“, weiß Karsten Langwald, „kann auch passiv geschehen.“ Mädchen und Jungen sitzen zwar noch in der Schule, doch von Teilnahme kann keine Rede mehr sein. Wie können diese Kinder und Jugendlichen aufgefangen werden?

Vielleicht mit Mikroprojekten. Auch die gehören nämlich zur Stellenbeschreibung der beiden Sozialarbeiter. Erstes Mikroprojekt soll der Bau einer Hütte beim Gevelsberger Jugendzentrum sein. Die Jugendlichen selbst haben das Projekt vorgeschlagen. Die Hütte soll Unterstand und Aufenthaltsraum werden, natürlich auch Anlaufstelle für Freunde und Helfer wie Kristin Beer und Karsten Langwald.

Jugendliche kehren nicht um

Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen ist froh, dass das Verbundprojekt der drei Südkreisstädte nun endlich auf sicheren Beinen steht. Eine Stadt allein, davon ist er überzeugt, hätte solch ein Projekt nicht „wuppen“ können. Die Kooperation hat aber noch weitere Vorteile. „Jugendliche kehren an Stadtgrenzen nicht um“, sagt er. Er weiß, dass sich Treffpunkte von Ennepetal nach Gevelsberg und nach Schwelm verlagern können.

Betroffene Kinder und Jugendliche oder deren Eltern, aber auch Lehrer, Schulsozialarbeiter können sich an Kristin Beer und Karsten Langwald wenden. Beide sind montags von 13 bis 15 Uhr bei offenen Sprechstunden in ihrem Büro im Mehrgenerationenhaus, Gasstraße 10, zu erreichen.

Auch hat das Projekt im Schwelmer Rathaus in der Moltkestraße 24 ein Büro eröffnet. Bürgermeister Jochen Stobbe überreichte symbolisch einen Schlüssel an Projektmitarbeiterin Johanna Thorwest. Sie und in Kürze auch ihre Kollegin Constanze Steinweg sind in der Moltkestraße 24 montags bis mittwochs von 8.30 bis 15.30 Uhr und freitags von 16 bis 22 Uhr persönlich oder telefonisch unter 0157- 5815-3070 und -3187 erreichbar. Mittwochs von 11 bis 13 Uhr gibt es eine offene Sprechstunde, zu der Schüler, Eltern oder andere Verwandte eingeladen sind.