Jugendstil-Architektur als Motiv

Roman Kruzycki mit Ehefrau Hanna, Heike Gräfe und Johannes Dennda vom Sparkassen-Marketing sowie Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen (von links) bei der Ausstellungs-Eröffnung. (Foto: Stefan Scheler)

Ennepetal. (Sche) „Er ist der Galerist aus Voerde“, stellte Johannes Dennda vom Marketing der Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld Roman Kruzycki vor, dessen Werke von Mittwoch, 27. Februar, bis Donnerstag, 14. März 2013, in der Sparkassen-Hauptstelle zu sehen sind: „Er ist der erste Kunstfotograf, dessen Arbeiten wir hier präsentieren.“

Die Schau mit Lichtbildern von Gebäuden im Jugendstil unter dem Titel „Jugendstil in Europa“ führt auf einen Streifzug durch verschiedene Städte auf unserem Kontinent. In seiner Heimat Polen, in Lettland, Tschechien und Ungarn hat Roman Kruzycki Fassaden und Dekorations-Details aufs Fotopapier gebannt, die Ausdruck einer künstlerischen Epoche um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert sind, denen eine Avantgarde-Zeitung von 1896 mit dem Titel „Jugend“ ihren Namen gab.

Solche Informationen gab der Künstler selbst beim Start der Ausstellung mit 40 Arbeiten, die Johannes Dennda für die Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld eröffnete. „Die Jugendstil-Gebäude mussten wegen des Gewichts der geschmückten Fassaden sehr stabil gebaut sein“, scherzte der Sparkassen-Mitarbeiter, der selbst kreativ tätig ist: „Manche zeitgenössische Bauten würden unter solcher Last schier zusammenbrechen.“

„Das ausgehende 19. Jahrhundert war eine kurze Periode ohne größere Kriege“, referierte Roman Kruzycki: „In dieser zeitweiligen Ruhe konnte eine verspielte Kunst gedeihen, die überwiegend florale Elemente in ihrem Repertoire hatte.“ Den leichthändigen Stil, der auch Nymphen, Feen und allerlei allegorische Figuren hervorbrachte, erklärte der Künstler, der als niedergelassener Chirurg in Ennepetal arbeitet, als neuen ästhetischen Aufbruch, der in einer Zeit ungebremsten Fortschrittsglaubens mit nüchterner Technisierung einen Rückbezug zum romantischen Ausdruck suchte.

Diese Epoche fand ihre Desillusionierung auf den blutigen Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs. Ihre Zeugnisse sind aber auch heute noch in vielen Städten zu besichtigen, auch in Deutschland.

„In Gevelsberg habe ich ein Haus an der Kölner Straße fotografiert“, berichtete der Arzt mit der Kamera: „Und in Ennepetal steht ein solcherart verziertes Gebäude an der Milsper Straße.“ Auch in Kassel ist der Chirurg auf der Pirsch nach Motiven fündig geworden. Dabei gibt er zu, einige der Hochburgen des Jugendstil im In- und Ausland gar nicht besucht zu haben. Zum Beispiel ist Wien ein Mekka des Jugendstil, der sogar so profane Bauten wie die Straßenbahnstation am Karlsplatz schmückt. Auch im benachbarten Wuppertal gab es viele Jugendstil-Haltestellen der Schwebebahn. Nachdem die Station Oberbarmen renoviert ist, bleibt als einziger Stopp im Original-Jugendstil die Werther Brücke, während die Haltestelle Völklinger Straße nur noch eine Rekonstruktion darstellt.

Mit diesem Wissen im Kopf und nach dem Besuch der Ausstellung in den Sparkassenräumen kann sich also auch der lokal gebundene Kunstfreund auf eine künstlerische Entdeckungsreise in das Reich des Jugendstil begeben. „Es lohnt sich, beim Schlendern durch unsere Straßen den Kopf zu heben“, ermunterte Roman Kruzycki zur Neugier: „In unseren Städten schlummert oft übersehene Schönheit.“ Die heutige Zentrale des Jugendstil sei übrigens die lettische Hauptstadt Riga.

Alle Freunde dieser Kunstform und solche, die es noch werden wollen, können die Fotos, die zu den üblichen Geschäftszeiten der Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld zu sehen sind, auch käuflich zum Preis von 20 Euro je Aufnahme erwerben. Der Erlös kommt dem Verein „Blumenstrauß“ für karitative Zwecke zugute. Schon zur Blütezeit des Jugendstil steuerten reiche Fabrikanten als Mäzene ihr Scherflein zur Förderung des meisterhaften Spiels mit Form und Farbe bei.