Kampf um Schwelmer Brauerei

Schwelm. (zico) Immer mehr Menschen engagieren sich für den Erhalt der Schwelmer Brauerei: Am vergangenen Samstag versammelten sich erneut über 300 Bürger auf dem Märkischen Platz, um für den Fortbestand der seit 1830 bestehenden Brautradition in der Kreisstadt einzutreten, weit über 8.000 Menschen haben sich im Internet der Facebook-Gruppe „Für den Erhalt der Schwelmer Brauerei“ angeschlossen, Betriebsrat und die Unternehmensberaterin Yvonne Daniel von „Analyse Consult“ entwerfen Strategien, wie das Unternehmen doch noch gerettet werden könnte.

„Die Schwelmer Brauerei ist ein Herzstück unserer Stadt“, betonte in seiner Ansprache Claus Kaiser, Organisator der Kundgebung, an der auch Vertreter der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten teilnahmen: „Brauerei, Nachbarschaften, das Heimatfest, das bald gefeiert wird – all das sind wesentliche Elemente unserer Identität hier in Schwelm.“ Dany Althaus, Gründerin der Facebook-Gruppe, zeigte sich bei ihrer Stellungnahme sichtlich bewegt: „Ich bin stolz auf alle, die hier teilnehmen. Unser Engagement gilt auch den 32 Arbeitsplätzen, an denen 32 Familien hängen.“ Dirk Podszuweit vom Betriebsrat rief den Versammelten zu: „Die Fehler der Vergangenheit hängen uns wie ein Mühlstein am Hals, aber mit eurer Hilfe können wir es schaffen.“ Und die Unternehmensberaterin Yvonne Daniel warb für die Genossenschaftsidee, mit der die Brauerei gerettet werden könnte, wenn nicht noch ein Investor auf den Plan tritt.

Der Betrieb des Unternehmens als Genossenschaft sieht vor, dass jeder die Möglichkeit bekommt, Anteile an der Brauerei zu erwerben. Es gibt bereits Brauereien, die als Genossenschaften betrieben werden, zum Beispiel die Genossenschaftsbrauerei Rötz. Die ersten Überlegungen gehen dahin, Genossenschaftsanteile im Wert von 250, 500 und 1.000 Euro anzubieten. Diese Zahlen sind allerdings noch nicht endgültig festgelegt; es ist gut denkbar, dass es auch günstigere und teurere Anteile geben wird. In einem ersten Schritt werde nun ermittelt, wie viele Menschen die Erhaltung der Brauerei mit dem Erwerb von Genossenschaftsanteilen unterstützen würden. Bislang liegen Absichtserklärungen in Höhe von über 30.000 Euro vor.

Unterdessen werden die Stimmen lauter, die endlich klare Aussagen aus der Politik einfordern – vor allem von Schwelm Bürgermeister Jochen Stobbe. Der weilte am Samstag nicht unter den Menschen, die sich für den Erhalt von 32 Schwelmer Arbeitsplätzen und den Erhalt des wichtigsten Identifikationsträgers der Stadt einsetzen und inspizierte dem Vernehmen nach stattdessen Radwege. „Hr. STOBBE, da PASSt was nicht!“ – so stand es in Anspielung auf Bürgermeister und Grundstückseigentümer auf einem der Transparente auf dem Märkischen Platz zu lesen. Nach Auskunft der Kundgebungs-Organisatoren wolle der Bürgermeister alle Beteiligten an einen Tisch holen und das Gespräch „moderieren“, ein Termin stehe allerdings noch nicht fest. Und ein weiteres Zitat Stobbes kursiert, wonach er sich einen Weiterbetrieb der Brauerei „auf einem Teil des Grundstücks“ vorstellen könne. Was soll dann auf der Restfläche geschehen, wenn Grundstückseigentümer Burkhard Pass mit den Worten zitiert wird, das Grundstück komme nur für einen Brauereibetrieb in Frage?

Vor Ort war hingegen CDU-Fraktionsvorsitzender Oliver Flüshöh. Auch der stellvertretende Schwelmer SPD-Vorsitzende Walter Steding und SPD-Bundestagsabgeordneter René Röspel stießen später dazu, nachdem sie ebenfalls zunächst den offensichtlich äußerst wichtigen sozialdemokratischen Drahtesel-Termin wahr genommen hatten. Auf die wochenkurier-Frage, ob sich Röspel mit den Zielen der Demonstranten solidarisiere, antwortete Röspel ausweichend: „Ich würde mich freuen, wenn es auch weiterhin Schwelmer Bier gibt.“ Klartext hört sich anders an!