Kaum Kontakt zu Afghanen

Polizeioberrat Klaus Menningen, Landrat Dr. Arnim Brux, Melanie Bartelt und Polizeisprecher Dietmar Trust (von links) beim Wiedersehen in der Heimat. (Foto: Stefan Scheler)

EN-Kreis. (Sche) „Das Camp in Mazār-i Scharīf ist so weitläufig wie eine größere Stadt“, erzählte Melanie Bartelt vor wenigen Tagen im Schwelmer Kreishaus: „Für größere Strecken nimmt man das Auto.“ Die Polizeioberkommissarin war gerade aus Afghanistan zurückgekommen, wo sie im Rahmen der internationalen Hilfe die Ordnungshüter des Landes ausbildete. Nach der glücklichen Heimkehr empfingen sie Landrat Dr. Arnim Brux als Polizeichef, Inspektionsleiter Klaus Menningen und Polizeisprecher Dietmar Trust.

Die junge Frau hatte von ihrem fünf Monate dauernden Einsatz viel zu erzählen. Zum Beispiel, dass bei den Autofahrten in dem weitläufigen Bundeswehr-Camp die gleichen Verkehrsregeln wie in Deutschland gelten. Anschnallpflicht und zulässige Geschwindigkeit überwachen dort als Militärpolizei die Feldjäger, die auch bei ihren zivilen Kollegen keine Nachsicht kennen; schließlich sind Polizisten wie Melanie Bartelt in Mazar -e Sharif für die Ordnungshüter in Oliv normale Bürger.

Landrat Dr. Arnim Brux mit EN-Polizeibeamtin Melanie Bartelt, die stolz ihren NATO-Verdienstorden für den Auslandseinsatz präsentiert. (Foto: Stefan Scheler)

Wichtig ist die Berufsethik

Die Sicherheitslage in dem von den Taliban gebeutelten Land am Hindukusch ist derart prekär, dass die Deutschen und andere NATO-Partner das Lager nicht verlassen dürfen. „Das war etwas schade, da man so keinen rechten Kontakt zu den Einheimischen bekam“, bedauerte Melanie Bartelt: „Der Umgang mit den Afghanen beschränkte sich auf Sprachmittler, die uns auch über die örtliche Kultur aufklärten, und auf die Polizeischüler.“ 200 deutsche Polizeibeamte bringen ihren angehenden afghanischen Kollegen in einem Acht-Wochen-Basiskurs neben Formaldienst, Schießen, Selbstverteidigung und Durchsuchungstechniken allgemeines polizeiliches Verhalten bei. „Das ist keine Fachhochschule für öffentliche Verwaltung im Schnelldurchgang“, erläuterte die Streifenbeamtin von der Wache Wetter: „Die rechtliche Situation ist in Afghanistan eine völlig andere.“ Man beschränke sich auf einsatztaktische Grundtechniken, wobei auch die Berufsethik in dem von Korruption und Stammesfilz gebeutelten Land nicht zu kurz komme. Der Lehrstoff sei einem amerikanischen Kurrikulum entnommen; das in Deutschland lange Jahre gebräuchliche Standardwerk von Richard Taschenmacher sei selbst hierzulande veraltet.

Die Amerikaner vermittelten besonders Kultur und Eigenarten des Einsatzlands und legten viel Wert auf korrektes Verhalten der Ausbilder. Dafür sorgten auch ein zweiwöchiger Einweisungskurs in Brühl mit Schwerpunkt auf den Informationen über Land und Leute. Weitere Vorbereitung auf den Einsatz gab es vier Wochen lang in Lübeck. Die Organisation der polizeilichen Tätigkeit übernimmt die Bundespolizei, während die Bundeswehr im Einsatzland für Unterbringung, Betreuung und Bewachung sorgt. Dazu gehören zum Selbstschutz auch eine Einweisung am Sturmgewehr des Militärs und ein Aufenthalt auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken.

Beförderung als Anerkennung

„Wir haben tagein, tagaus Radio Andernach gehört“, bezeichnete Melanie Bartelt den Bundeswehr-Sender als willkommene Brücke zur Heimat: „Da musste ich auch oft an meinen Mann zuhause denken.“ Dem habe sie zwar immer wieder versichert, dass in Mazār-i Scharīf kaum Gefahren drohten; im Hinterkopf werden aber sowohl bei der 33-Jährigen als auch bei ihrem Gatten einige Besorgnisse geblieben sein. Umso froher sind alle Beteiligten über ein gesundes Wiedersehen im EN-Kreis. Zwar ist die Polizeibeamtin vom grauen Himmel im heimischen Herdecke nicht ganz so erfreut, genießt aber die gegenüber Afghanistan wesentlich abwechslungsreichere Landschaft. Zwei silberne Sterne trägt sie jetzt auf den Schultern der Uniform; die Beförderung ist Anerkennung für ihr Engagement am Hindukusch. Die internationale Gemeinschaft zeichnete sie zudem mit einer NATO-Verdienstmedaille aus.

„Langsam bewegt sich was in den Köpfen der Afghanen“, hofft Melanie Bartelt auf die Zukunft: „Aber wenn Taliban in ihrer typischen Tracht auftauchen, wechseln auch unsere Polizeischüler noch immer die Straßenseite.“