Kfz-Versicherungswechsel: Experten-Tipps

Hagen. (Red./tau) Sobald das Jahresende in Sichtweite kommt,
werden Autobesitzer von den Kfz-Versicherern heftig umworben: Mit dem Wechsel
der Kfz-Versicherung seien Einsparungen möglich, die im Einzelfall ein paar
Hundert Euro ausmachen können.
Aber schnell sollte es gehen, denn mit dem Jahresende rückt auch der Stichtag
für die Kündigung der bisherigen Versicherung näher. Gut beraten ist, wer sich
nicht unter Zeitdruck setzen lässt und in Ruhe vergleicht. Denn es kommt auf die
individuellen Bedürfnisse und Rahmenbedingungen an, wenn die Versicherung
günstig und gleichzeitig umfassend sein soll.
Was beim Vergleich verschiedener Anbieter schieflaufen kann und wie man
typische Fehler vermeidet, fassen die Telefonexperten in hilfreichen Tipps
zusammen.
Übernahme von
Sondereinstufungen prüfen
Thomas Jäckel, Experte für Kraftfahrversicherungen bei der AXA: In
vielen Versicherungsverträgen sind Sondereinstufungen enthalten, die bei einem
Wechsel der Versicherung verloren gehen. Das können Vereinbarungen wie ein
Rabatt-Schutz, ein Rabatt-Retter oder der Tarif für den Zweitwagen sein. Wenn
Sie einen Wechsel ins Auge fassen, prüfen Sie, ob Sondereinstufungen im Vertrag
enthalten sind. Geben Sie die vollständigen Informationen an den neuen Anbieter
weiter und fragen Sie gezielt, ob individuelle Sondervereinbarungen übernommen
werden können. Beispielberechnungen für den günstigsten Tarif sind selten
übertragbar, da sie solche Besonderheiten nicht berücksichtigen. Denn wer heißt
schon Max Mustermann?
Vorsicht, Rückstufung!
Norbert Roemers, behördlich zugelassener Versicherungsberater: Die
Rückstufung bei einem Schaden ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich
geregelt. Der vermeintlich günstige Tarif entpuppt sich dann womöglich als
teuer, wenn es zu einem Schadensfall kommt. Das gilt auch, wenn der Schaden
schon passiert ist, denn die Rückstufung für Schäden aus 2016 erfolgt erst zum
1.1.2017. Unbedingt vorher nachfragen, wie Rückstufungen beim neuen Anbieter
geregelt sind! Grundsätzlich gilt: Bei preiswerteren Tarifen innerhalb einer
Versicherungsgesellschaft liegen für den Versicherten schlechtere
Rückstufungstabellen zugrunde.
Schadenfreiheitsklasse
beachten
Ralf Dünow, Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute,
Bezirksverbands Köln/Bonn:
Mancher Autofahrer neigt zum schnellen
Vergessen: Ein Schaden, der sich während des laufenden Versicherungsjahres
ereignet hat, wird bei der Prüfung eines neuen Angebots einfach nicht
berücksichtigt. Bei der Kalkulation wird die aktuelle Schadenfreiheitsklasse
(SF-Klasse) zu Grunde gelegt, obwohl aufgrund des Schadens eine Neueinstufung
der SF-Klasse fällig wird. Die Folge: Man kalkuliert das Angebot mit falschen
Zahlen. Übrigens: Den Schadenfreiheitsrabatt pro SF-Klasse legen die Versicherer
selbst fest. Da lohnt der Blick in die Versicherungsbedingungen. Achten Sie auch
auf eventuelle Sondereinstufungen Ihres Versicherers.
Äpfel nicht mit
Birnen vergleichen
Thomas Jäckel: Wer beim Vergleich zweier Anbieter nur auf den Preis
schaut, lässt wichtige Kriterien außer Acht. Beinhaltet der bisherige Vertrag
zum Beispiel einen Schutzbrief? Und erhält man nach einer Panne auch im Umkreis
von weniger als 50 Kilometern von Zuhause ein Ersatzfahrzeug? Ist bei dem neuen
Vertrag die Leistung bei grober Fahrlässigkeit eingeschlossen? Sonst kann man
zum Beispiel bei einem Unfall wegen Rotlichtverstoß nicht mit der vollen
Leistung aus der Kaskoversicherung rechnen. Andere Leistungen, die in den
Vergleich einfließen sollten, sind eine Neupreis- oder Kaufwertentschädigung und
Besonderheiten wie ein besonders umfassender Schadenservice des Versicherers.
Dazu gehört auch die Frage, ob und wie lange man bei dem Ausfall des eigenen
Fahrzeugs mit einem Ersatzfahrzeug mobil gehalten wird.
Tarifmerkmale
Thomas Jäckel: Wer Angebote für eine neue Kfz-Versicherung einholt,
muss zahlreiche Tarifmerkmale nennen, die letztlich die Höhe des
Versicherungsbeitrags mitbestimmen. Neben Postleitzahl und den Angaben zum Kfz
gibt es auch einige Merkmale, bei denen sich leicht Fehler einschleichen, zum
Beispiel die Kilometerleistung pro Jahr, die Anzahl der weiteren Nutzer des
Autos oder die Frage, ob das Auto in einer Garage geparkt wird. Zum einen sind
die Angebote nicht vergleichbar, wenn unterschiedliche Angaben gemacht wurden,
zum anderen können falsche Angaben zu einer Preiskorrektur durch den Versicherer
führen – oder in Einzelfällen sogar zu einer Vertragsstrafe.
Vergleichsportale
Ralf Dünow: Vergleichsportale werden häufig mit unabhängigen
Verbraucherportalen verwechselt, die einen breiten Marktüberblick bieten. Doch
Vergleichsportale finanzieren sich über die Provisionen der Anbieter, die dort
ihre Produkte listen lassen – und das sind längst nicht alle, die am Markt zu
finden sind. Es besteht also ein Interessenkonflikt: Der Kunde möchte den
günstigsten oder besten Versicherungsschutz – das Vergleichsportal hingegen eine
möglichst hohe Provision. Vergleichsportale fungieren demnach als
Versicherungsvermittler, können aber weder eine umfassende Analyse des
individuellen Bedarfs leisten, noch eine persönliche Beratung mit sinnvollen
Lösungen.
Sparpotenziale ohne
Wechsel ausschöpfen
Thomas Jäckel: Bevor man unter Zeitdruck den Anbieter wechselt,
lohnt es, sich beim bisherigen Versicherer nach Einsparpotenzialen zu
erkundigen. So können Sie zum Beispiel die Prämie senken, indem Sie den
Schadenservice Ihres Versicherers nutzen. Dann wird Ihr Fahrzeug bei einem
Schaden in einer Partnerwerkstatt des Versicherers repariert – ohne
Qualitätseinbußen.
Versicherungsschutz
auf den Prüfstand stellen
Norbert Roemers: Sparen kann bei der Kfz-Versicherung manchmal sehr
einfach sein: Viele Autofahrer sind schlicht „überversichert“ und zahlen für
Leistungen, die sie nicht benötigen. Dazu zählt beispielsweise die
Insassen-Unfallversicherung oder die Fahrer-Schutzversicherung. In der
Teilkasko-Versicherung sollte eine Selbstbeteiligung von 150 Euro gewählt
werden. Auch der Wechsel von Voll- auf Teilkaskoschutz kann den
Versicherungsbeitrag senken. Aber Achtung: Wer einen hohen
Schadenfreiheitsrabatt genießt, kommt mit dem Vollkaskoschutz vergleichsweise
günstig weg, denn die Teilkasko-Versicherung gewährt keinen
Schadenfreiheitsrabatt.
Kontakt zum
Versicherer
Ralf Dünow: Reine Online-Tarife bieten oft nur abgespeckte
Leistungsumfänge, sind aber meist günstiger in der Prämie. Das erreichen die
Versicherer unter anderem durch den Verzicht auf persönliche Ansprechpartner.
Der Kontakt läuft ausschließlich über das Internetportal des Anbieters. Bei
einigen Anbietern lässt sich der persönliche Kontakt „hinzubuchen“ oder er ist
nur unter teuren Servicerufnummern möglich. Wer den direkten Draht zu einem
persönlichen Ansprechpartner wünscht, ist beim klassischen
Versicherungsvermittler oder einem entsprechenden Tarif besser aufgehoben. Nicht
zuletzt hat der persönliche Ansprechpartner im Schadenfall auch eine
Beratungsfunktion, damit der Schaden formal korrekt und schnell abgewickelt
werden kann.
Korrekt kündigen
Norbert Roemers: Wer bereits ein Angebot eines neuen Anbieters in
der Tasche hat, sollte daran denken, den alten Vertrag rechtswirksam zu
kündigen. Entspricht das Versicherungsjahr dem Kalenderjahr, muss die Kündigung
nachweislich bis zum 30. November beim bisherigen Versicherer eingegangen sein.
Wer nicht korrekt kündigt, bleibt an den bisherigen Anbieter gebunden und der
Vertrag mit dem neuen Anbieter kommt nicht zustande. Übrigens: Wenn der
Versicherer die Prämie erhöht, haben Sie das Recht auf eine außerordentliche
Kündigung zum Termin der Beitragserhöhung.