Kleinod erhalten: Große Pläne für Gut Ahlhausen

Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen, Dr. Paul und Daniela Timmermanns sowie Ulrich Höhl als Leiter der Stadtplanung (von links) machen sich für die Zukunft des Gutes Ahlhausen stark. (Foto: Stefan Scheler)

Ennepetal. (Sche) „Hier atmet man förmlich Geschichte“, schwärmte Dr. Paul Timmermanns, zusammen mit seiner Frau Daniela seit dem vergangenen Jahr neuer Eigentümer des Gutes Ahlhausen in Ennepetal, bei der Vorstellung des neuen Konzeptes für das Besitztum vor wenigen Tagen: „Wir befinden uns hier an einem der ersten Wohnplätze auf dem Gebiet des heutigen Ennepetal.“

Flair der Ritterzeit

Das Ensemble aus vier Gebäuden, dem Herrenhaus, einem Gesindehaus, dem freistehenden Sonderwohnhaus und einem höhenversetzten Baukörper mit verschiefertem Zwiebelturm hat rund ein Jahrtausend auf dem Buckel. Die Holzdecken, Bruchsteinmauern und archaischen Einrichtungsgegenstände, zum Beispiel ein Haken unter dem Dach zum Aufhängen von Schweinehälften, lassen das Flair einer Landwirtschaft zur Ritterzeit erleben. „Das soll auch den Schwerpunkt der zukünftigen Nutzung bilden“, erläuterte Dr. Paul Timmermanns den Vertretern der Stadt Ennepetal, Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen und dem Leiter der Stadtplanung, Ulrich Höhl: „Wir streben langfristig eine Zusammenarbeit mit der Bundesakademie Ländlicher Raum und der Bundeshospizakademie aus Wuppertal an.“ Damit würden die historische Dimension eines landwirtschaftlichen Betriebs aus dem frühen Mittelalter und die ethisch-moralischen Folgerungen aus der Traditionspflege wissenschaftlich aufgearbeitet, um sie einem breiten Publikum verständlich und unterhaltsam zu präsentieren. Der neue Besitzer des Gutes ist Theologe und Philosoph, der Wert darauf legt, mit dem Erhalt der Gebäude keinen Spaßpark für ein Wochenende mit der Familie zu schaffen, sondern den Menschen von heute eine greifbare und erlebbare Begegnung mit der Geschichte der heimischen Region zu ermöglichen.

Auch Landwirtschaft

Zudem ist Dr. Paul Timmermanns Landwirt, der im Wuppertaler Stadtteil Dönberg eine Schafweide und eine Streuobstwiese bewirtschaftet. Ähnliches schwebt ihm und seiner Frau auch für das Gut Ahlhausen vor. „Ich möchte nicht nur einen Vorzeigebetrieb, sondern eine Einrichtung, die aktuell agrarische Werte erwirtschaftet“, gab der neue Bewohner der uralten Häuser Einblick in seine Zukunftspläne: „Auch den alten Friedhof der Familie Bölling, den ehemaligen Besitzern der Anlage, mit ihren Erbgräbern, werden wir nach Möglichkeit erhalten.“

Knackpunkt aller Bemühungen ist die alte Substanz der Bauwerke, deren älteste Dokumentation eine Inschrift aus dem Jahr 1592 darstellt. Über einem Kamin im Herrenhaus prangt die Jahreszahl 1678, was eine Ahnung von den technischen Herausforderungen des Wohnens in den frühbarocken Gemäuern vermittelt. „Wir heizen mit Öl“, erzählte Dr. Paul Timmermanns: „Stilecht ist eigentlich eine Feuerung mit Holzscheiten, die auch langfristig eine behaglichere Wärme liefert.“ Damit hat der unternehmensfreudige Doktor eine der möglichen Nachrüstungen angesprochen, bei denen das Architekturbüro Krautwald aus Essen die technische Seite betreut.

Stadt leistet Hilfe

„Logistische Unterstützung leistet die Stadt Ennepetal“, versprach Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen: „Diese erstreckt sich auf die Bereiche Planung und Vermittlung von Partnern für die Zusammenarbeit sowie auf die Erarbeitung einer gestalterischen Gesamtkonzeption und die heimatkundliche Begleitung.“ Neben der Landwirtschaft soll das Gut Ahlhausen auch zum Kulturzentrum werden, zum Platz für Konzerte und Führungen, für Ausstellungen und vielleicht auch eine dem Ambiente angemessene Gastronomie.

Es bleibt also noch viel zu tun im Tal der Ennepe, um eine Gruppe von Bauwerken zu erhalten und zu neuem Leben zu erwecken, die zum Beispiel im 17. Jahrhundert einen Weihbischof von Münster und Osnabrück beherbergte, den man folglich als „Bischof von Ahlhausen“ bezeichnete.