Kochstudio der Curanum-Omis

Ennepetal. (zico) „Am liebsten mag ich Dicke Bohnen, so richtig westfälische Hausmannskost“, verrät Rosemarie Holst. So, wie es die 83-Jährige halt von früher kennt. Das heißt aber nicht, dass die langjährige Bewohnerin der Curanum-Seniorenresidenz in Voerde neuen Gerichten reserviert gegenüber steht.

Die Kochgruppe, der Rosemarie Holst seit Gründung der munteren Runde vor 20 Jahren angehört, sucht sich ihre Gerichte stets selbst aus. Diesmal ist es ein vegetarischer Gemüseauflauf aus „Kummers Schlemmerkochbuch“ (Books on Demand, ISBN: 978-3-7322-3126-3, 7.90 Euro), das die Ennepetalerin Britta Kummer gemeinsam mit ihren Eltern verfasst hat. Die 42-Jährige wohnt gleicht nebenan und besucht die Gruppe regelmäßig, um mit zu kochen und der Gruppe das ein oder andere von ihr kreierte Rezept schmackhaft zu machen. Und so döppt Rosemarie Horst heute keine Bohnen, sondern schnippelt Champignons. Vielleicht schafft es Brittas Rezept ja auch an die Küchenpinnwand – dort werden die leckersten Gerichte „archiviert“, damit man bei Bedarf mal wieder auf die Rezepte zurück greifen kann.

Auch die anderen Damen aus dem Voerder „Curanum-Kochstudio“ sind eifrig mit dem Messer zugange, zerkleinern Pilze, Petersilie, Schnittlauch, Zwiebeln und Blumenkohl. Und tauschen nebenbei eifrig Neuigkeiten aus. „Mein Enkel hat jetzt mit dem Laufen angefangen“, berichtet zum Beispiel Elisabeth Eiben, „das ist für ihn ein guter Ausgleich zum Beruf.“ Und dabei verkneift sie sich ein Tränchen – das liegt aber an den scharfen Zwiebeln, die sie gemeinsam mit Ilse Santjer schneidet, und nicht am Gedanken an den tüchtigen Enkelsohn. Im Kochstudio der Curanum-Omis ist vielmehr Lachen das beste Rezept.

Das Kochen mit frischen Zutaten kennen die neun Damen aus der Kochgruppe gut aus früheren Zeiten. Hausfrauen waren sie allesamt, und ein Stück Garten hatten sie ebenfalls fast alle. „Eine gelernte Köchin haben wir ebenso wenig in unseren Reihen wie einen Mann. Das war auch mal anders“, flachsen die Damen.

Die Seniorinnen aus dem Kochstudio der Curanum-Seniorenresidenz Ennepetal-Voerde schwingen einmal pro Woche den Löffel: (vorn, von links) Anneliese Kerwien, Gerda Bohm, Elisabeth Knappe, Helga Schuster, Elisabeth Eiben, Rosemarie Horst; (dahinter, von links) Betreuerin Elke Karmann, Betreuerin Christine Kammann, Hildegard Wolter, Ilse Santjer und Kochbuch-Autorin Britta Kummer. (Foto: Frank Schmidt)
Die Seniorinnen aus dem Kochstudio der Curanum-Seniorenresidenz Ennepetal-Voerde schwingen einmal pro Woche den Löffel: (vorn, von links) Anneliese Kerwien, Gerda Bohm, Elisabeth Knappe, Helga Schuster, Elisabeth Eiben, Rosemarie Horst; (dahinter, von links) Betreuerin Elke Karmann, Betreuerin Christine Kammann, Hildegard Wolter, Ilse Santjer und Kochbuch-Autorin Britta Kummer. (Foto: Frank Schmidt)

Die Zutaten einkaufen müssen die zum Teil hoch betagten Frauen allerdings nicht selbst. Das macht stattdessen Elke Karmann vom Betreuungsdienst des Hauses. „Ich hole viel vom Markt oder frisch aus dem Geschäft“, sagt sie: „Am Herd stehe ebenfalls nur ich, sonst ist das Gedränge zu groß.“ Nebenbei hat Elke Karmann ebenso wie ihre Kollegin Christine Kammann für jeden ein freundliches Wort und lockt ihre Mitköchinnen immer wieder aus der Reserve. Es ist eine fröhliche Runde, für die das Kochen längst nicht das Wichtigste bei der wöchentlich stattfindenden, kulinarischen Zusammenkunft ist.

Auch Britta Kummer strahlt, als Elke Karmann die Auflaufform mit dem goldgelb überbackenen Gemüse aus dem Herd zieht. „Genau so muss es aussehen“, freut sich die an Multipler Sklerose erkrankte Klutertstädterin.

Eine Viertelstunde später haben alle aufgegessen. Anneliese Kerwien etwa, die vor sechs Jahren aus dem thüringischen Eisfeld nach Ennepetal gezogen ist, weil ihr Sohn hier lebt. Auch Rosemarie Horst, die es weniger weit hatte, um von Wehringhausen nach Voerde zu finden. Nur Helga Schuster hat die Champignons bei Seite geschoben: „Ich mag keine Pilze, aber der Rest war sehr lecker.“

Was die anderen, gut 100 Bewohner der Seniorenresidenz gegessen haben? „Keine Ahnung, aber wir können mit unserer Gruppe ja nicht für 112 Bewohner kochen. Wer was aus unserem Kochstudio haben will, der muss auch mithelfen“, sagt Elisabeth Knappe freundlich, aber bestimmt, und löffelt den letzten Rest Schokoladenpudding aus ihrem Schälchen. Danach ist Mittagsruhe.

„Man tut hier viel für die Bewohner – hier ist immer was los, ob Basteln, Turnen oder eben Kochen“, sagt Britta Kummer. Es macht ihr Spaß, mit den Seniorinnen ab und zu den Kochlöffel zu schwingen. Und insgeheim ist sie stolz, das alle aufgegessen haben. Unterdessen hat ihr Gemüseauflauf-Rezept schon jemand an die Pinnwand gesteckt.


Gemüse-Auflauf

Zutaten für 3 Personen

  • 200 g Blumenkohl
  • 200 g weiße Champignons
  • 1 Stange Lauch
  • ½ Bund Schnittlauch
  • ½ Bund Petersilie
  • 100 g Parmesan
  • 3 Eier
  • 300 g Magerquark
  • Olivenöl
  • Muskat
  • Paprikapulver
  • Salz
  • Pfeffer
  • Fett für die Form

Zubereitung

Blumenkohl waschen, putzen, in Röschen teilen und vorgaren. Champignons putzen und in Scheiben schneiden. Lauch waschen, putzen und in Ringe schneiden. Petersilie waschen und fein hacken. Schnittlauch waschen und in feine Ringe schneiden. Parmesan reiben.

Olivenöl in einer Pfanne erhitzen. Champignons und Lauch zufügen und kurz anbraten.

Magerquark, Eier, Parmesan, Schnittlauch und Petersilie vermengen. Mit Muskat, Paprikapulver, Salz und Pfeffer würzen.

Gemüse in eine gefettete Auflaufform geben. Quarkmischung darüber verteilen. Im vorgeheizten Backofen bei 180 Grad ca. 20 Minuten überbacken.