Krawallfans und Geiselnahmen

Ein Polizei-Korso mit drei Motorrädern, einem Autobahn-Porsche und dem historischen Streifenwagen gab Klaus Noske das Geleit. (Foto: Stefan Scheler)

Schwelm. (Sche) Die an der Haltestelle Kreishaus Wartenden verdrehten die Hälse, als sich vor wenigen Tagen auf der Hauptstraße in Schwelm mit Blaulicht und Martinshorn eine grün-weiße Kolonne ankündigte. Manche werden wohl die Ankunft eines wichtigen Politikers vermutet haben, stattdessen stiegen – nicht minder wichtig – Landrat Dr. Arnim Brux, Polizeidirektor Klaus Noske und seine Ehefrau Silvia aus einem historischen Opel Blitz-Überfallkommandowagen, Modelljahr 1948.

Polizeidirektor Klaus Noske (links) kam mit Ehefrau Silvia und Landrat Dr. Arnim Brux im Nostalgie-Streifenwagen aus Witten ins Kreishaus. (Foto: Stefan Scheler)

Anlass der polizeilichen Oldtimer-Parade, an der neben drei modernen Eskorten-Krädern auch noch ein Porsche 924 teilnahm, der um 1982 im Autobahn-Streifendienst stand, war die Verabschiedung des ranghöchsten Polizeibeamten im EN-Kreis, Polizeidirektor Klaus Noske. Wenn der in Zivil Erschienene Uniform trägt, zieren drei goldene Sterne seine Schultern. Grund seines Weggangs zum Polizeipräsidium Gelsenkirchen ist neben neuen herausfordernden Aufgaben die Aussicht auf einen vierten Stern, den Aufstieg zum Leitenden Polizeidirektor. „Die Karriere eines führenden Polizeibeamten in Nordrhein-Westfalen erfordert neben mehreren Verwendungen bei Präsidien und geschlossenen Einheiten auch den Dienst bei einer Landrats-Behörde“, erklärt Klaus Noske, der vor elf Jahren seine Tätigkeit zwischen Ennepe und Ruhr antrat, die Station im Schwelmer Kreishaus: „Eigentlich hätte ein Aufenthalt von vier bis sechs Jahren dafür genügt, aber das sehr gute Arbeitsklima hier hat mich zum längeren Bleiben verleitet.“ Nun aber muss der 56-Jährige durchstarten, um bis zum polizeidienstlich begründeten Ruhestand mit 62 Jahren noch einen Sprung auf der beruflichen Sprossenleiter zu schaffen.“ Nun kommen auf ihn Organisationsaufgaben zu, die zum Beispiel die sicherheitsmäßig nicht einfachen Heimspiele des FC Schalke 04 umfassen. „Ich habe mir das vor wenigen Tagen schon einmal als Einsatzbeobachter angesehen“, erzählt Klaus Noske, der früher bereits als Polizist in Gelsenkirchen tätig war: „Mein erstes Gefühl war: Du bist nie weg gewesen.“ Mit der polizeilichen Begleitung von Fußballspielen kennt sich der Wittener, der dort auch CDU-Ratsfraktionsvorsitzender ist, gut aus, hat er doch sowohl im Dortmunder Westfalenstadion als auch im Bochumer Ruhrstadion für Ordnung gesorgt. „In Dortmund schob ich die Einrichtung stadioneigener Arrestzellen an“, erinnert er sich an diese Zeit: „Und die Bochumer Hooligans verliehen mir für mein hartes Durchgreifen den ,goldenen Schlagstock‘.“

Im Ennepe-Ruhr-Kreis hat der Ordnungshüter aus Leidenschaft gezeigt, dass er auch anders kann. Mit der Gründung des Arbeitskreises Polizei und Muslime setzte er auf Dialog statt auf Konfrontation. Bundesweite Anerkennung erhielt der leitende Polizeibeamte für die souveräne Handhabung eines Neonazi-Aufmarsches in Ennepetal im Jahr 2002. „Hier komm‘ ich nie mehr hin!“, rief nach dem routinierten Umgang mit der braunen Kolonne ein führender Rechtsextremer aus. Am Dienstag, 12. April 2005, handhabte der Polizeiführer eine Geiselnahme unter Vorhalt eines Messers am Ennepetaler Meisenweg mit Unterstützung des Dortmunder Spezialeinsatzkommandos kompetent und ohne Aufgeregtheit. In dieser Weise ging er im Jahr 2010 auch den Umbau der rund 350 Beamte starken Behörde in das so genannte Direktionsmodell an, mit neuer Gliederung der Sachgebiete Verwaltung, Verkehr, Kriminalität und Einsätze. „Hinter dieser Binnenorganisation steckt ein Sicherheitskonzept, das die Bürger im EN-Kreis relativ ruhig schlafen lässt“, ist sich der oberste Polizeibeamte des Kreises, der in Gelsenkirchen die Leitung einer Direktion übernimmt, sicher: „Besonders freut mich, dass während meiner Dienstzeit hier kein Kollege ernsthaft zu Schaden kam.“ Stichwort Eigensicherung: Da muss man auch als Träger von drei Goldsternen an der Waffe fit sein. „Unsere Trainer haben mich in der neuen Hattinger Raumschießanlage immer sicher durch die Qualifikation gebracht“, dankte Klaus Noske bei der Abschiedsfeier im großen Saal des Kreishauses den anwesenden Hauptkommissaren Sven Flügge und Frank Dittmeyer.

Klaus Noske (Dritter von rechts) erhielt von seinen Kollegen Trikots aller Fußballvereine, deren Spiele er in seiner Dienstzeit als Polizeibeamter betreute. (Foto: Stefan Scheler)