Kreispolizei ermittelt nach Kreuzschändung

Kaplan Benedikt Ogrodowczyk vor dem beschädigten Kreuz mit dem noch deutlich erkennbaren Umriss der Christus-Figur. (Foto: Stefan Scheler)

Schwelm. (Sche) Es geschah zwischen den Jahren, in einer Zeit, die Christen wegen der zeitlichen Nähe zu Weihnachten besonders heilig ist: Das Wegkreuz an der Marienkirche in Schwelm haben Unbekannte schwer beschädigt, indem sie den Korpus, also den künstlerisch nachgebildeten Leib Christi, vom Holzgestell abrissen und zerbrachen. Besonders makaber: Unter dem Schutzdach erkennt man noch deutlich die Umrisse der Jesusfigur.

„Es erschreckt mich, wie respektlos die Täter, aus welchen Motiven auch immer, mit den Symbolen des Christentums und damit auch den Gefühlen der Gläubigen umgegangen sind“, nimmt Kaplan Benedikt Ogrodowczyk zu dem Vorfall Stellung: „Ob die Tat einen religiös-fanatischen Hintergrund hat, oder ob es sich um reinen Vandalismus handelt, darüber möchte ich nicht vorverurteilend spekulieren.“

Hoffen auf Kommissar Zufall

Das liegt auch der Kreispolizeibehörde in Schwelm fern, die sich stattdessen auf handfeste Ermittlungsarbeit stützt. „Bisher sind wir da allerdings noch nicht viel weiter“, gibt Polizeisprecher Dietmar Trust zu: „Den fanatisch-religiösen Hintergrund haben wir zunächst ausgeklammert, weshalb auch der dafür zuständige Polizeiliche Staatschutz bisher nicht tätig geworden ist.“ Für eine einfache Sachbeschädigung, als welche die Tat demnach vorerst zu behandeln ist, gebe es bei der Aufklärung einige Schwierigkeiten. „Wir können zum Beispiel keine DNA-Analyse durchführen“, bedauert der Erste Hauptkommissar: „Das ist bei diesem Delikt, das trotz seiner hohen sittlichen Verwerflichkeit rechtlich nicht anders zu bewerten ist als zum Beispiel ein zerstörter Gartenzaun, leider nicht möglich.“ Dem stünden polizeidienstliche Vorgaben aus dem Düsseldorfer Innenministerium entgegen.

Also hoffen die Kriminalisten auf Kommissar Zufall, der ihnen vielleicht einen Zeugen präsentiert, der sich bis jetzt noch nicht gemeldet hat. Erste Fahndungsmaßnahmen haben keine Personen ergeben, die irgendetwas gesehen oder gehört haben. Eine ganz schwache Hoffnung ist auch die, dass der oder die Täter sich mit eigenen Aussagen im Bekanntenkreis verraten. „Auf jeden Fall sollten sie sich nicht allzu sehr in Sicherheit wiegen“, mahnt Dietmar Trust: „Wir ermitteln immer noch weiter.“

Für Kaplan Benedikt Ogrodowczyk besteht aus seinem Glauben heraus außerdem noch die – zugegebenermaßen schwache – Hoffnung, dass den Täter sein Handeln reut und er sich vielleicht selbst zur Wiedergutmachung stellt.

Polizeisprecher Dietmar Trust versichert, dass seine Kollegen die Ermittlungsakten zur Kreuzschändung an St. Marien noch nicht schließen. (Foto: Stefan Scheler)

Das Symbol wird nicht versteckt

Denn das Kreuz wird nicht beschädigt bleiben, so nachdenklich es in seinem aktuellen Zustand als Mahnmal wohl stimmen würde. „Wir haben einen Ersatzkorpus aus Kunstholz in Kevelaer bestellt“, berichtet der Kaplan: „Er ist auch schon in Schwelm eingetroffen.“ Zur Anbringung müsse man allerdings erst eine günstige Witterung abwarten.

Damit wäre das Kreuz dann wieder in einem vorzeigbaren Zustand, der auch der religiösen Würde dieses Symbols angemessen ist. Erst zu Ostern „2001 kam es vom Friedhof Oehde, wo es die Grabstätte der Familie Müller schmückte, an seinen jetzigen Standort zwischen dem Pfarrheim von St. Marien und der Kirche. Es hatte einst an den ehemaligen Chefarzt am Marienhospital, Dr. med. Franz Müller (1899 – 1948), erinnert, dessen Nachkommen und Angehörige nach der mutwilligen Beschädigung ebenfalls sehr bestürzt sein dürften.

„Das neu gestaltete Kreuz bleibt aber am alten Ort; wir verlegen es nicht in die Kirche oder bauen ein Gitter davor“, erteilt Kaplan Ogrodowczyk ängstlichem Sicherheitsdenken eine Absage: „Wo kämen wir denn hin, wenn sich Christen mit ihrem Glauben und ihren Symbolen in dieser Gesellschaft verstecken müssten?“