Kriminelle Kreuzfahrt als mentaler Befreiungsschlag

Mit „Eine Mordskreuzfahrt bucht man nicht“ hat Wolfgang Todtenhausen alias Wolf Stachel einen spannenden Krimi veröffentlicht. (Foto: Frank Schmidt)

Schwelm. (zico) Als Wolfgang Todtenhausen gemeinsam mit seiner Frau Dagmar zu seiner ersten Kreuzfahrt aufbrach, wusste er nicht, ob und wie er zurückkehren würde. Nicht der Ort, den er erreichen würde, war wichtig, sondern eher, dass er einen beklemmenden Ort verließ. „Es wurde ein mentaler Befreiungsschlag, aus der dunklen Zeit heraus…“, sagt Todtenhausen heute. Die „innere Reise“, die der Schwelmer mit seiner Frau unternahm, ist eine ganz persönliche. Doch in die Welt der Kreuzfahrtschiffe nimmt der heimische Autor seine Leser jetzt in seinem neuesten Werk mit, das reichlich Spannung verspricht: „Eine Mordskreuzfahrt bucht man nicht“.

Es ist bereits das dritte Buch des mittlerweile 69-Jährigen, der aus traurigem Anlass mit dem Schreiben begann. Vor fast zehn Jahren starb Todtenhausens neunjährige Tochter Julia völlig überraschend – ein unfassbarer, unannehmbarer Schicksalsschlag für Wolfgang Todtenhausen, den er mit einem Buch zu verarbeiten versuchte. „TränenReich“ hieß sein 2005 erschienener Debütroman, der ihm natürlich keinen Trost gab, aber doch immerhin Beschäftigung. Und so erschien 2009 der zweite Roman aus seiner Feder, in dem Todtenhausen die deutsche Geschichte von 1940 bis 1990 verarbeitete und in Anlehnung an die Historie eine Romanhandlung mit vielen Schwelmer Bezügen erdachte. „Auch dieses Buch war eher schwere Kost“, beschreibt der gebürtige Wuppertaler den Roman „Stachelherzen“, in dem er sich mit den Abgründen des Menschen auseinandersetzt und dazu mahnt, wachsam gegen nationalsozialistische Tendenzen zu sein. Parallel dazu begann er auch mit dem Zeichnen, dass ebenfalls zunächst der Vergangenheitsbewältigung gewidmet war und in diversen Ausstellungen Beachtung fand.

„Eine Mordskreuzfahrt bucht man nicht“ ist hingegen anders. Auch wenn es sich um einen Krimi mit Mord und Totschlag handelt. Es führt ein in die faszinierende Welt der Kreuzfahrtschiffe, ist voller Neugier, Spannung und Lebenshunger – eine lockere Urlaubslektüre, wie man sie zum Beispiel auf einer Kreuzfahrt zu lesen wünscht. Und Wolfgang Todtenhausens zeichnerisches Talent gibt den Protagonisten auch ein Gesicht; liebevoll und detailliert sind die Bilder, mit denen Todtenhausen, der sich für seinen dritten Roman das Pseudonym „Wolf Stachel“ gab, seine neue Geschichte illustriert. „Ich wollte auch mit dem Namen deutlich machen, dass für mich eine neue Zeit angebrochen ist“, so der Autor, „Todtenhausen weckt ja schon eher dunkle Assoziationen.“ Zwar betrachtet er die frisch entdeckte Liebe zu Kreuzfahrten nach wie vor als eine Art Flucht, doch er und seine Frau sind nun bereit, sich neuen, hellen Dingen zu öffnen – ein wichtiger Schritt für einen Mann, der bekennt, in den ersten Jahren nach dem schrecklichen Schicksalsschlag jeglichen Lebensmut verloren zu haben.

Heimatfreunde werden „Eine Mordskreuzfahrt bucht man nicht“ besonders schätzen, weil die Kreisstadt auch hier wieder eine wichtige Rolle spielt. Der Selbstmord einer Frau in Schwelm bringt die ganze Geschichte schließlich erst richtig ins Rollen, und auch auf so mancher Zeichnung entdecken die Leser vertraute Winkel Schwelms sofort wieder, denn „Wolf Stachel“ zeichnet äußerst originalgetreu. „Die genaue Geschichte hat sich hingegen erst beim Schreiben entwickelt“, erläutert Stachel seinen Arbeitsstil: „Es gibt immer wieder überraschende Momente, die mir erst bei der Arbeit eingefallen sind – zum Beispiel, wie der Mörder an Bord gelangt.“

Der Roman „Eine Mordkreuzfahrt bucht man nicht“ erzählt eine spannende Krimigeschichte in einem ebenso spannenden, gut recherchierten Umfeld und ist ab sofort zum Preis von 10,00 Euro im Schwelmer Buchhandel erhältlich.