„Kuchen am Stiel“ für Kanada

Gevelsberg. (zico) Haben Sie schon mal Kuchen am Stiel gegessen? Wenn nicht, dann haben Sie eine echte Köstlichkeit verpasst. Wenn doch, dann haben Sie sich den neuesten Renner eines in vieler Hinsicht erstaunlichen Erfolgsunternehmens schmecken lassen – der Tiefkühlbackwaren-Hersteller D. Entrup-Haselbach (DEH) ist einer der Marktführer der Branche, liefert seine Produkte auf alle Kontinente und hat seinen Sitz in: Gevelsberg!

Nicht nur wegen der leckeren Brötchen, sondern vor allem wegen des hohen Anteils an weiblichen Führungskräften besuchte der damalige Bundespräsident Horst Köhler im Jahre 2006 die Firma „DEH“. Gründerin Doris Entrup führte die Gäste, darunter auch Gevelsbergs Bürgermeister Claus Jacobi, persönlich durch die Produktionsstätte in Heiden. (Foto: DEH)

In einem Ein-Zimmer-Büro am Biesenkamp rief Doris Entrup 1987 das Unternehmen ins Leben und verknüpfte darin zwei Erfahrungswelten. Aufgewachsen als Tochter eines selbstständigen Bäckermeisters in Osnabrück, arbeitete die tatkräftige junge Frau in der ersten Hälfte ihres Berufslebens zunächst im Vertriebsmanagement von Lebensmittelgroßkonzernen, um dann, als alleinerziehende Mutter, mit viel Mut und Engagement ihr eigenes Unternehmen zu gründen und ihre Geschäftsidee zu entwickeln – den Vertrieb von Dauer- und Tiefkühlbackwaren, zunächst in Deutschland.

Und insbesondere mit dem Bereich Tiefkühlbackwaren hatte Doris Entrup genau den richtigen Riecher. Schon nach drei Jahren machte das rasante Wachstum des Unternehmens den Aufbau eines zweiten Verkaufsbüros in Süddeutschland erforderlich, welches von dem bis heute im Unternehmen stehenden DEH-Mitpionier Hubert Capitain geleitet wurde. Vor dem Hintergrund der rasant steigenden Nachfrage gründete Doris Entrup 1992 den ersten eigenen Produktionsbetrieb im ungarischen Nayadat, in einer vormaligen Chipsfabrik. Preis und Leistung stimmten schon damals, und eine durchdachte Logistik mit heute 16 Auslieferungslagern allein in Deutschland sorgte für immer neue Abnehmer – Heimdienste, Backshops in Tankstellen sowie viele andere Abnehmer von Backwaren im Lebensmittel-Einzelhandel, in der Gastronomie und anderswo kamen hinzu.

Nur eine kleine Auswahl aus dem über 400 Backprodukte zählenden Angebot von „D. Entrup-Haselbach“, welche Marketingleiterin Kea Heßdörfer präsentiert. Fortlaufend werden Trends aufgegriffen und neue Leckereien kreiert. (Foto: Frank Schmidt)

So erwarb das Unternehmen 1999 einen zweiten Produktionsbetrieb im westfälischen Heiden, den im Jahre 2000 die ersten „Heidener Goldbrötchen“ verließen. Modernisierungen in beiden Betrieben folgten. Und der Umsatz stieg im Eiltempo – im vergangenen Jahr durchbrachen die Umsatzzahlen mit 105 Millionen Euro erstmals die 100-Millionen-Euro-Grenze!

„An der Alten Geer sind wir seit 2009 ansässig“, berichtet Pressesprecherin und Marketingleiterin Kea Heßdörfer, die aus Sprockhövel kommt und sich in Gevelsberg bereits als kreativer Geist für das Stadtmarketing einen Namen gemacht hat. Dort, wo früher Hauptschüler für den Ernst des Lebens büffelten, erinnert heute nur noch eine Schiefertafel an den Kampf um gute Noten und gegen das Sitzenbleiben. Hell und freundlich sind die Büros der Hauptzentrale, die mehr als 50 hier tätigen Mitarbeiter strahlen Einsatzfreude und gute Stimmung aus. Das mag an einem Erfolgsrezept liegen, das nicht für den Backofen bestimmt ist, sondern der Unternehmenskultur dient: Firmengründerin Doris Entrup setzt verstärkt auf weibliche Mitarbeiter, und zwar auf allen Ebenen.

„Mit 70 Prozent Frauenanteil ist das Unternehmen DEH ein echtes Vorbild für gelebte Gleichstellungsarbeit. Vor 25 Jahren selbst von einer engagierten Powerfrau gegründet, zieht sich diese Wertschätzung der Frauen in allen Hierarchieebenen durch die gesamte Unternehmensentwicklung. Doris Entrup schätzt an Frauen das besondere Engagement und ihre Flexibilität. Ich denke, dass gerade dieser Mix aus Professionalität und Fähigkeiten einerseits und Empathie, Kommunikationsstärke sowie Teamgefühl andererseits erfolgreiche Frauen ausmacht und Unternehmen eine umfangreiche Kombination an wertvollen Ressourcen bieten kann“, fasst Kea Heßdörfer zusammen. Das Team am Hauptsitz Gevelsberg ist mit Spaß bei der Arbeit, ohne dass die Professionalität leidet.

Eva Kappel, Gevelsbergerin und Auszubildende bei „D. Entrup-Haselbach“, mit den neuen Etiketten für den ägyptischen Markt. Auch der Umgang mit ungewohnten Schriftzeichen gehört zum Alltag in dem kontinuierlich wachsenden Familienunternehmen. (Foto: Frank Schmidt)

Grund genug für den damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler, dem Werk in Heiden am Weltfrauentag 2006 einen Besuch abzustatten. Das Staatsoberhaupt staunte ebenso wie Gevelsbergs Bürgermeister Claus Jacobi nicht schlecht über die hohe Frauenquote, die sich ganz besonders an der Unternehmensspitze manifestiert: Fast alle Führungspositionen liegen in weiblicher Hand. Gesetzliche Regelungen zur Förderung von Frauen, derzeit viel diskutiert, hat man bei DEH längst überholt.

Vorurteile gegenüber Tiefkühlbackwaren sind ebenso schon lange Schnee von gestern. Wem die über 50 begehrten DLG-Medaillen, die das Familienunternehmen kürzlich für seine Produkte gesammelt hat, als Qualitätszeugnis nicht reichen, muss sich nur Kostproben aus dem gut 400 verschiedene Leckereien umfassenden Angebot auf der Zunge zergehen lassen. Viele Betriebe, die heute unter dem Oberbegriff „Bäckerei“ laufen, stellen Brötchen und Gebäck, Snacks und Brot nicht mehr selbst her, sondern beziehen die oft schockgefrosteten Produkte eines Unternehmens wie DEH. „Das spart nicht nur sehr viel Arbeit und somit auch Kosten, es sorgt auch dafür, dass viel weniger weggeworfen werden muss, weil es nicht verkauft wird. Gerade dieser Aspekt ist in der heutigen Zeit wichtig für ein nachhaltiges Umweltmanagement“, so Kea Heßdörfer: „Unsere Ware kann man bedarfsgerecht auftauen, Brötchen oder Brot fertig backen, und der Geschmack spricht für sich.“ Sogar Wraps, Pizza und Tortillas zählen zum DEH-Sortiment; Trends wie der verstärkte Kundenwunsch nach Snacks oder Low-Carb-Produkten werden konsequent aufgegriffen und in leckere Rezepte umgesetzt.

Damit es der Kundschaft in Sydney und Seoul, Rio und Rom, Kairo und Kapstadt, stets exquisit mundet, gibt es im Gevelsberger Hauptsitz eine Ideenbäckerei. Hier werden neue Rezepte ausprobiert, bevor die neuen Leckereien ins Sortiment aufgenommen werden. Diese dankbare Aufgabe übernehmen acht DEH-Führungskräfte, die entscheiden, ob die Rezepturen noch der Verfeinerung bedürfen oder ob das Verkostete bereits den hohen Ansprüchen gerecht wird. „Dafür haben wir keine sensorische Ausbildung absolviert; wir prüfen einfach, ob es lecker ist – stellvertretend für die Menschen in aller Welt, denen unsere Backwaren schmecken sollen“, so Kea Heßdörfer. Produktmanager Lutz Heuser gehört ebenso zu diesem Kreis wie Exportleiterin Anja Dausend, Hubert Capitain, Sabine Kosub, Ulrike Dammahs, Kea Heßdörfer, Unternehmensnachfolger Alexander Haselbach sowie Doris Entrup höchstpersönlich.

Der Sohn der Gründerin, Alexander Haselbach, ist Diplom-Betriebswirt, trat 2002 ins Unternehmen ein und zeichnet als Geschäftsführer des Vertriebs maßgeblich für den Ausbau des Exportgeschäfts über Europas Grenzen hinaus verantwortlich. Er trägt die Philosophie von „D. Entrup-Haselbach“ in die nächste Generation – innovative Tiefkühlbackwaren in handwerklicher Qualität anzubieten, die dank der perfekten Logistik deutschlandweit innerhalb von 24 Stunden beim Kunden sind.

Es spricht also alles dafür, dass „Gevelsbergs süßester Global-Player“ auch langfristig mit immer neuen Ideen und Erfolgsrezepten aufwarten wird. Längst hat man mit dem Tochterunternehmen „Mr. Baker“ über 70 SB-Bäckereien aufgebaut, die neben dem Sortiment auch ihre komplette „Non-Food“- und Marketing-Ausstattung von Öfen und Ladentheken bis hin zu individueller Werbeunterstützung von DEH beziehen. Und im Heidener Werk, das mit einer Auslastung von circa 135 Prozent an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen ist, steht man kurz vor der Fertigstellung weiterer Produktionsanlagen. Über fünf Millionen Euro werden hier investiert, mit denen nicht zuletzt auch 20 weitere Arbeitsplätze im Raum Münster entstehen. Die atemberaubende Erfolgsgeschichte von D. Entrup-Haselbach dürfte in den kommenden Jahren und Jahrzehnten also noch um so manches Kapitel reicher werden.