Kurz vor dem „Aus“: Bürger kämpfen für Schwelmer Brauerei

Bürgermeister Jochen Stobbe schilderte die Vorgänge um die Schwelmer Brauerei aus der Perspektive von Stadtrat und Stadtverwaltung. (Foto: Stefan Scheler)

Schwelm. (Sche) Bald gehen in der Brauerei Schwelm die Lichter aus; seit gut zwei Jahren hat man es geahnt und gewusst, erst wenige Wochen vor dem endgültig letzten Termin für eine Rettung am Freitag, 30. September 2011, nimmt die Bewegung zum Erhalt des Traditionsbrauhauses von 1830 so richtig Fahrt auf. Neben vielen originellen Aktionen wie den Massenkäufen der letzten Vorräte des Gerstensafts aus der Kreisstadt oder den „Fläsch-Plöpp“-Treffen gibt es jetzt auch Bemühungen wirtschaftlich ernsterer Natur.

Vor wenigen Tagen gründeten Mitarbeiter der Brauerei und Mitglieder des Vereins für Erhalt und Förderung Schwelmer Brautradition an der Markgrafenstraße 15 in Schwelm die „Schwelmer Brauereigenossenschaft“, für welche es laut der 1. Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Barbara Lingnau, bereits finanzielle Zusagen für Einlagen in Höhe von 250.000 Euro gebe. „Ein Freund des Schwelmer Biers aus München hat sich mit 10.000 Euro beteiligt“, verkündete Unternehmensberaterin Ivonne Daniel, die als Fachfrau den Betriebsrat der 32 rund um die Bierherstellung an der Schwelme Beschäftigten berät. Die Stückelung der Genossenschaftsanteile beträgt 250 Euro; mit einer solchen Summe kann sich somit jeder Interessierte für den Erhalt der heimischen Bierproduktion einsetzen.

Für dieses Engagement wollen die Gönner dann aber auch Ergebnisse sehen; darüber fand vor wenigen Tagen im Jugendzentrum an der Märkischen Straße 16 in Schwelm eine Diskussionsrunde statt, in welcher Politik und Verwaltung sowie Bürger und Mitarbeiter der Brauerei Vorschläge darüber sammelten, wie der fast schon historische Betrieb fortzuführen ist. Im Gespräch waren eine Brauerei, wie gehabt, oder ein eher der Gastronomie verpflichtetes Brauhaus mit eventuell angeschlossenem Braumuseum. Heftig debattierten die gut 100 Anwesenden im bis auf den letzten Platz besetzten Versammlungsraum auch den Standort der zukünftigen Brauaktivitäten. Eindeutig favorisierten die Unterstützer einer Weiterführung der lokalen Brautradition den Verbleib an gewohnter Stelle in der Innenstadt nahe dem Neumarkt.

Weit über 100 Bürger waren in den Versammlungsraum des Jugendzentrums gekommen, um sich gegen die Schließung der Brauerei zu stemmen. (Foto: Stefan Scheler)

„Wenn es aber nicht anders geht, könnte man auch einen Umzug auf die ,grüne Wiese‘ ins Auge fassen“, betonte Bürgermeister Jochen Stobbe, dass für ihn der Erhalt des Unternehmens als solches an erster Stelle stehe. Er und die Spitzen aller Ratsfraktionen bemühten sich um eine genaue Klärung des Sachverhalts aus der Sicht der kommunalen Gremien.

„Letztlich ist das aber eine privatwirtschaftliche Angelegenheit“, gab Ratsherr Oliver Flüshöh zu bedenken: „Von hoher Priorität ist es, einen Investor für den Betrieb zu finden.“ In dieser Sache hielt sich Ivonne Daniel, welche die Existenz mehrerer an einer Übernahme der Geschäfte interessierter Personen zusicherte, jedoch sehr bedeckt. „Die Beteiligten haben eine ,Vertraulichkeitserklärung‘ unterzeichnet“, wollte sie Ross und Reiter noch nicht nennen: „Zu gegebener Zeit werden sie sich zu erkennen geben.“

Es fragt sich, wann das sein wird; immerhin läuft am 30. September 2011 die letzte Frist zum Erhalt der Brauerei aus. Oder ist es so, wie ein Diskussionsteilnehmer seine Befürchtungen ausdrückte: „Ein Wirtschaftsfuchs wird bis zur Zwangsversteigerung des Inventars warten. Dann bekommt er die Filetstücke für einen Spottpreis.“

„Es hätte zu dieser Situation nicht kommen müssen“, zeigte sich Claus Kaiser, Vorsitztender des Vereins für Erhalt und Förderung Schwelmer Brautradition und 2. Vorsitzender der Schwelmer Brauereigenossenschaft, über die Entwicklung verbittert: „Das ist keine normale Insolvenz.“ Bevor die interessierten Bürger nach Schluss der Versammlung das Jugendzentrum verließen, bewiesen sie ihre Entschlossenheit noch mit der Übergabe von 1.000 bisher gesammelten Unterschriften für die Fortführung des alteingesessenen Braubetriebs.