Lasst das Geläut weiter klingen: Alte Glockenstühle sind saniert

Pfarrer Uwe Rahn im Nordturm der Christuskirche in Schwelm, über sich die große „Maria“-Glocke. (Foto: Stefan Scheler)

Schwelm. (Sche) Die Christuskirche prägt mit ihren beiden Türmen, auf denen seit 1968 wieder imposante Dachhelme sitzen, schon von Weitem sichtbar das Stadtbild von Schwelm. In den Glockenstühlen schwingen seit dem 14. Dezember 1947 die von den Familien Albano-Müller und Vits gestifteten Kirchenglocken, nachdem deren Vorgänger den Luftangriffen am 3. März 1945 zum Opfer gefallen waren.

„Jetzt ist erneut die Zeit für eine Sanierung des Läutwerks gekommen“, sah Pfarrer Uwe Rahn im Jahr 2007 Gemeinde und Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Schwelm vor großen organisatorischen Aufgaben und finanziellen Herausforderungen: „Laut einem Sachverständigengutachten, das die Kirchenleitung in Auftrag gab, ist dafür mit Kosten in Höhe von 200.000 Euro zu rechnen.“

Die schweren Gussstahlklangkörper, insbesondere die große „Paulus“-Glocke im Südturm, hatten während der Jahre ihre Lager abgenutzt und den gesamten Glockenstuhl verzogen.

„Hier sieht man das besonders gut“, wies Pfarrer Rahn auf ein ausgebrochenes Mauerelement hin: „Deshalb mussten wir das für viele Schwelmer unverzichtbare Läuten einstellen, wenn wir weitere Schäden vermeiden wollten. Besonders erleichtert waren alle Beteiligten, dass sich nicht schon der ganze Südturm schief gestellt hatte.“

Die großen Glocken „Paulus“, „Johannes“, „Maria“ und „Martin“ waren somit zum Schweigen verdammt. Zu den evangelischen Gottesdiensten läutete dafür die benachbarte katholische Marienkirche, die regelmäßig um 21 Uhr auch das Abendgeläut für die Christuskirche übernahm.

„Dafür waren wir der katholischen Gemeinde sehr dankbar“, würdigt Uwe Rahn diese überkonfessionelle Nachbarschaftshilfe: „Ein Dauerzustand konnte dieses Provisorium allerdings nicht bleiben.“

Für dessen Beseitigung gab es verschiedene Ansätze. „Man kann eine Kirchenglocke entweder an einem geraden oder an einem gekröpften Joch, wie man den Tragarm des Klangkörpers nennt, befestigen“, erläutert Pfarrer Jürgen Schröder: „Das gekröpfte Joch hat den Vorteil des kürzeren Hebelwegs und damit der geringeren mechanischen Belastung des Glockenstuhls.“

Auch das Material der Joche wollte gut gewählt sein. „Ein Experte der Landeskirche riet zu stabilen Eichenjochen“, fasst Uwe Rahn die damaligen Überlegungen zusammen: „Das erforderte verbesserte Trägervorrichtungen, so genannte Glockenstühle, in den beiden Türmen.“

Letztendlich spendierten die Schwelmer den Glocken ihrer Christuskirche ein stabiles Holzjoch, das bei den kleineren Glocken gerade und beim „Paulus“ gekröpft ausfiel. „Außerdem haben die Glocken neue Klöppel bekommen“, freut sich Küster Adam Besel.

„Die Menschen in unserer Stadt identifizieren sich mit dem schrägen, dumpfen Klang der großen Gussstahlglocke“, fassen die Geistlichen zahlreiche Rückmeldungen zusammen: „Das Wummern des ,Paulus’ gehört einfach zu Schwelm. Dieses akustische Wahrzeichen verbinden zudem viele Bürger mit der Taufe ihrer Kinder sowie der eigenen Konfirmation oder Trauung.“

Darum griffen die Bewohner der Kreisstadt – und nicht nur sie –  tief in die Tasche und spendeten bereitwillig für die Geläut-Erneuerung der Christuskirche. „Zum Beispiel wünschten sich Geburtstagskinder als Geschenk Spenden auf unser Sanierungs-Konto“, erzählt Uwe Rahn voller Anerkennung: „So ist die nötige Summe zusammengekommen; ein Ergebnis, das die Liebe der Schwelmer zu ihrer großen Kirche überdeutlich beweist.“ Das Glockengestühl verdankt seine geglückte Generalüberholung übrigens auch einigen namhaften Großspendern sowie einem großzügigen Zuschuss des Kirchenkreises.