Lehrerin Meike Strehl erlebte in Kenia brutalen Schul-Überfall

Gevelsberg. (zico, 28.04.2010)

Die Nacht vom 19. auf den 20. März hat alles verändert in den Slums der kenianischen Hauptstadt Nairobi. In dieser Nacht kamen die illegalen Landnehmer und überfielen die Secondary School des Mother of Mercy Center, zerstörten Teile des Schulgebäudes, ein Nachbarhaus sowie die ebenso benachbarte Kirche. Ein Mädchen, das ebenso wie sieben weitere Schülerinnen in der Schule schlief, wurde schwer verletzt, des weiteren ein Mann, der von umstürzenden Gebäudeteilen bis zum Hals begraben wurde und erst nach Stunden geborgen werden konnte.

Sonderschul-Lehramtsantwärterin Meike Strehl, im Gevelsberger Filmrisskino beschäftigte Theaterpädagogin und in der Zeit des Überfalls an der afrikanischen Schule tätig (der wochenkurier berichtete), ist noch immer schockiert wegen des brutalen Angriffs auf die von Charles Nyakundi erreichtete Bildungseinrichtung. Die drei Grundschulen und die weiter führende „Secondary School“ in den „Eastlands“ Nairobis, den Slums der drei Millionen Einwohner zählenden Metropole, sind für die Kinder aus sozial schwachen Familien die einzige Perspektive auf ein Leben ohne materielle Not. Das Ziel, die Träger der Schule von ihrem Grund und Boden zu vertreiben, um sich das Areal selbst anzueignen, haben die kriminellen „Mungiki“ zwar nicht erreicht, doch der Zwischenfall hat den Schulbetrieb nachhaltig erschüttert. „Wir wissen noch nicht, ob und mit welchen Mitteln das Gebäude wieder aufgebaut werden kann. In Nairobi wird versucht, die Täter für den Schaden haftbar zu machen. Das kann aber Monate, vielleicht auch Jahre dauern. Also werden auch wieder Spender gesucht, die die so wichtige Arbeit des Mother of Mercy Centres unterstützen wollen“, berichtet Meike Strehl, die in den drei Wochen vor dem Überfall nur positive Erfahrungen bei ihrer pädagogischen Arbeit gesammelt hatte. Sie selbst weilte während des Überfalls nicht im Gebäude, sondern befand sich gemeinsam mit ihren afrikanischen Kollegen auf einem Fest.

„Thank you teacher – danke, Lehrer“, so lautet nach den Worten der jungen Frau das geflügelte Wort in den drei Wellblech-Schulen und im Festbau der „Secondary School“, das von den Schülern immer wieder im Chor gesprochen wird. „Die Kinder sind unheimlich dankbar für den Unterricht und wissen, dass die schulische Ausbildung, die ihnen Charles Nyakundi mit dem Mother of Mercy Center ermöglich, ihre einzige Chance auf ein besseres Leben ist“, berichtet die 24-Jährige Pädagogin, die an der Stadtgrenze zwischen Hagen und Gevelsberg wohnt. Ende Februar war sie vom Frankfurter Flughafen in Richtung Kenia gestartet, um die Lehrkräfte am „Mother of Mercy Center“ zu unterstützen, theaterpädagogische Projekte zu leiten, Methoden des Unterrichts mit den kenianischen Kollegen auszutauschen und gemeinsam mit ihren mitreisenden Kolleginnen Petra Träger und Katrin Luber Grundlagen der Ersten Hilfe zu vermitteln.

Und die ersten drei Wochen bis zum Überfall gestalteten sich denn auch als Quell der Freude für Lehrerin und Schüler. „Die Kinder waren begeistert, das Singspiel ,Die Vogelhochzeit’ einzuüben. Die Dötze, sonst an diszipliniertes Lernen gewöhnt, hatten jede Menge Spaß bei den Proben“, berichtet Meike Strehl, die die Kollegen in Nairobi auch in Sachen Methodentraining unterwies und neben den theaterpädagischen Projekten in allen Haupt- und Nebenfächern unterrichtete: „Wir haben uns mit einfachsten Mitteln beholfen. Ein Balken diente als Baum für die Vögel, und auch sonst haben wir bei der Vogelhochzeit viel improvisiert.“

Auch der brutale Überfall auf die Schule konnte den Lerneifer der jungen Afrikaner nicht stoppen. Sogar das verletzte Mädchen erschien schon am nächsten Tag wieder zum Unterricht. Die Pädagogen aus Deutschland hingegen erhielten von der Deutschen Botschaft die Empfehlung, die „Eastlands“ erst einmal zu verlassen, um den dortigen Gefahren aus dem Weg zu gehen. Nach einigen Tagen des Abwartens im sichereren Westteil nahmen sie die Arbeit dann wieder auf. Die deutschen Hilfsorganisationen und Charles Nyakundi hoffen nun, das zerstörte Schulgebäude wieder errichten zu können. Nyakundi engagiert sich seit Jahren für den Aufbau von Bildungseinrichtungen in Nairobi, hat nicht nur die vier kostenlosen Schulen für die armen Kinder Nairobis gegründet, sondern auch Busse erworben, mit denen die Kinder zum Unterricht gefahren werden. Rund 20 der circa 100 Täter, die für den Überfall der „Secondary School“ verantwortlich sind, wurden gefasst und sollen vor Gericht gestellt werden. „Das kann allerdings Jahre dauern“, hat sich Meike Strehl erklären lassen: „Und ebenso lange würde es dauern, die Übeltäter für den Schaden regresspflichtig zu machen – falls das überhaupt möglich ist.“

Nach dem Überfall werden nun zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen für die Schule installiert, damit sich ähnliches nicht wiederholt. Zusätzliche Mauern und mehr Wachpersonal sollen das Gebäude sichern. Die Böckstiegel-Gesamtschule Steinhagen sammelt als Partnerschule des Mother of Mercy Centers wieder eifrig Spenden, und Meike Strehl hofft zudem auf die Spendenbereitschaft im Ennepe-Ruhr-Kreis: „Ich habe soviel Herzlichkeit bei den Menschen in Nairobi erfahren und soviel Dankbarkeit für den Unterricht, dass ich jederzeit wiederkommen würde. Obwohl die Leute nur wenig haben, wurde zum Abschied mir zu Ehren ein Huhn zubereitet, und es sind viele Abschiedstränen geflossen.“ Alles, was für die Gastgeber von Wert war, hat die Gevelsbergerin in Nairobi zurückgelassen – Handy, Gitarre und vieles mehr.

Zurück in der Heimat, möchte Meike Strehl nun mithelfen, dass es in den Schulen des „Mother of Mercy Centers weitergeht. „Ich werde auf Festen Waffeln backen und Trödel verkaufen“, so die angehende Lehrerin. Vielleicht lässt sich ja sogar eine größere Benefizveranstaltung in Gevelsberg aufziehen. Und wer für die Schulen spenden möchte, dem nennt Meike Strehl das entsprechende Konto: Bürgerkomitee Steinhagen, Konto-Nummer: 150 44 20, Bankleitzahl: 48051580, Kreissparkasse Halle.