Muskelkraft plus Elektroschub

Fahrrad-Fachmann Jörg Steschulat, Landwirt Andreas Hegemann und AVU-Marketingleiter Klaus Bruder (von links) an der Ladestation. (Foto: Stefan Scheler)

Sprockhövel. (Sche) Mit dem ersten Tritt in die Pedale ist es, als habe man einen Schalter umgelegt; das Fahrrad scheint sich auf einmal fast wie von selbst zu bewegen. Das vermittelten die Verantwortlichen bei der Vorstellung der neuen „Elektro-Tankstelle“ für Fahrräder auf dem Hof Hegemann in Obersprockhövel mit kurzen Probefahrten.

AVU-Marketingleiter Klaus Bruder, selbst ein begeisterter Radler, erklärt hier den Energiewahlschalter des Pedelecs bei Hegemann. (Foto: Stefan Scheler)

Vor wenigen Tagen trafen sich Vertreter der AVU, des Hattinger Fahrradhandels Wurm und die Familie Hegemann auf deren Hof an der Nockenbergstraße in Obersprockhövel, um vier Stände zu präsentieren, an denen die Besitzer von Drahteseln mit elektrischem Hilfsantrieb, sogenannten Pedelecs, ihren Fahrzeugen wieder neue Kraft zukommen lassen können. Der Begriff „Pedelec“ setzt sich aus Pedal und Electric zusammen. Die flotten Flitzer sehen aus wie normale Fahrräder und brauchen auch kein Versicherungskennzeichen wie zum Beispiel Mofas. Dafür kann man aber auch nicht einfach den Stromkreis schließen, und das Gefährt setzt sich von allein in Bewegung, sondern man muss Trethilfe geben.

„Je mehr man die eigenen Beine benutzt, desto intensiver legt sich der Elektromotor ins Zeug“, referierte Jörg Steschulat, Fachmann der Firma Wurm: „Rechtlich sind maximal 25 Stundenkilometer zulässig.“ Einen Helm brauche man auf diesen Zweirädern übrigens laut Gesetz nicht, er sei aber – wie bei konventionellen Fahrrädern auch – dringend zu empfehlen. Der Akku an den Pedelecs, die Andreas und Eva Hegemann auf ihrem Hof vermieten und von denen auch zwei zur Demonstration bei der AVU in Gevelsberg stehen, verträgt 1.600 Ladungen. Ist der Kraftspeicher einmal gefüllt, beträgt die Reichweite zwischen 30 und 70 Kilometern, je nach Fahrweise. Bei Durchschnittsbelastung sind 55 Kilometer drin. Es ist nämlich möglich, drei Stufen zu schalten: Leichte Unterstützung, mittel und fast vollständiger Elektroantrieb. Außerdem kann man auf dem „E-Bike“ auch ganz herkömmlich in die Pedale treten und auf die elektrische Hilfe verzichten. „Leider sind die Hersteller technisch noch nicht so weit, den fleißigen Strampler mit einer Rückspeisung von Energie in den Speicher beim Fahren zu belohnen“, bedauert Jörg Steschulat: „So muss der Tourer also vor der Ausfahrt zuerst einmal laden.“ Nimmt er sich dafür nur eine Stunde Zeit, hat er immerhin 80 Prozent der Kapazität zur Verfügung. Nach drei bis vier Stunden steht der volle Stromvorrat bereit.

Das Fahrrad ist bis 160 Kilogramm belastbar; Standard sind 120 Kilogramm bei 25 Kilogramm Fahrzeuggewicht inklusive Akku. Wenn man das Pedelec nicht bei den Hegemanns mieten, sondern selbst eins anschaffen möchte, sollte man Beträge von 2.000 Euro aufwärts einplanen.

„Wir möchten aber den Umweltgedanken bei der Fortbewegung mit den Pedelecs nicht relativieren, indem wir irgendeine Energie in die Ladestationen speisen“, gab AVU-Specher Jörg Prostka zu bedenken: „Stattdessen fließt aus erneuerbaren Quellen erzeugter Grünstrom aus den Anschlussbuchsen.“ Für die Auswahl des Standortes der „E-Tankstelle“ auf dem Hof Hegemann spreche ein touristisches Argument: Die Landwirtsfamilie biete mit Hofladen und Stallgastronomie eine Ruhezone für Freizeitradler, die während der längeren Ladezeiten einen Imbiss einnehmen, beim Erzeuger einkaufen oder einfach nur die Natur genießen könnten. „Da ist der Zusammenhang zwischen Umwelt erleben und diese zugleich schützen gegeben“, brachte es AVU-Marketingleiter Klaus Bruder auf den Punkt: „Hier ist es so schön, da vergeht die Speicherzeit wie im Flug.“

Den Vorgang selbst kann man sich wie bei einer Digitalkamera vorstellen: Akku herausnehmen, in das eigene Ladegerät stecken und an die AVU-Anlage anschließen. „Weil es viele unterschiedliche Standards bei den Ladern gibt, können wir diese nicht auch bereitstellen“, bedauerte Jörg Prostka: „Dafür sind die Ladestationen abschließbar, so dass keiner den Verlust der teuren Geräte zu befürchten braucht.“ Während der Kraftspeicher lädt, bleibt das dazu gehörende Rad an einen Bügel angeschlossen und ist somit ebenfalls vor Diebstahl geschützt. „Hier oben ist aber eine ruhige Gegend mit ehrlichen Menschen“, zerstreute Eva Hegemann letzte Bedenken.