Nachtwächter in allen Sätteln fit

Der 100-jährige Otto Griese, Gründervater Ennepetals und Nachtwächter von 2003, lobte seinen späten Nachfolger in einer kurzen Ansprache. (Foto: Stefan Scheler)

Ennepetal. (Sche) Dass die „Surgen“ – so nennt der Westfale die Wildschweine – ihren Garten verwüsten, darüber klagte Friedel Hillner vor wenigen Tagen in ihrem plattdeutschen Vortrag zum Anlass des Bürgermeister-Empfangs bei der Voerder Kirmes dem 26. Ehrennachtwächter Ernst-August Hübner ihr Leid. Sinngemäß meinte sie, dass ihrem Garten von den marodierenden Bestien mehr Gefahr drohe als von nächtlich umherstreifendem Gesindel. Deshalb solle der neue Ordnungshüter als „Bewaffnung“ nicht mehr seine Hellebarde, sondern ein weit tragendes Gewehr mit sich führen. Zur Bekräftigung ihrer Worte reichte sie der neuen Voerder Symbolfigur statt seiner gewohnten Insignien eine – allerdings ungeladene – Schusswaffe.

250 geladene Gäste, darunter wie gewohnt die Bürgermeister der Nachbarstädte beziehungsweise ihre Stellvertreter, Bundestags-Abgeordneter René Röspel, Landrat Dr. Arnim Brux sowie viele weitere prominente Vertreter aus Politik und Gesellschaft hatten in die Voerder „Rosine“ gefunden. Zur Ehrung des neu Gekürten ließ es sich der 100 Jahre alte Otto Griese, Gründervater der Stadt Ennepetal und 18. Würdenträger im Jahr 2003, nicht nehmen, einige Worte an seinen späten Nachfolger zu richten. In schönstem Voerder Platt ermahnte er Ernst-August Hübner, die lange Tradition des Stadtteils zu erhalten und würdig zu vertreten. Mit einem kräftigen „Krut Voerde“ schloss er seinen Vortrag.

An der Ehrentafel übten sich (von rechts) Bundestags-Abgeordneter René Röspel und Landrat Dr. Arnim Brux im Absingen des Westfalenlieds. (Foto: Stefan Scheler)

Dann war der erste Bürger der Klutertstadt, Wilhelm Wiggenhagen, mit seiner Laudatio an der Reihe. „Du hast mit deinem Vornamens-Vetter an der Seite von Prinzessin Caroline von Monaco in Sachen Benehmen nichts gemein“, lobte der Bürgermeister den neuen Ehrennachtwächter als gegenüber jedermann freundlich und verbindlich auftretenden, humorvollen Menschen: „Nachdem du gemeinsam mit dem Heimatvereins-Vorsitzenden 2010 in einer durchzechten Nacht die Nachtwächterschaft des Ehrenbürgermeisters Michael Eckhardt auf den Weg gebracht hattest, kamen die Voerder Gewaltigen auf gleichem Weg auf die Idee, dich als handwerklich sehr begabten Schlosser für das hohe Amt in Ennepetals Nordosten vorzuschlagen.“ Dann könne er die Grillöfen instand setzen und die vom vielen Gebrauch schon etwas verbogene Hellebarde reparieren, sei das Motiv hinter dem Vorschlag gewesen, scherzte Wilhelm Wiggenhagen. „Außerdem hast du als Koch bei der Bundeswehr gelernt, große Portionen für viele hungrige Mäuler zuzubereiten, was bei zahlreichen Feierlichkeiten von Vorteil sein kann“, zeigte sich der Bürgermeister in der Vita des ehemaligen Handelsflotten- Seemanns beschlagen: „Deine Kenntnisse und Erfahrungen prädestinieren dich geradezu als Kirmesbotschafter.“ In Anspielung auf die von dem neuen Nachtwächter erwartete Hatz auf nervende Wildsäue hob das Stadtoberhaupt die Treffsicherheit des „alten Wilddiebs“ hervor, der auf dem improvisierten Schießstand seines ehemaligen Schützenvereins meisterhaft sicher an den dort umherstolzierenden Hühnern vorbeigeschossen habe.

Solche echt westfälischen Dönekes erheiterten auch den sprachlich inzwischen sehr sicheren „Schepen“ – also den ersten Beigeordneten – der belgischen Partnerstadt Vilvoorde, Albert Absillis, der in fast perfektem Deutsch allen Ennepetaler Bürgern für die herzliche Gastfreundschaft dankte und die besonders positive Entwicklung der 1973 mit seinem flämischen Heimatort eingegangenen Verbindung eigens herausstellte. „Meine Vilvoorder Mitbürger fühlen sich alle auch ein wenig als Ennepetaler“, schwärmte der belgische Lokalpolitiker von den sehr freundschaftlichen Beziehungen: „Laut EU-Statistik gibt es 30 deutsch-belgische Partnerschaften, aber unsere Bindung an Ennepetal empfinden wir als einzigartig.“

Beim leckerem Heringsstipp-Essen und stimmungsvoller Musik, vorgetragen vom Shanty-Chor Voerde unter der Leitung von Jürgen Schöneberg, verging die Zeit bis zum Eintauchen in den nachmittäglichen Kirmestrubel wie im Fluge. Mit einem zünftigen „Krut Voerde“ schloss der offizielle Teil des Bürgermeister-Empfangs.