Neue Ausgabe des „Journal für Schwelm“

Schwelm. (Sche) „Wenn ich mich hier umschaue, erkenne ich hinter den vielen Personen die Geschichten“, bemerkte Bürgermeister Jochen Stobbe beim Rundblick durch den Schwelmer Ratssaal, wo vor wenigen Tagen die neueste Auflage des „Journal für Schwelm“ als Nachfolger des ehemaligen Heimatbriefs auslag: „Dieser Termin gehört zu meinen schönsten Amtsgeschäften.“

Das außen ganz in Grün gehaltene Heft, auch gedacht als Informationsquelle für „Auslandsschwelmer“ und Kreisstädter, die es in entfernte Regionen der Republik verschlagen hat, ist angefüllt mit einer Vielzahl von Erzählenswertem zwischen Winterberg und Linderhausen – aus den Bereichen Gesellschaft, Geschichte, Sport, Kultur, Natur und Wirtschaft. „Die Mischung macht‘s“, bemerkte dazu der Schwelmer Musiker Stefan Wiesbrock, der sich dabei auch auf das Programm des diesjährigen „Schwelmer Adventival“, einer geistlich geprägten Konzertreihe am vierten Adventswochenende, bezog.

Arno Kowalewski ließ mit seinen Kindertagen auch ein Kapitel Schwelmer Handelsgeschichte wieder aufleben, als er sich in seinem Artikel über die Kölner Straße 20 an das von 1935 bis 1970 dort ansässige Geschäft „Puppen-Frölich“ erinnerte. Hier gab es nicht nur Puppen für Mädchen, sondern für die wilden Jungs auch Knallplättchen für ihre ebenfalls bei Frölich gekauften Spielzeugwaffen.

Oliver Flüshöh, 1. Vorsitzender des DRK Schwelm, berichtete vom Umbau der ehemaligen Schule Linderhausen zum Rotkreuz-Schulungszentrum, wo Rettungsassistenten sowie weitere Hilfskräfte von nun an ihr verantwortungsvolles Handwerk lernen. „Für den entsprechenden Beschluss möchte ich mich beim Rat der Stadt Schwelm ausdrücklich bedanken“, so der Politiker in seiner kurzen Ansprache.

Ein schönes Beispiel gelungener Integration ist Mugaffak Ogus. Der in Istanbul geborene Hochbau-Ingenieur, der seit 2002 im Dienst der Stadt Schwelm steht – zunächst bis 2007 bei den Technischen Betrieben und dann im städtischen Immobilien-Management -, erzählt in einem ausführlichen Artikel über sein Leben, das so absolut nicht mit den gängigen Vorurteilen über die türkische Kultur übereinstimmt. Als Rockmusiker, Artist, Clown und unfreiwilliger Tigerbändiger schlug er sich durch, bis er schließlich sein Architektur-Studium erfolgreich abschloss und nach einigen Zwischenstationen als selbstständiger Bauunternehmer und Makler bei der Stadt Schwelm anheuerte.

Solche sehr persönlichen Geschichten ziehen sich durch das ganze Heft: Doris Kübler wurde aus einem Zeitungsbericht von 1955 plus Verweis auf eine noch ältere Ausgabe von 1905 auf die Schillerlinde in der Kreisstadt aufmerksam. Der am 9. Mai 1905 im Park an der heutigen Sophienhöhe oberhalb der Drosselstraße zu Ehren des Nationaldichters Friedrich Schiller gepflanzte Baum war für die in Gevelsberg lebende Schwelmerin Anlass zu intensiven Recherchen, deren Ergebnisse man im „Journal für Schwelm“ auf Seite 11 nachlesen kann.

Etliche weitere spannende Beiträge warten auf 82 Seiten auf die Leser, so zum Beispiel Esther Rummels Bericht über das Juniorprojekt einer betriebswirtschaftlich gestalteten simulierten Unternehmensführung am Märkischen Gymnasium Schwelm. Heike Rudolphs Artikel über die Geschichte der Schwelmer Brauerei ist angesichts der aktuellen Ereignisse höchst lesenswert, und die Fotoserie malerischer Stadtansichten, aufgenommen von Arno Kowalewski, ist ein echter Hingucker. Für zwei Euro bekommt man im Bürgerbüro, in der Stadtbücherei und der Pressestelle des Rathauses sowie zahlreichen Zeitschriftenläden, den Buchhandlungen Kamp und Köndgen, Blumen Krause und Café Müller ein prall gefülltes Heft über alles, was in der Kreisstadt von Interesse ist.