Ort der Begegnung und Trauerbewältigung

[1/2] Gemeinsam mit Bürgermeister Claus Jacobi (r.) lüftete die Künstlerin Beate Böhmke (l.) im Beisein von Awo-Quartiersmanagerin Monika Dammin (2.v.l.) und Anne Braun-Schmitt

[1/2] Gemeinsam mit Bürgermeister Claus Jacobi (r.) lüftete die Künstlerin Beate Böhmke (l.) im Beisein von Awo-Quartiersmanagerin Monika Dammin (2.v.l.) und Anne Braun-Schmitt, erste Vorsitzende des Hospiz Emmaus, das Geheimnis der neuen Trauerbank auf d

Gevelsberg. (saz) Auf dem städtischen Friedhof an der Berchemallee in Gevelsberg gibt es eine neue Bank. Sie lädt zum Verweilen ein, zum Nachdenken und vor allem auch zum Reden. Denn es handelt sich nicht um eine normale Parkbank, sondern um eine Trauerbank. In Zukunft soll dort Bedürftigen bei der Trauerbewältigung geholfen werden. Über ein Jahr lang hatten sich das Awo-Quartiersmanagement und das Hospiz Emmaus mit diesem Projekt beschäftigt. In der vergangenen Woche wurde es der Öffentlichkeit vorgestellt.

Ein Quartiersmanagement und ein Hospiz scheinen auf den ersten Blick nicht viele Gemeinsamkeiten zu haben. Doch beiden ginge es um Begegnung, erklärt Quartiersmanagerin Monika Dammin – Begegnung mit Menschen, dem Leben und dem Tod.
Einen Ort der Begegnung haben die beiden Kooperationspartner nun gemeinsam mit den Technischen Betrieben der Stadt und der Friedhofsverwaltung auf dem Friedhof an der Berchemnallee 40 geschaffen. Es ist ein Ort, der zum Verweilen einlädt. Und ein Ort, der Ruhe und Besinnlichkeit in ein von Trauer aufgewühltes Leben bringen soll.
Zusammenstehen
Eine Bank am Weg, ein Dach darüber und ein Mensch, der da sitzt und zuhört – so beschreibt die erste Vorsitzende des Hospiz Emmaus, Anne Braun Schmitt, das Projekt. „Der Mensch braucht Trost und jemandem zum Reden“, sagt sie. „Das sehen wir auch gerade jetzt vor dem Hintergrund des Anschlags in Manchester. Botschaften der Anteilnahme und des Verstehens helfen bei der Trauerarbeit. Wir Menschen stehen zusammen.“
Denn aus dem Loch der Trauer kommt man nicht unbedingt immer alleine heraus. „Wir können einander Trost geben und das Leid teilen“, so Braun-Schmitt weiter. „Trost richtet Menschen auf und macht Mut, wieder neu ins Leben zu gehen.“
Auch Bürgermeister Claus Jacobi ist von der Idee einer Trauerbank sehr angetan: „Zunächst habe ich mich gefragt, ob so ein Ort etwas Anziehendes und Ausstrahlung haben kann. Und ja, das hier ist wirklich ein Ort, der auffällt und Wärme ausstrahlt.“
Das ist vor allem der künstlerischen Gestaltung durch die freischaffende Künstlerin Beate Böhmke zu Verdanken. In warmen Farben hat sie die Bank mit Formen bemalt, die an entfernt an Höhlenmalereien erinnern. Hier werden Symbole mit der Realität verbunden. Die Symbolik ist so subtil, dass jeder Betrachter die sich vor ihm ausbreitende Szenerie ganz persönlich auf sich wirken lassen kann. Eine Verbindung aus dem Hier und Jetzt, einer spirituellen Ebene sowie von Gegenwart und Vergangenheit, was der Trauerbewältigung förderlich sein kann, da ist sich die Gevelsberger Künstlerin, die mittlerweile in Dortmund lebt, sicher.
Trauerbegleiterin
Ab dem 7. Juni wird immer mittwochs von 14 bis 15.30 Uhr die Trauerbegleiterin Erika Bühne vom Hospiz Emmaus an Ort und Stelle jedem zur Seite stehen, der ein zuhörendes Ohr, ein gutes Wort oder auch einfach nur eine Hand auf der Schulter sucht. Und auch im Winter kann das Projekt weitergeführt werden, denn bei entsprechend schlechter Witterung stellt die Friedhofsverwaltung einen Raum in der Trauerhalle zur Verfügung. Zeitgleich mit der Trauerberaterin werden an den Präsenztagen auch Schülerinnen und Schüler der Hasenclever-Schule auf dem Friedhof sein, um bei einfachen Grabarbeiten wie Wasser holen oder Pflanzen tragen zu helfen.