„Ost-West-Kontakte“ in Schwelm

Schwelm. (as) „Schwelm“, sagt Anita Dabrowski, „ist eine freundliche Stadt.“ Hier ist sie gern zu Gast. Gemeinsam mit Bürgermeister Jochen Stobbe, Kulturbüroleiterin Gabriele Weidner und Kulturpädagogin Olga Zimpfer wirbt die Leiterin des Fachdienstes für Integration und Migration des Caritasverbandes Wuppertal/ Solingen für eine Reise im Orientexpress. Nein, natürlich nicht im historischen Luxuszug. Der Orientexpress, von dem Anita Dabrowski spricht, ist ein interkulturelles Festival, eine „Begegnung der Kulturen zwischen Orient und Okzident“.

Dieser Orientexpress dampft in der Zeit vom 15. bis zum 30. August 2015 hin und her zwischen den Städten Schwelm, Wuppertal und Solingen. Natürlich nur im übertragenen Sinne. 25 Veranstaltungen vom Konzert bis zum Schauspiel, vom Tanz bis zum Poetry-Slam finden an unterschiedlichen Orten statt. Im Kaiserwagen der Wuppertaler Schwebebahn beispielsweise, in den Solinger Güterhallen oder im Schwelmer Haus Martfeld.

Zum vierten Mal „Ost-West-Kontakte“

Bereits zum vierten Mal ist die Stadt Schwelm Partner der „Ost-West-Kontakte“, des internationalen Kulturfestivals, das sich in diesem Jahr erstmals in einen Orientexpress verwandelt hat. „Früher“, sagt Anita Dabrowski, „hatten wir eine starke Ost-West-Polarisierung.“ Früher, das war in den 90er Jahren, als sie mit dem Caritasverband Wuppertal/ Solingen erstmals das Festival

„Ost-West-Kontakte“ auf die Beine gestellt hatte. Es war die Zeit, als sich der eiserne Vorhang zwischen Ost und West gerade gehoben hatte. Anita Dabrowski und ihre Mitstreiter setzten auf ein gegenseitiges Kennenlernen, auf einen Kulturaustausch zwischen Ost und West.

Die Zeit hat sich verändert. Flüchtlings- und Einwanderungsströme haben die Richtung gewechselt. Auch wenn die Ukraine-Krise schmerzhaft an längst überwunden geglaubte Konfrontationen erinnert. Die meisten Menschen, die sich mit ihrer Kultur im Gepäck auf den Weg nach Deutschland machen, kommen aus anderen Regionen. So haben sich die Ost-West-Kontakte in einen Orientexpress verwandelt, der einst Paris mit Konstantinopel verband. Der Name der legendären Zugverbindung steht für den Austausch und die gegenseitige Bereicherung der Kulturen.

Lydie Auvray zur Eröffnung

Eröffnet wird der Orientexpress übrigens am heutigen Abend, 15. August, um 18 Uhr im Kunstmuseum Solingen mit einem Konzert von Lydie Auvray, der Dame mit dem Akkordeon. Der Eintritt ist – wie bei den meisten Veranstaltungen – frei.

Drei Veranstaltungen locken ins Haus Martfeld nach Schwelm. Die Ausstellung „Orientexpress – Einsteigen, Zusteigen, Aussteigen“ wird am Sonntag, 16. August, um 19 Uhr eröffnet. Zur Musik von Ossenbeck und türkischen Häppchen können die Gäste Arbeiten von sechs Künstlerinnen und Künstlern aus vieler Herren (und Frauen) Länder genießen.

Künstler im Haus Martfeld

Eddi Andreas Bächer beispielsweise lebt in Langenfeld. Seine Wurzeln allerdings liegen in Budapest. Mit seiner Kunst setzt er sich für übernationale Verständigung und Toreranz ein. Er reflektiert die eigene Vergangenheit aber auch den Ist-Zustand des Zusammenlebens ins Deutschland.

Bibekandand Santra (Bibek) stammt aus Indien. Er lebt und arbeitet im indischen Pondicherry. Für die Ausstellung stellt er zwei Werke seiner Reihe „India Words“ zur Verfügung, die den weitentfernten Orient vertreten.

Kanak Chandresa ist ebenfalls in Indien geboren, lebt und arbeitet aber in Solingen. Seine Werke sind von orientalischen Einflüssen Indiens geprägt. In seinen Bildern versucht er die indischen und die westlichen Einflüsse zu verbinden.

Anne Marie Göldi ist Künstlerin aus der Schweiz. Sie beteiligt sich an der Ausstellung mit Werken aus ihrer Arbeit „Der Mensch und sein Wesen – im Mittelpunkt meiner gemalten Geschichten“.
Die Iranerin Ahang Nakhaei lebt seit drei Jahren in Deutschland. Sie zeigt ihre Reihe „Don Quijote“, bei der es ihr um die Melancholie des Champions geht. „Ich komme aus einer anderen Kultur.

Aus dieser Situation heraus sehe ich hier Frauen, die Freiheit haben. Aber sind sie es wirklich? Fühlen sie sich frei und glücklich?“ fragt sich Ahang Nakhaei.
Helmut Warnke wurde in Deutschland geboren. Seit 1988 ist er freischaffend tätig und hat mehr als 100 Ausstellungen im In- und Ausland bestritten. Er stellt er seine Bildserie „Eva’s Way“ aus.

Kino mit „Zimt und Koriander“

Unter freiem Himmel macht der Orientexpress am Freitag, 21. August, ab 21 Uhr wieder in Schwelm, im Innenhof von Haus Martfeld, Station. Das Open-Air-Kino zeigt die zauberhafte Komödie „Zimt und Koriander“. Es ist ein Film über den Verlust von Heimat, Freundschaft und Liebe und darüber, wie das Kochen wertvolle Lektionen über das Leben geben kann. Bei Regen findet die Veranstaltung im Haus Martfeld statt.

Zur „Finissage“ der Ausstellung Orientexpress sind Kunstinteressierte und andere Neugierige am Sonntag, 30. August, ab 12 Uhr ins Haus Martfeld eingeladen. Wieder gibt es ein kulinarisches und musikalisches Rahmenprogramm. Auch wenn die Veranstaltung am 30. August den Namen Finissage trägt, die Ausstellung selbst ist noch bis zum 25. Oktober zu sehen.

Der Eintritt in Schwelm ist frei

Für alle drei Veranstaltungen in Schwelm gilt: Eintritt frei. Wer die Ausstellung jenseits der zwei genannten Termine besuchen möchte, muss allerdings einen Euro Eintritt zahlen.
Das komplette Programm des Festivals ist zu finden unter www.orientexpress-festival.de.