Rathaus-Sturm verlief friedlich und fröhlich

wochenkurier-Redakteur Frank Schmidt (links) mit dem Prinzenpaar, Ka. Ge. Grün-Weiß Gevelsberg-Präsidenten Diethelm Hellwig und KG Hippendorf-Präsidenten Paul-Werner Herguth (rechts). (Foto: Stefan Scheler)
Günter Dabruck und die Drevermannspatzen brachten die jecken Gäste mit Karnevals-Mitschunklern in Rosenmontags-Stimmung. (Foto: Stefan Scheler)

Gevelsberg. (Sche) „Einen Schlüssel bräuchte ich eigentlich nicht zu übergeben, der hat ja schon einen“, umschiffte Bürgermeister Claus Jacobi weise die sonst übliche Rangelei um das Zutritts-Werkzeug ins Rathaus. Prinz Michael IV. ist nämlich Hausmeister im Gevelsberger Verwaltungsgebäude.

Dafür hatte der jecke Regent als bekennender Schalke-Fan zuvor im Geschäft des Trägers der Närrischen Mütze, Werner Tasbier, zähneknirschend eine schwarz-gelbe BvB-Ente als Maskottchen in Empfang nehmen müssen. Der „Lagerfeld von Gevelsberg“ hatte es sich nicht nehmen lassen, Prinz Michael IV. und Prinzessin Cornelia II. nebst Gefolge mit Häppchen und Getränken für den folgenden Sturm aufs Rathaus noch einmal zu stärken. „Meine Prinzessin habe ich aus den Augen verloren“, rief die Tollität im Laden aus: „Die schaut sich bestimmt gerade nach einem schicken Pullover um.“

Im Geschäft des Trägers der Närrischen Mütze, Werner Tasbier (rechts), und seiner Frau Edith erhielt die jecke Schar eine letzte Stärkung vor dem Rathaus-Sturm. (Foto: Stefan Scheler)

Vorher hatte eine rund 50 Personen starke Abordnung, bestehend aus Repräsentanten der beiden Karnevalsvereine Ka. Ge. Grün-Weiß Gevelsberg und KG Hippendorf, dem Prinzenpaar und der Spielleute-Vereinigung Gevelsberg, die Geschäftsstelle des wochenkurier besucht. Der Hippendorfer Präsident Paul-Werner Herguth und das Oberhaupt der Ka. Ge. Grün-Weiß, Diethelm Hellwig, lobten die Berichterstattung während der tollen Tage und verteilten Orden an Redaktionsleiter Frank Schmidt und den freien Mitarbeiter Stefan Scheler. „Den Orden muss er immer bei sich tragen“, richtete der Chef der KG Hippendorf an den Motorroller fahrenden Reporter: „Mit der Kordel kann er den abfallenden Auspuff festbinden.“

Bürgermeister Claus Jacobi, in sizilianische Bauerntracht gewandet, musste diesmal nicht um den Schlüssel zum Rathaus kämpfen. (Foto: Stefan Scheler)

Im Rathaus gab es dann den gewohnt großen Empfang für die Tollitäten von rund 100 närrischen Engelbertstädtern. Die Stadtspitze hatte sich in Trachten aus den Partnerstädten gekleidet; Bürgermeister Claus Jacobi kam zum Beispiel als sizilianischer Bauer und Rathaus-Mitarbeiterin Christine Richert als französische Madame.

Günter Dabruck und seine Drevermannspatzen spielten wie gewohnt stimmungsvoll auf und übernahmen auch die zahlreichen Tusch-Sequenzen. Rund eine Stunde lang jagten sich Narrenwitz, Stimmungs- und Schunkelmusik sowie Ordensverleihungen.

Zum Gevelsberger Karneval gehört traditionsgemäß die Erfüllung verschiedener Aufgaben, auch „Thesen“ genannt. Wechselweise dem Prinzenpaar als auch der Stadtführung sind diese Beweise jecken Frohsinns aufgegeben, und die meisten konnten die Beteiligten erfüllen. Prinz Michael IV. hatte die Mettbrötchen zu schmieren, einen selbst gebrannten Likör für die Freunde in Vendôme zu destillieren und ein Aschermittwochspaket zu schnüren, in dem unter anderem katertötende „Ennepe-Rollmöpse“ enthalten waren.

Prinz Michael VI. mit Imitat- Rathausschlüssel und Einkaufswagen, worin sich Flaschen mit dem laut These zu brauenden Likör befanden. (Foto: Stefan Scheler)

Im Gegenzug hatten die Vertreter der Stadt in den Trachten der Partnerstädte zu erscheinen und das Rathaus mit Wimpeln in fröhlichen Farben stilgerecht zu schmücken.

An einer These scheiterte das Team um Claus Jacobi allerdings: Jeweils zwei Mitglieder der Ratsfraktionen zu den karnevalistischen Sitzungen zu entsenden. „Da gibt es offenbar Gruppierungen, deren Mitglieder zum Lachen in den Keller gehen“, lautete dazu der Kommentar des Karnevalsprinzen.

Orden gab es reichlich – für das Prinzenpaar, die Präsidenten der Ka. Ge. Grün-Weiß, Friedhelm Hellwig, und KG Hippendorf, Paul-Werner Herguth, sowie für die unermüdlichen Helferinnen im Rathaus Petra Akin, Christine Richert, Ulla Grimm, den Mützenträger Werner Tasbier, Kurt Schlemmer als Träger des Ordens für Freude und Frohsinn und viele mehr.

Den „Rausschmeißer“ bildete eine mitreißende Büttenrede von Hans-Walter Lingemann, der die Zeichen der Zeit stets kritisch beleuchtet. Diesmal nahm er die Auswüchse des digitalen Lebens aufs Korn, indem er sich als unbedarfter Computernutzer zu erkennen gab. „Der wollte, dass ich ihn hochfahre“, schilderte er seine Erlebnisse mit dem PC: „Da habe ich den Tisch hochgekurbelt. Das war ihm aber nicht recht. Dann wollte er, dass ich ein Menü aufrufe. An dem aufgetischten Sauerkraut hatte er aber auch keinen Spaß.“

Mit den üblichen Mettbrötchen und erfrischendem Gerstensaft klang danach ein echt Gevelsberger Rosenmontag aus.