Reh und Tanne statt Computer

Die Jagdhornbläser der Hegeringe Gevelsberg und Ennepetal sorgten mit waidmännischen Signalen wie „Fuchs tot“ für die passende Stimmung. (Foto: Stefan Scheler)
Mit Enthüllung der Tafel eröffneten (von links) Hegering-Vorsitzender Jörn Beckmann, Landesjagdpräsident Ralph Müller-Schallenberg, Bürgermeister Claus Jacobi und Sparkassen-Chef Thomas Biermann die neue Waldstation. (Foto: Stefan Scheler)

Gevelsberg. (Sche) „Damit hat man früher auch Tiere erlegt“, kommentierte Bürgermeister Claus Jacobi die Übergabe eines Gevelsberger Hauers, eines einer Machete ähnlichen Messers, an den Präsidenten des Landesjagdverbands NRW, Ralph Müller-Schallenberg, bei der Eröffnung der Gevelsberger Waldstation vor wenigen Tagen: „Das brauchen wir aber heute nicht, denn das Wildschweingulasch brutzelt schon in der Pfanne.“

Ehrengäste, darunter Landtagsabgeordneter Hubertus Kramer und die stellvertretende Landrätin Sabine Kelm-Schmidt sowie vorbeikommende Waldspaziergänger, erlebten im naturgeschützten Stadtwald der Engelbertstadt zunächst die zum Anlass passende musikalische Einstimmung der gemeinsam auftretenden Jagdhornbläser der Hegeringe Gevelsberg und Ennepetal. Auch während der Zeremonie ließen die Musiker wiederholt Signale erklingen, zum Beispiel das Zeichen „Fuchs tot“.

Vor der Waldstation haben sich (von links) Bürgermeister Claus Jacobi, Landesjagdverbandspräsident Ralph Müller-Schallenberg, Hegering-Vorsitzender Jörn Beckmann, Landtagsabgeordneter Hubertus Kramer und die stellvertretende Landrätin Sabine Kelm-Schmidt versammelt. (Foto: Stefan Scheler)

Das war jedoch keinesfalls auf den Leiter des Hegerings Gevelsberg, Jörn Beckmann, gemünzt, der sich nämlich als Initiator der neuen Waldstation in seiner Begrüßungsansprache sehr lebendig und tatendurstig präsentierte. Er hob als Repräsentant der 100 Mitglieder starken jagdlichen Vereinigung in Gevelsberg hervor, dass die Pirsch keineswegs ein Wochenendvergnügen schießwütiger Menschen sei, sondern aktiv zum Umweltschutz und der Erhaltung der heimischen Natur beitrage. „Wir danken besonders unseren Unterstützern, ohne deren finanzielle Hilfe in Höhe von 55.000 Euro die Waldstation nicht denkbar gewesen wäre“, richtete er sich an die Sponsoren: „Neben vielen privaten Spendern hebe ich die AVU, die Bürgerstiftung der Sparkasse, den Naturschutzbund, die Stadt Gevelsberg sowie deren Technische Betriebe hervor.“ Die gute Arbeit, die engagierte Helfer des Hegerings hier abgeliefert hatten und künftig in der als Waldschule fungierenden Waldstation unter der Leitung von Waldpädagogin Stefanie Bentz-Beckmann in Schulungen weiter leisten, habe die Aufmerksamkeit und Zustimmung des Landesjagdverbands NRW gefunden, dessen Präsident sich jetzt vor Ort vom pädagogischen Konzept der Einrichtung überzeugen könne. Die landespolitische Bedeutung, die im Bildungsauftrag gegenüber der Jugend liege, sehe er mit dem Besuch des Landtagsabgeordneten Hubertus Kramer gewürdigt; genauso wie der Besuch des Vorsitzenden der Kreisjägerschaft, Karl-Heinz Reinke, die Akzeptanz der in einem Blockhaus untergebrachten Lehreinrichtung auf Kreisebene dokumentiere.

Der Präsident des Landesjagdverbands NRW, Ralph Müller-Schallenberg (rechts), dankte Bürgermeister Claus Jacobi für die Unterstützung. (Foto: Stefan Scheler)

„Hier lernen nicht nur die im Zeitalter moderner Kommunikationstechnik der Natur immer mehr entfremdeten Kinder und Jugendlichen die Umwelt vor der Haustür besser kennen“, umriss der Präsident des Landesjagdverbands NRW, Ralph Müller-Schallenberg, seine Erwartungen an die mit modernen Lehrmitteln ausgestattete Waldschule: „Auch die Absolventen des ,Grünen Abiturs‘, der Jägerprüfung, erhalten hier einen Teil des für ihr Waidwerk nötigen theoretischen Rüstzeugs.“ Rund 260.000 Jäger habe es im Vorjahr gegeben, das seien 5.300 mehr als noch 2011. Immer mehr Frauen fänden zudem den Zugang zu Jagd und Hege. 20 Prozent weibliche Neuzugänge ließen den Anteil dieser Gruppe auf zehn Prozent der Jägerschaft steigen. „Die Frauen kommen zu uns über ihre Hunde; die Männer lockt das Wildbret“, schmunzelte der Landesjagdpräsident: „Bei einem Gespräch mit dem Umweltminister, der der Jagd reserviert gegenübersteht, konnte ich diesen doch für die kulinarischen Köstlichkeiten begeistern, die uns der Wald beschert.“

„Damit kriegen wir sie alle“, fügte Bürgermeister Claus Jacobi mit spitzbübischen Grinsen hinzu. Der kurze Draht zur Stadtspitze mit dem selbst die Jagd betreibenden Gemeindeoberhaupt sei ein Segen, betonte Ralph Müller-Schallenberg, der auch den Kontakt zur Landesregierung über Hubertus Kramer positiv einstufte. „Das ist wichtig für die Fassung des neuen Landesjagdgesetzes, das uns viele neue Regelungen beschert“, konkretisierte der oberste Jäger Nordrhein-Westfalens die politische Gemengelage: „Zum Beispiel müssen wir demnächst mit bleifreier Munition schießen; eine technische Herausforderung, die jedoch zu meistern ist.“