Rollstuhlbasketball in Schwelm:

Schwelm. (hc) Wer Omar Rahim von Rollstuhlbasketball reden hört, der merkt schnell, dass der Geschäftsführer von Basketball-Regionaligist EN Baskets, für diesen Sport brennt. Es ist nicht nur eine Ergänzung, eine neue Sparte, zu dem bestehenden Angebot des Vereins, sondern eine Herzensangelegenheit.
Bereits vor acht Jahren hatte Rahim die Idee Rollstuhlbasketball in Schwelm zu etablieren, doch scheiterte es an den nicht barrierefreien Zugängen zu den Sporthallen.
„Man musste Treppen rauf oder Treppen runter gehen – die Hallen waren also mit einem Rollstuhl nicht erreichbar“, erinnert sich Rahim.

Bereits in der Uni Kontakt aufgebaut

Erste Berührungspunkte mit dem Sport hatte er während des Studiums an der Sporthochschule. Er spielte bei der dortigen Gruppe mit und machte vielfältige Erfahrungen, die ihn auch jetzt noch prägen. Zudem war er schon ganz früh mit dem Thema Rollstuhl und Aktivität privat in Berührung gekommen. „Mein Onkel saß im Rollstuhl, hat sich aber trotzdem immer mit uns beschäftigt und gespielt“, erklärt Rahim.
All dieses Einflüsse führten dazu, dass Rahim nun seine Idee verwirklicht. Die neue Dreifeldhalle stellt die perfekten Rahmenbedingungen.
Jetzt geht es darum das finale Okay der Stadt einzuholen. Dafür hat er Ingo Hahn ins Boot geholt. Der Athletiktrainer der Schwelmer aus Erstligazeiten hat nicht nur ein eigenes Fitnessstudio, er ist auch Sportexperte. „Mit Omar verbindet mich eine Freundschaft und unsere Wege kreuzen uns seit vielen Jahren auf verschiedenen Wegen. Vor ein paar Wochen hat Omar mich beim Essen angesprochen und ich was sofort begeistert. Ich bin gerne sozial engagiert und daher war es schnell entschieden, dass ich dabei bin“, erklärt Hahn. Rahim wird dabei vor allem auf die Expertise Hahns in Sachen Material und Sportgerät setzen. So wird Hahn gemeinsam mit Rahim die Sportrollstühle überprüfen und mitentscheiden, welches Gerät zu dem Schwelmer Projekt passt.

Hohe Kosten

Ein Sportrollstuhl kostet knapp 2.400 Euro, also muss diese Entscheidung mit Bedacht getroffen werden. Schließlich sollen am Ende des Jahres zehn Rollstühle zu Verfügung stehen.
Um Kindern und Jugendlichen den Einstieg in den Sport zu ermöglichen weißt Rahim darauf hin, dass ein rechtlicher Anspruch auf einen Sportrollstuhl besteht. Die Gesundheitskassen müssen die Kosten übernehmen.
Aber nicht nur Menschen mit Behinderung sondern auch „Fußgänger“ dürfen den Sport machen. „In der Bundesliga gibt es mittlerweile viele Fußgänger, die an den Wettbewerben teilnehmen“, erklärt Rahim. Er selbst wird regelmäßiger Gast beim Training sein und auch Hahn wird sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen.
Beim ersten Test merkte man schnell, dass es sich um eine komplett andere Sportart als das Fußgänger-Basketball handelt. Die ersten Bälle, die auf den Korb geworfen wurden, waren allesamt zu kurz. Der Perspektivwechsel war extrem und die Koordination von Prellen und Anschwung geben überfordert beim ersten Versuch.

Zwei Einheiten

Zweimal im Monat sollen die Rollstuhlbasketballer in Schwelm trainieren. Eine Kooperation mit der evangelischen Stiftung Volmarstein ist bereits unter Dach und Fach. Aber auch nicht organisierte Rollstuhlfahrer aus dem Umland können kommen. „Wir füllen eine geografische Lücke. Wer sonst Rollstuhlbasketball spielen will, der muss 30 bis 40 Kilometer fahren“, erklärt Rahim.

Erste Spiele bereits terminiert

Am 21. August ist bereits das erste Spiel geplant und im November sollte, wenn möglich das erste Turnier stattfinden. Am Ligenbetrieb soll das Team der Baskets noch nicht teilnehmen, zumindest ist derzeit noch keine Meldung in Sicht. Doch so, wie Hahn und Rahim die Sachen angehen, wird es nicht lange dauern, bis auch das ins Auge gefasst wird. Schließlich ist ihr Projekt kein Versprechen an die Inklusion, es ist gelebte Inklusion. „Wir wollen nicht viel reden, sondern machen“, so die beiden unisono. Das Zusammenspiel über jede Grenze hinweg, ist beim Rollsstuhlbasketball keine Ausnahme sondern Dauerzustand. Die Genehmigung der Stadt dürfte daher nur Formsache sein, schließlich ist dies ein Vorzeigeobjekt. Unterstützer aus der Wirtschaft sind ebenso aufgerufen, zu helfen. Das Projekt hat hohe Kosten doch der Ertrag ist für alle Beteiligten unbezahlbar.