Schwelm: Bahnhof mit Elektrotankstelle

AVU Service Plus-Geschäftsführer Thorsten Coß erläuterte das Photovoltaik-Projekt der AVU mittels anschaulicher Planzeichnungen.  (Foto: Stefan Scheler)
AVU Service Plus-Geschäftsführer Thorsten Coß erläuterte das Photovoltaik-Projekt der AVU mittels anschaulicher Planzeichnungen. (Foto: Stefan Scheler)

Schwelm. (Sche) „270.000 Euro für den alten Schwelmer Bahnhof“, analysierte Immobilienfachmann Bodo Hölscher bei einem Ortstermin einen Teilaspekt der Pläne zur Aufwertung des Schwelmer Bahnhofs vor wenigen Tagen: „Da muss man mindestens drei potente Mieter bekommen, damit sich das lohnt.“

Stadtsprecherin Heike Rudolph (links) mit Künstlerin Christa Wolff und deren Gatten Peter Hornemann vor dem sanierungsbedürftigen Bahnhof. (Foto: Stefan Scheler)
Stadtsprecherin Heike Rudolph (links) mit Künstlerin Christa Wolff und deren Gatten Peter Hornemann vor dem sanierungsbedürftigen Bahnhof. (Foto: Stefan Scheler)

Stadtspitze, AVU und VER hatten vor das marode Eisenbahngebäude geladen, um das neue Konzept für den Verkehrsknotenpunkt in der Kreisstadt vorzustellen und zu bewerben. Mehr als 100 interessierte Bürger waren gekommen, um unter anderem den Standort für die Busabfahrten und die künftigen Stellplätze für Fahrräder – mit und ohne Elektro-Hilfsantrieb – in Augenschein zu nehmen.

„Ich stelle mich hier in Ihre Mitte“, eröffnete Bürgermeister Jochen Stobbe seine Erläuterungen zum Projekt: „So kann ich Ihre Anregungen und auch die berechtigte Kritik besser zur Kenntnis nehmen.“

Nachdem das Stadtoberhaupt einen kurzen Abriss zur Barrierefreiheit des Vorplatzes, der zu diesem Zweck auf das höhere Niveau des Bahnhofsgebäudes anzuheben ist, zur An- und Abfahrt der Busse und den Stellplätzen für Fahrräder nebst Ladestationen sowie Taxistandorten gegeben hatte, bestürmten ihn sofort einige Schwelmer mit Plänen in ihren Händen, um drängende Fragen geklärt zu bekommen. Meist ging es dabei um das liebe Geld, aber neben den Kosten der Maßnahmen bewegten die Menschen auch Fragen nach der Umweltverträglichkeit, dem Einpassen in das Stadtbild und der technischen Machbarkeit der schönen Visionen.

Dass etwas mit dem Gelände zwischen Bürgerpark und der Bahntrasse mit Richtungsgleisen nach Wuppertal und Hagen geschehen muss, ist dabei allen Beteiligten klar. „Der Bahnhof ist allein optisch keine gute Visitenkarte für unsere Stadt“, hatte Jochen Stobbe schon im frühen Planungsstadium einmal gesagt. Nun wartete er auch mit konkreten Zahlen auf: „5.000 bis 6.000 Fahrgäste nutzen täglich den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) als Schnittstelle zwischen Bus und Bahn.“ Beide Anlagen seien sanierungsbedürftig. Den Bahnhof müsse man behindertengerechter gestalten, und die Busbuchten seien für moderne Gelenkbusse nicht mehr ausreichend. Um vieren der Gliederfahrzeuge Raum zu geben, müsse die Verkehrsgesellschaft Ennepe-Ruhr (VER) die bisherigen Haltestellen verlängern. „Dabei ändert sich an der Grundkonstellation der An- und Abfahrt im Wesentlichen nichts“, erklärte VER-Geschäftsführer Thomas Schulte: „Als Ausstiegsstellen stehen nach der Neugestaltung der Anlage im Bereich Märkische Straße/Bahnhofplatz gegenüber der aktuellen Situation geringfügig versetzt dann fünf Halte zur Verfügung.“

Damit ein Umstieg auf umweltfreundliche Mobilität möglich ist, richtet die AVU auf den als Regenschutz dienenden Dächern vor den Bussteigen Solarpanele ein, dank deren Photovoltaikanlagen unter anderem Strom für Fahrräder mit Elektrohilfsantrieb zur Verfügung steht, um die im Wetterschutz der Konstruktion geparkten Hochtechnologie-Drahtesel aufzuladen. „Im Entwurf haben wir 37 Stände angedacht“, gab Kai Sieverding, der als Diplomingenieur zentrale AVU-Projekte betreut, Auskunft: „Sieben Plätze sind für Elektro-Fahrräder reserviert, 30 für herkömmliche Modelle.“

„Die Solaranlage mit einer Fläche von 420 Quadratmetern kostet 84.000 Euro“, rechnete Thorsten Coß, Geschäftsführer des AVU-Zweigs „Service Plus“, vor: „Die Kostendeckung erfolgt über das Grünstrom-Konzept.“ Dabei zahlen die Grünstrom-Kunden für die Photovoltaik-Anlage; die AVU stiftet zwei der sieben Ladestationen für Fahrräder und eine für künftige Elektroautos. Einer dieser Flitzer, ein Opel Ampera, war übrigens zur Besichtigung beim Termin neben dem Informationsbus geparkt.

Wenn alles nach den Wünschen der Initiatoren läuft, dürfte in absehbarer Zeit ein schlüssiges Verkehrskonzept zur Anbindung des Nahverkehrs an die gleisgebundene Personenbeförderung in der Kreisstadt stehen, das die Verantwortlichen dann auch baulich zügig umsetzen. Von Bürgerseite gab es dazu vereinzelt Skepsis zu hören. „Allerdings differenziert man auch nicht immer korrekt zwischen Bahn- und Stadtverwaltung“, kommentierte dies die Stadtsprecherin Heike Rudolph.