„SchwelmeBräu“ wird präsentiert

Mit „Kupfer“ und „Messing“ möchten Frank Hense (links) und Stefan Hammermeister von der neu gegründeten „SchwelmeBräu“ die Brautradition in der Kreisstadt erhalten und Bier von Schwelmern für Schwelmer brauen. Ab Donnerstag, 22. Dezember, 16 Uhr, ist der Gerstensaft exklusiv bei Raidt erhältlich. (Foto: Frank Schmidt)

Schwelm. (zico) „Durch Schwelm muss wieder ein Schluck gehen“ – frei nach diesem Motto wird es pünktlich zu Weihnachten ab Donnerstag, 22. Dezember 2011, 16 Uhr, wieder Bier geben, das unter einem Schwelmer Label von Schwelmern für Schwelmer gebraut wird. Zur Markteinführung in der Getränkehandlung Raidt im Rahmen eines „Fläsh Plöpp“, der an die gemeinsamen Einkaufsaktionen zahlreicher Aktivisten erinnert, die im Sommer gemeinsam die letzten Bestände des Schwelmer Bieres erwarben, werden gleich zwei Biersorten vorgestellt: Zum einen die Sorte „Kupfer“, die nach Bernsteinart gebraut wird, zum anderen das „Messing“ nach Pilsener Brauart, und zwar unter dem Markennahmen SchwelmeBräu.

Zahlreichen Kreisstädtern ist es zu verdanken, dass die seit 1830 bestehende Schwelmer Brautradition mit der endgültigen Schließung der Schwelmer Brauerei am Neumarkt am 30. September dieses Jahres nun doch nicht unter geht. Da ist zum einen der Maschinenbauunternehmer Frank Hense, dem das Thema Schwelmer Bier eine Herzensangelegenheit ist, und zum anderen Stefan Hammermeister, der von 2003 bis 2008 als Braumeister für die Schwelmer Brauerei tätig war. Hammermeister beendete 1992 seine Ausbildung zum Brauer und Mälzer. Darauf folgte ein Studium zum Diplom-Brauingenieur an, das er 1999 abschloss. Danach gründete der heute 43-Jährige in Düsseldorf ein Ingenieurbüro für technische Dienstleistungen der Getränkeindustrie. Dieses Duo gründeten am 1. Dezember die „SchwelmeBräu GmbH & Co KG“.

Aber auch die Mitglieder der Genossenschaft, die eigentlich die Schwelmer Brauerei retten wollten und zu diesem Zweck gut 30.000 Euro zusammentrugen, stehen dem neuen Unternehmen positiv gegenüber. „Keiner ist abgesprungen“, freut sich Frank Hense: „Die Mitglieder der Genossenschaft können Anteile an der SchwelmeBräu erwerben; zunächst aber muss die Satzung den neuen Verhältnissen angepasst werden.“ Nicht zu vergessen sind auch die Mitglieder des Vereins zum Erhalt und zur Förderung der Schwelmer Brautradition um ihren Vorsitzenden Claus Kaiser, die sich ebenso mit dem neuen SchwelmeBräu angefreundet haben und zum Beispiel bei ehrenamtlichen Arbeitseinsätzen tatkräftig dafür sorgten, in Windeseile die Räume des Getränkelagers an der Eichenstraße 1 in Linderhausen auf Vordermann zu bringen.

Da die Anlagen in der alten Schwelmer Brauerei abgebaut sind und es keine Möglichkeit für die SchwelmeBräu gab, am Standort Neumarkt unterzukommen, muss das neue Bier zunächst außerhalb der Stadtmauern gebraut werden. „Auf der Suche nach einer Braustätte für unsere Schwelmer Bierspezialitäten hat Stefan Hammermeister gründlich abgewogen und schließlich die Liebhart´s Privatbrauerei in Detmold ausgewählt“, so Frank Hense, dessen mittelfristiges Ziel ist, eine neue Braustätte in der Kreisstadt zu errichten: „Das wird jedoch vom Erfolg des SchwelmeBräu abhängen.“

Viel Herzblut und Heimatliebe stecken in dem Projekt „SchwelmeBräu“: Damit das neue Bier noch vor Weihnachten an den Start gehen kann, haben die Mitglieder des Vereins zum Erhalt und zur Förderung der Schwelmer Brautradition um ihren Vorsitzenden Claus Kaiser (rechts) bei ehrenamtlichen Arbeitseinsätzen tatkräftig dafür gesorgt, in Windeseile die Räume des Getränkelagers an der Eichenstraße 1 in Linderhausen auf Vordermann zu bringen. Darauf ein Prosit mit Braumeister Stefan Hammermeister - natürlich mit den traditionellen Schwelmer Bügelflaschen. (Foto: Frank Schmidt)

Rund 5.000 Hektoliter sollen zunächst pro Jahr produziert werden, und zwar auf einem sehr hohen Qualitätsniveau. Sowohl „Kupfer“ als auch „Messing“ werden in den bekannten Schwelmer Bügelflaschen in einem Zehnerkasten exklusiv im Getränkehof Raidt, Berliner Straße 54 in Schwelm, verkauft. Ganz billig wird das Bekenntnis für die Konsumenten freilich nicht. „Ohne der Kalkulation von Raidt vorzugreifen, wird der Zehnerkasten über zehn Euro kosten, aber dafür erhalten Liebhaber auch eine Bierspezialität, die den Gaumen verwöhnt“, verspricht Stefan Hammermeister, der den Sud schon vor der eigentlichen Firmengründung ansetzte, um noch vor Weihnachten mit dem SchwelmeBräu an den Start gehen zu können.

Die schmucken Etikettenh zieren die Christuskirche, das Haus Martfeld und das Riesenrad als Symbol für das Schwelmer Heimatfest. Eine Genehmigung, das alte Schwelmer Stadtwappen ebenso auf dem Etikett verwenden zu dürfen, erhielten Hense und Hammermeister hingegen „wegen rechtlicher Bedenken“ nicht von der Stadt – „obwohl dieses Wappen ja lange Zeit die Etiketten der Schwelmer Brauerei schmückten“, sieht Frank Hense die Stadt in einer eher reservierten Position. So steht auch noch nicht fest, ob Bürgermeister Jochen Stobbe die allgemeine Begeisterung der Schwelmer Gerstensaftfreunde teilt und der Präsentation des neuen Schwelmer Identitätsträgers am Donnerstag beiwohnen wird. Schon dem Kampf um den Erhalt der alten Schwelmer Brauerei mit ihren 40 Arbeitsplätzen hatten die führenden poilitischen Köpfe der Stadt bekanntlich zur großen Verwunderung zahlreicher Bürger mit deutlich gebremsten Schaum gegenüber gestanden.

Was Stefan Hammermeister und Frank Hense nicht anficht. „Die Stadt Schwelm hat leider nicht mehr viel zu bieten. Wenn nun noch ein Wahrzeichen wegbräche, ginge das gar nicht“, nennt der 44-jährige Hense seine Hauptmotivation. Für die vielen Schwelmer Gerstensaftfreunde jedenfalls ist ihr Engagement ein Glücksfall, und so dürfte es am Donnerstag, 22. Dezember 2011, um 16 Uhr bei Raidt großen Andrang geben, wenn die ersten „Plöpps“ mit dem neuen SchwelmeBräu erklingen. Kein Zweifel – für echte Schwelmer, die sich zur Biertradition ihrer Heimatstadt bekennen, werden es heuer doch noch unerwartet frohe Weihnachten!

SchwelmeBräu im Internet: schwelmebraeu.de