Schwelmer „Drohnen-Angriff“ aufgeklärt

Natascha Grieger in ihrem Garten
Natascha Grieger auf der Liege in ihrem Garten, wo sie am 6. Juni 2013 von einem Micro- beziehungsweise Multicopter aus nächster Nähe im Bikini gefilmt wurde. Ihre Anzeige hält die junge Frau auch nach der Meldung des Filmemachers aufrecht, und die Polizei ermittelt weiter. (Foto: Frank Schmidt)

Schwelm. (zico) Der vermeintliche „Spanner-Angriff“ auf die Schwelmerin Natascha Grieger ist aufgeklärt. Am Mittwoch hat sich der Dortmunder Bildjournalist Michael Printz bei der Polizei gemeldet und sich als Urheber der Luft-Aufnahmen zu erkennen gegeben. Am gleichen Abend war Printz auch in einem WDR-Bericht zu sehen, in dem er beteuerte, er habe Aufnahmen für eine Schwelmer Immobilienfirma von einem in der Nähe liegenden Wohnblock gemacht. Die nötigen Genehmigungen dafür habe er eingeholt. Gleichwohl ermittelt die Polizei weiter, und auch die Strafanzeige der Betroffenen bleibt bestehen.

„Mittlerweile ist es mir ziemlich unangenehm, was wir da mit der Veröffentlichung im wochenkurier los getreten haben“, sagt Natascha Grieger, und dann muss sie doch kurz schmunzeln: „Da beschwere ich mich, dass ich nicht gefilmt werden möchte, und anschließend berichten die Medien reihenweise über meinen Fall, filmen und fotografieren mich.“

Aber eben nicht im Bikini, sondern vor seriösem Hintergrund und in der Absicht, einen Straftatbestand aufklären zu helfen. Denn den Vorgang vom Donnerstag vor einer Woche, den die junge Frau schilderte, muss sich nach Paragraph 201a Strafgesetzbuch niemand gefallen lassen. Über Natascha Griegers sichtgeschütztem Garten an der Jesinghauser Straße war eine Mini-Drohne aufgetaucht und hatte sie während des Sonnenbads gefilmt. „Das Objekt ist direkt über mir aufgetaucht, unter Baum- und Haushöhe“, bekräftigt die 33-Jährige. Wohl kaum eine geeignete Flugposition, von der aus man noch Aufnahmen von einem Wohnblock in der Nachbarschaft machen kann.

Warum also flog der Multicopter so tief über Natascha Griegers Grundstück, als sich die junge Frau leicht bekleidet in ihrem Garten sonnte? Und warum wusste die örtliche Polizei nichts von dem Einsatz? Laut Auskunft von Kreispolizei-Pressesprecher Dietmar Trust muss die ausführende Firma nämlich nach der Genehmigung durch die Bezirksregierung Münster auch die örtlichen Ordnungsbehörden vor Aufsteigen des Multicopters vom jeweiligen Einsatz unterrichten. Ein entsprechendes Fax oder eine auf anderem Wege zugeleitete entsprechende Meldung liegt der Polizei jedoch nicht vor! Gleichwohl geht mittlerweile auch der Auftraggeber für den Flug in die Gegenoffensive. Auf der Schwelmer Facebook-Seite behauptet Dirk Wassermeyer, dass alles seine Ordnung gehabt habe, die Genehmigungen eingeholt worden waren und die geringste Flughöhe laut GPS-Signal 39 Meter (!) betragen habe. Eine Aussage, die Natascha Grieger vehement bestreitet: „Niemals. Ich bezweifle in keiner Weise, dass diese Drohne nur für den Zweck hier war, die Häuser zu fotografieren. Was ich jedoch stark bezweifle ist die Tatsache, dass das Ding in meinem Garten 39 Meter hoch geflogen sein soll. Mein Haus, von dem ich immer dachte, es sei so neun bis maximal zehn Meter hoch, ist dann scheinbar um die 45 Meter hoch! Eine Meisterleistung der Fachwerkskunst von 1708!“

Dass der Flug einen seriösen Hintergrund gehabt hat, dann aber angesichts der attraktiven jungen Dame im nahe gelegenen Garten in einer ungesetzlichen „Extra-Tour“ mündete, will Polizeispecher Dietmar Trust keineswegs ausschließen. Zwischenzeitlich war die Polizei auch auf Natascha Griegers Grundstück an der Jesinghauser Straße und hat sich davon überzeugt, dass das Grundstück ansonsten sichtgeschützt ist. Dies ist Voraussetzung dafür, dass Paragraph 201a greifen kann.

„Gemeldet und entschuldigt hat sich Herr Printz bislang nicht bei mir“, so Natascha Grieger, die sich in Schwelm auch mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz für den Erhalt wichtiger Einrichtungen wie Schwelmebad und Brauerei einen Namen gemacht hat. So dicht über ihrem Kopf habe ein filmendes Flugobjekt definitiv nichts zu suchen: „Nach Auskunft des Polizeibeamten, der meinen Garten besucht hat, darf ich mich dann auch wehren und das Ding herunter holen.“ Notfalls mit einem Wurfobjekt wie einem Ast oder ähnlichem, was wohl auch beträchtlichen Schaden an dem laut WDR 40.000 Euro teuren Multicopter hervorrufen würde.

Wenig seriös erscheint in diesem Zusammenhang zu alledem eine anonyme E-Mail, die nach der Berichterstattung im wochenkurier in unserer Redaktion einging und mit „Paulus“ unterzeichnet ist. „Gegenrecherche ist des Autors Handwerkszeug jedenfalls nicht“, heißt es darin, ungeachtet dessen, dass den örtlichen Behörden gar keine Informationen vorlagen und selbst die Polizei erst sechs Tage nach den Aufnahmen auf Grund der Meldung Michael Printz als Urheber ausmachen konnte. Die Mail gipfelt in einer Einlassung über die Motivation der filmenden „Kollegen“: „Interesse an nackt im Garten sonnenbadenden Frau Griegers haben sie nicht, weil die das Bildmaterial versauen und heraus retuschiert werden müssten oder der Flug wiederholt werden müsste, was sehr teuer ist.“ Dazu Natascha Grieger säuerlich: „Demnächst soll ich wohl noch bei etwaigen Filmemachern um Erlaubnis fragen, wenn ich mich in meinem eigenen Garten sonnen will.“

Die Polizei, an die der wochenkurier die Mail weiter geleitet hat, geht laut Dietmar Trust davon aus, dass es sich bei „Paulus“ um Michael Printz selbst oder einen seiner Mitarbeiter handelt, denn: „Wir haben die Absenderadresse angeschrieben, und in der Antwort hieß es, dass man sich nun beim WDR melden werde. Danach war Herr Printz ja dann auch im entsprechenden Fernsehbeitrag zu sehen.“

Andere Vertreter der Branche, zum Beispiel der Schwelmer Filmprofi Bernd Henkel, im EN-Kreis als seriöser Fotograf und Filmemacher bekannt, sind übrigens alles andere als glücklich über derartige Vorfälle. „Hier wurden offensichtlich Persönlichkeitsrechte verletzt. So etwas bringt die gesamte Branche in Verruf“, so Henkel gegenüber dem wochenkurier.