Schwelmer & Soziale verliert einen unermüdlichen Motor

Schwelm. (zico) 853 Mietwohnungen im Wert von 94,8 Millionen Euro wurden in seiner Amtszeit errichtet, 555 Eigentumswohnungen und 14 Gewerbeeinheiten. Und rund 50 Millionen Euro hat er zum Wohle Schwelms an Landesmitteln und öffentlichen Geldern in die Kreisstadt geleitet. Am vergangenen Freitag ging die beispiellose, 32-jährige Erfolgsgeschichte des Geschäftsführers Gerd Westermann bei der Schwelmer & Soziale zu Ende – rund 120 Gäste verabschiedeten den Motor der Genossenschaft im Verwaltungsgebäude an der Obermauerstraße in den Ruhestand.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Schwelmer & Soziale, Rainer Döring, spannte den Bogen zu den Anfängen der beruflichen Tätigkeit Gerd Westermanns bei der Soziale Wohnungsbaugenossenschaft, zu deren Geschäftsführer er 1977, im Alter von 32 Jahren, berufen wurde. Damals gab es noch zwei Wohnungsgenossenschaften in Schwelm, neben der Soziale auch die deutlich ältere Schwelmer. Der Gedanke an eine Zusammenarbeit stand bereits im Raum, doch es war Gerd Westermann, der zusammenführte, was zusammengehörte. Schon kurz nach seinem Amtsantritt fungierte er als Geschäftsführer beider Genossenschaften, und ein Jahrzehnt später kam es dann zur endgültigen Verschmelzung der beiden Unternehmen.

Auch über die Schwelmer Stadtgrenzen hinaus machte sich Gerd Westermann schnell aufgrund seiner Tatkraft einen Namen, suchte jenseits der Bürokratie erfolgreich nach pragmatischen Lösungen, wobei er zum harten, aber verlässlichen Verhandlungspartner avancierte. Und wichtige Entscheidungen landeten bei Westermann nie auf der langen Bank.

Mitarbeiter der Kreisverwaltung haben ausgerechnet, dass die von Westermann gebauten Wohnungen eine Quadratmeterfläche von insgesamt 23 Bundesligastadien einnehmen würden. „Die Qualitätsmarke Westermann ist an vielen Stellen in der Region sichtbar“, würdigte Landrat Dr. Arnim Brux in seiner Rede das Lebenswerk des scheidenden Geschäftsführers. Und direkt an Gerd Westermann gewandt ergänzte er: „Bei allen Leistungen sind Sie immer sehr zurückhaltend gewesen, ich habe Sie immer als einen ausgesprochen sympathischen Menschen wahrgenommen.“

Schwelms Bürgermeister Jochen Stobbe konkretisierte, welche Spuren Westermann in der Kreisstadt hinterlässt: „Wenn Schwelm heute einen sehr guten Ruf als Stadt des Wohnens hat, dann hat Gerd Westermann daran einen sehr großen Anteil. Sie, Herr Westermann, haben ein Lebenswerk geschaffen, in dem Sie die Möglichkeiten der Genossenschaft mit großem Tatendrang und großem Organisationsgeschickt genutzt haben.“

Neben der umfassenden Bautätigkeit hat sich Gerd Westermann auch um die berufliche Bildung und die Personalentwicklung im Verband auf Landes- und Bundesebene verdient gemacht. Der Direktor des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland Westfalen, Alexander Rychter, zeichnete Westermann im Rahmen der Verabschiedung mit der goldenen Ehrennadel des Verbandes aus. Ferner war Westermann bei der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer für die Region engagiert und hier auch als Handelsrichter tätig. Jan-Peter Tornow von der SIHK überreichte Westermann für sein Engagement die große Harkortmedaille.

Obligatorisch ist bei der Schwelmer & Soziale eine Uhr als Abschiedsgeschenk in den Ruhestand. Westermann-Nachfolger Berndt Erlenkötter hatte die Kollegen von Aufsichtsrat und Vorstand für ein besonderes Geschenk begeistern können: Eine Sonnenuhr, die der verdiente Neu-Ruheständler vorab schon einmal als Bild betrachten konnte. Der Schwelmer Steinbildhauer Walter Kessler hat die Sonnenuhr gestaltet und in römischen Ziffern die Zahlen 1977 und 2010 eingemeißelt. Berndt Erlenkötter bedankte sich bei Gerd Westermann für die Einarbeitung in den vergangenen fünf Monaten. Und ganz zum Schluss flossen auch Tränen: Einige Mitarbeiter konnten und wollten ihre Emotionen am Tage des Abschieds nicht verbergen – Gerd Westermann war eben ein ganz besonderer Chef.