Schwelmer Zapfhähne gehen hoch

Die Tradition, die 1830 vom Gastwirt Johannes Klein mit der Inbetriebnahme einer kleinen Braustätte in Schwelm begründet wurde, scheint sich dem Ende zuzuneigen. Nachdem bereits im September 2009 Insolvenzantrag gestellt worden war, verkündete Insolvenzverwalter Manfred Gottschalk am 6. Juli, dass die Schwelmer Brauerei mit ihren 32 Mitarbeitern nicht mehr gerettet werden kann und zum 30. September 2011 den Betrieb einstellt. 

Zuviele Großkunden hätten das „Schwelmer“ aus dem Programm genommen, der Umsatz sei um 50 Prozent zurück gegangen, heißt es zur Begründung. Zwar keimte Mitte Juli wieder Hoffnung auf, als Schwelms Bürgermeister Jochen Stobbe sieben Unternehmer an einen Tisch brachte, die den Betrieb zumindest bis zum Jahresende sicher stellen wollten, doch der Insolvenzverwalter drehte am 28. Juli endgültig den Zapfhahn zu. Seit diesem Tag wird kein „Schwelmer“ mehr gebraut, es erfolgt nurmehr der Abverkauf an heimische Händler. Zwar hat sich mittlerweile eine stetig wachsende, inklusive QuENgelbert rund 6.000 Mitglieder zählende Facebookgruppe zum „Erhalt der Schwelmer Brauerei“ gegründet, die einen Investor zum Erhalt der Brauerei und der dortigen Arbeitsplätze sucht. Doch die rührigen Aktionen wie gemeinschaftliche Einkaufstreffen in heimischen Getränkemärkten zeugen zwar vom großen Rückhalt für das Schwelmer – an den Tatsachen werden aber auch sie wohl kaum etwas ändern können.

Bleibt die Frage, ob das „Aus“ für das „Schwelmer“ hätte verhindert werden können – oder ob es gar noch zu verhindern ist. Immerhin knapp zwei Jahre liegen zwischen dem Insolvenzantrag und dem Produktionsstopp. Dem Bürgermeister darf bescheinigt werden, sich ehrlich um den heimischen Gerstensaft bemüht zu haben – nach der Schreckensmeldung vor zwei Jahren führte er schon vor seiner Amtseinführung erste Rettungsgespräche. Doch warum war er nun nicht früher über die sich zuspitzende Lage informiert, um mit mehr Zeit im Rücken wirkungsvoller handeln zu können? Und hätte nicht auch der Insolvenzverwalter von Anfang an enger mit Stadt und städtischen Einrichtungen wie der Gesellschaft für Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung zusammenarbeiten sollen? Immerhin geht es ja nicht um irgendeine Würstchenbude, sondern um den wichtigsten Identifikationsbetrieb der Kreisstadt.

In diesem Zusammenhang sollte sich gerade die Schwelmer Politik vor Krokodilstränen und Populismus auf dem Rücken der in höchster Not befindlichen Brauerei und ihrer Mitarbeiter hüten. Stattdessen zählen jetzt nur noch Taten, die eine Chance haben, zielführend zu sein – im Sinne einer kaum mehr zu erhoffenden Rettung. Wenn Jochen Stobbe tatsächlich noch Hoffnung hat, wie er vor wenigen Tagen der Presse mitteilt, dann sollte er schon bald konkretisieren, wovon sich diese Hoffnung ernährt. Seine Erklärung nach dem Produktionsstopp vermittelt eher den Eindruck von Ohnmacht.

Schwelm ohne Schwelmer Bier ist wie ein Heimatfest ohne Umzug – da sind sich die Bürger einig. In diesem Zusammenhang kursieren bei der Facebook-Gruppe „Für den Erhalt der Schwelmer Brauerei“ bereits Gerüchte, wonach am DACHO-Stand auf der Kirmes heuer schon kein Schwelmer mehr ausgeschenkt werde. Ein schlechter Scherz?