Segler kreuzen in Schwelmer Freibadfluten

Hubert Neurath lässt einen kleinen Krabbenkutter im Schwelmer Freibad zu Wasser. Am Sonntag 16. September 2012, durfte im Schwimmbecken des Bades deutlich mehr Betrieb vorherrschen, denn dann findet wieder das beliebte Schaufahren des Schwelmer Schiffsmodellbau-Clubs statt. (Foto: Frank Schmidt)

Schwelm. (zico) „Das Austarieren von Akkus, Motor und anderer Bauteile im Rumpf ist immer eine besondere Feinarbeit. Da muss oft noch korrigiert werden“, beugen sich Hubert Neurath und Dieter Senftleben über das rote Mittelklasse-Rennboot „Mach 3“ und werfen einen fachmännischen Blick auf das Innenleben des roten Flitzers. Der Vorsitzende des Schwelmer Schiffsmodellbau-Clubs (SMC) und der Pressesprecher des Vereins freuen sich schon jetzt auf das große Schaufahren des Vereins am Sonntag, 16. September 2012, wenn von 10 bis 17 Uhr rund 100 Modellboote aller Klassen und Schiffsarten im Hauptbecken des Schwelmer Freibades ihre Runden drehen. Zum riesigen Hafen wird das Freibad bereits einen Tag vorher: Am Samstag, 15. September 2012, steigt das beliebte Nachtfahren unter Beleuchtung – dann sind ab 19 Uhr Schlepper, Frachter, Großsegler, Barkassen, Feuerlöschboote, Raddampfer, Yachten und sogar Ruderboote auf Kurs.

Hubert Neurath und Dieter Senftleben werfen einen fachmännischen Blick auf das Innenleben des Mittelklasse-Rennboot „Mach 3“. Besonders interessant ist für die beiden Tüftler das Innenleben des kleinen roten Flitzers. (Foto: Frank Schmidt)

„Modellbauer müssen Elektriker, Schreiner und Anstreicher in einer Person sein; sie müssen mit vielfältigsten Herausforderungen zurecht kommen, die sich während des Baus eines Schiffes ergeben“, erklärt Hartwig Neurath, der die Geschicke des SMC seit 35 Jahren als Vorsitzender leitet, die Faszination dieses Hobbies. In der Tat ist die Liebe zum Detail, die viele Modellbauer bei der Erstellung ihrer maßstabsgetreuen Meisterwerke an den Tag legen, faszinierend. „Jeder hat seinen individuellen Stil und findet seine eigenen Lösungen für Problemstellungen, die sich beim Modellbau ergeben“, weiß der 74-jährige Dieter Senftleben aus Jahrzehnte langer Erfahrung: „Einfach so nach Plan zusammenbauen lässt sich ein Schiff eigentlich nicht; die Pläne geben jedem Raum, sich selbst Gedanken um verschiedene Umsetzungen zu machen.“ Außerdem ergänzen Modellbauer das den Bausätzen beiliegende Material gern um eigene Feinheiten und Finessen.

Dieter Senftleben ist seit fünf Jahren im Verein und widmet seinem Hobby bis zu sechs Stunden täglich: „Mir geht es vor allem um die Technik und darum, meine Schiffe möglichst realistisch auf dem Wasser fahren zu lassen.“ Und auch den 21 anderen Mitgliedern des Vereins ist die Liebe zum Detail und zum Realismus gemein. „Besonders anspruchsvoll ist der Bau von U-Booten, denn da muss alles dicht sein. Für die U-Boot-Fahrten steht am Sonntag ein eigenes Becken zur Verfügung“, so Hartwig Neurath, der einen weiteren Vorteil des Fahrens im Schwelmer Freibad heraus streicht: „Hier ist das Wasser ja völlig klar, so dass man die Modelle gut sehen kann.“ Und Dieter Senftleben ergänzt: „Besonders edel sind aber auch die mit Dampfmaschinen betriebenen Schiffe. Beim Bau werden oft Mahagonihölzer verwendet, die vier- bis fünfmal geschliffen werden. Zum Antrieb wird Esbit oder Gas benutzt.“ Bereits vier Dampfschiffe stehen auf der Meldeliste, und vielleicht werden es noch mehr.

„Über Enten und Gänse bis hin zu Holzschuhen ist hier schon alles zu Wasser gelassen worden“, weiß Hartwig Neurath darüber hinaus, dass das Faible der Modellfreunde für Kuriositäten beim seit 1974 regelmäßig veranstalteten Schaufahren schon die ulkigsten Blüten getrieben hat. Seit 1990 ist man im Schwelmebad heimisch und kann dank einiger heißer Sommertage, gut besuchter Sonderveranstaltungen und des fleißigen Wirkens von Seiten des Trägervereins auch für das kommende Jahr mit dem Freibad planen – die Saison 2013 ist gesichert.

Umziehen müssen die Schwelmer Schiffsmodellbauer, die gern neue Mitglieder in ihren Reihen willkommen heißen und ihnen dann moderate 36 Euro Jahresbeitrag abverlangen (Jugendliche zahlen sogar nur 20 Euro), dagegen aus ihrem langjährigen Basteldomizil im Schwelmer Hallenbad. „Die neuen Brandschutzbestimmungen lassen nicht mehr zu, dass wir uns dort zum Modellbau aufhalten; allenfalls als Lagerstätte ist der Raum noch nutzbar“, bedauert Neurath. Doch der 71-jährige ist zuversichtlich: „Wir führen bereits aussichtsreiche Gespräche mit der Stadt und hoffen, an anderer Stelle unter zu kommen.“ Derzeit trifft man sich noch jeden Mittwoch um 18 Uhr am Vereinsgewässer am Grimmelsberg in Ennepetal.

Mehr als 500 Besucher erwartet der SMC zum großen Fahrtag unter freiem Himmel, die sich im übrigen auch auf eine kleine Ausstellung nicht fahrbarer Modelle und auf die Präsentation der kleinen Kunstwerke aus den Reihen des SMC freuen dürfen. „Unsere Mitglieder fahren am Sonntag nicht, denn sie sollen unseren Gästen, die aus weitem Umkreis kommen, ja nicht den Platz wegnehmen“, so Dieter Senftleben. Zwischendurch gibt es für die Modellschiffkapitäne und ihr Publikum reichhaltige Verpflegung – von leckerem Grillgut über Kuchenspezialitäten bis hin zur berühmten SMC-Krautwurst. Und für kleine Besucher ist es immer ein besonderer Höhepunkt, wenn Hubert Neurath mit dem Schlauchboot mit ihnen „in See sticht“, damit sie die Modelle ganz aus der Nähe bewundern können.

Der Eintritt zu der Veranstaltung ist seit Jahren stabil und beträgt nur 1,50 Euro für Erwachsene. Kinder zahlen 50 Cent. Wer sich vorab näher über den Verein informieren möchte, kann dies unter www.smc-schwelm.de tun.