Soweit ihn seine Füße trugen

Ennepetal. (Sche) „Zum Schluss zählt nur noch durchhalten“, macht Markus Flick seine Gefühle beim Langstreckenlauf deutlich: „Die Zeit, die Landschaft nebenher und die Mitläufer werden nebensächlich.“

Markus Flick zeigt neben der aktuellen Teilnahme-Holztafel auch die für den sportlichen Erfolg überaus wichtigen professionellen Laufschuhe. (Foto: Stefan Scheler)

Das sagt einer, der in Japan beim traditionellen Kirschblütenlauf sage und schreibe 250 Kilometer in 31 Stunden und 27 Minuten „abgerissen“ hat. „Dabei geht es quer über die Hauptinsel Honshu von der Pazifikküste bis zum Ufer des Japanischen Meeres“, veranschaulicht der Marathon-Mann die Entfernung: „Maximal hat ein Läufer dafür 36 Stunden Zeit.“ Der Taschenrechner zeigt schnell: Das sind durchschnittlich 6,94 Stundenkilometer. Berücksichtigt man dabei, dass ein Fußgänger beim schnellen Marsch schon fünf Stundenkilometer schafft, scheint die Herausforderung mit einem sanften Trab machbar zu sein. „Man kann nicht stetig durchlaufen“, nimmt Markus Flick alle Illusionen: „Entweder die Blase drückt oder man muss essen und trinken, die Füße schmerzen oder andere Maläsen zwingen zum Halt.“

„Die Zeit, die man damit verliert, muss man aufholen“, berichtet der 43-Jährige von seinen Erfahrungen: „Außerdem hatte ich den Ehrgeiz, unter der Maximalzeit zu bleiben. Dann sind zehn Stundenkilometer die Idealgeschwindigkeit.“ Das Einhalten des Zeitlimits ist dem Unterhalts-Sachbearbeiter beim EN-Sozialamt auch sehr gut gelungen, denn er konnte sein Ergebnis von 35 Stunden und 17 Minuten aus dem Vorjahr um drei Stunden und 50 Minuten verbessern.

Vor dem Start noch ganz frisch: Der Ennepetaler Markus Flick absolvierte beim Kirschblütenlauf stolze 250 Kilometer. (Foto: Privat)

„Der Kirschblütenlauf findet immer im April statt“, klärt Markus Flick über die Geschichte dieser Sportveranstaltung auf: „Hintergrund ist der Wunsch des Herrn Sato, eines Busfahrers, der auf der heutigen Laufstrecke täglich unterwegs war, einmal durch einen Tunnel von blühenden Kirschbäumen zu fahren.“ Damit die Vision dieses Poeten hinterm Steuer einmal Wirklichkeit wird, pflanzen die Organisatoren des Sakura Michi, wie die Einheimischen den Kirschblütenlauf nennen, zu diesem Anlass immer neue Kirschbäume. 115 Läufer nahmen in diesem Jahr an dem „Super-Marathon“ teil, darunter 23 Ausländer, von denen wiederum fünf aus Deutschland kamen. Zwei seiner Landsleute erreichten gemeinsam mit Markus Flick den Zielstrich. „Alle Fremden finden freundliche Aufnahme bei dem überaus gastfreundlichen Herrn Ogo“, bedankt sich der Langstrecken-Spezialist: „Sein Haus liegt drei Fahrstunden von Nagoya am Pazifik entfernt in den tatsächlich so genannten ,Japanischen Alpen‘.“ Hatte der Ennepetaler 2011 wegen der kurz zuvor erfolgten verheerenden Naturkatastrophe noch Bedenken gehabt, nach Japan zu fahren, gab es in dieser Hinsicht im vergangenen Monat keine Probleme. „Die Japaner schauen nach vorn“, hat Markus Flick die Mentalität der Ostasiaten begriffen. Vom Land selbst sieht der Extremsportler bei seinen Reisen nicht viel. „Mit Flug dauern die Aufenthalte eine gute Woche, die Zeit von Samstagmorgen bis Sonntagabend ist für den Kirschblütenlauf eingeplant, und der Rest besteht aus Vorbereitung und Regeneration“, beschreibt er den Ablauf: „Damit man das überhaupt schaffen kann, ist intensives Training zuhause nötig.“

Dort läuft das Mitglied der Sportfreunde Ennepetal in der Woche etwa 150 Kilometer in insgesamt 14 Stunden zusammen, was einer Tagesdurchschnittsleistung von gut 20 Kilometern entspricht. „Dabei ist das Material sehr wichtig“, spricht Markus Flick das Thema Laufschuhe an: „Das letzte Paar ist in Japan geblieben, denn nach insgesamt 1.200 Kilometern ist die Fußbekleidung im Wortsinn ,abgelaufen‘.“ Der Athlet wechselt täglich zwischen vier bis fünf Paaren, die er in Spezialgeschäften erworben hat. „Mit Schuhgröße 50 ist die Beschaffung etwas schwierig“, lacht das Ausdauer-Wunder: „Vorteile bringen die großen Füße beim Zurücklegen weiter Distanzen aber erkennbar nicht.“