Sprockhövels Bürgermeister geht früher

Sprockhövel. (zico) Sprockhövel bekommt früher als erwartet einen neuen Bürgermeister! Stadtoberhaupt Dr. Klaus Walterscheid wird bereits zum Ablauf der aktuellen Kommunalwahlperiode sein Amt zur Verfügung stellen und damit ein Jahr vor Ablauf seiner Amtszeit in den Ruhestand gehen.

Die Pressemitteilung vor wenigen Tagen aus dem Sprockhöveler Rathaus ist keine gewöhnliche: Ansprechpartner: Dr. Walterscheid, dahinter die Durchwahl des Bürgermeisters – so steht es in den Zeilen, in denen sonst Mitarbeiter der Verwaltung verantwortlich für Verlautbarungen zeichnen. Wenige Sekunden, nachdem der Verwaltungschef auf den Sendeknopf gedrückt hat, ist sein Anschluss besetzt. Die Medien fragen nach Hintergründen, noch bevor Walterscheids Parteifreunde vom Entschluss des Bürgermeisters Kenntnis haben. Erst am Abend wird der Parteivorstand im Rahmen einer turnusgemäßen Sitzung informiert.

Entkoppelung aufgehoben

„Dass ich 2015 nicht mehr antrete, habe ich ja bereits nach der Kommunalwahl 2009 gesagt“, erinnert Walterscheid im Gespräch mit dem wochenkurier. Nun werden die Wahl zum Stadtrat und die Wahl des neuen Bürgermeisters in Sprockhövel bereits 2014 wieder zusammengelegt. Hintergrund: 2007 hat der Landesgesetzgeber die Entkoppelung der Amtszeiten und der Wahltermine von Rat und Bürgermeister eingeführt. Deshalb waren bei der jüngsten Kommunalwahl im Jahr 2009 der Rat für fünf und der Bürgermeister für sechs Jahre gewählt worden.

In diesem Jahr hat der Landesgesetzgeber jedoch beschlossen, diese Entkoppelung wieder aufzuheben und sowohl die Länge der Amtszeiten wie die Termine der Wahlen erneut zu synchronisieren. Damit die Zusammenführung beider Wahlen bereits zur nächsten Kommunalwahl in 2014 erfolgen kann, ist den amtierenden Bürgermeistern die Möglichkeit eingeräumt worden, die laufende Amtsperiode entsprechend zu verkürzen.

Für bessere Wahlbeteiligung

„Ich werde von dieser Möglichkeit Gebrauch machen und bei der zuständigen Kommunalaufsicht – in meinem Fall der Landrat des Ennepe-Ruhr-Kreises – den erforderlichen Antrag stellen“, so Klaus Walterscheid in seiner Verlautbarung und nennt zwei Hauptgründe:

  1. Die bisherigen Erfahrungen in NRW mit Bürgermeisterwahlen, die entkoppelt von den übrigen Wahlen stattfanden, zeigten oft eine deutlich zurückgehende Wahlbeteiligung.
  2. Die von der Gemeindeordnung angestrebte „Verantwortungsgemeinschaft“ von Rat und Bürgermeister lässt sich am besten realisieren, wenn beide Wahlen zum selben Termin stattfinden. Dadurch erhält der neue Bürgermeister die Gelegenheit, schon bei der Konstitution des Rates an seinem inhaltlichen Profil und seiner personellen Aufstellung für die zukünftige Arbeit hinreichend mitzuwirken. Die Wahl des Bürgermeisters ein Jahr später in 2015 würde diese Gelegenheit nicht eröffnen.

Für Heimat und Geschichte

Der Schritt des im kommenden Jahr scheidenden Bürgermeisters ist auch ein persönlicher. „Ich bin dann 68 Jahre alt, und ich denke, es ist Zeit, meinen Platz zu räumen. Neue Kräfte machen es nicht schlechter“, so Dr. Walterscheid, der vor seiner politischen Tätigkeit als Akademischer Oberrat bei der Fern-Universität Hagen wirkte: „Eine erneute Kandidatur habe ich ja ohnehin ausgeschlossen – am Ende einer weiteren Amtszeit wäre ich deutlich über 70, und das Amt verlangt vollen Einsatz.“ Als Marksteine während seines Wirkens seit 2004 bezeichnete er den Erhalt des wirtschaftlichen Potentials in Sprockhövel, den Bau von Busbahnhof und Sportplatz in Haßlinghausen sowie die Errichtung des Rewe/Aldi-Komplexes zur Nahversorgung. Wer aus seiner Partei sich für die Nachfolge bewerben wird, ist laut Walterscheid noch offen.

Was er nach dem 22. Juni, dem letzten Tag seiner Amtszeit, mit seiner neu gewonnenen Freizeit machen werde? „Fragen Sie meine Frau“, scherzt Dr. Klaus Walterscheid, wohl wissend, dass Gattin Inge-Lore Schmidt-Walterscheid und sein 13-jähriger Sohn Nicolas sich auf zusätzliche familiäre Stunden freuen. „Des weiteren habe ich vor, mich im Heimat- und Geschichtsverein zu engagieren“, so das Stadtoberhaupt: „Das ging bislang eher schlecht, denn als Bürgermeister sollte man nicht einem einzelnen Verein besonders nahe stehen.“