Süße Kätzchen und Dudelsack-Schotten

Ennepetal. (Sche) Ein bunt bemalter kleiner Schotte spielt den Dudelsack; jedes Karo seines Kilt ist deutlich zu erkennen. Diese filigrane Arbeit ist nur eine Facette des spannenden Hobbys Zinnguss. Dieses Handwerk stellten vor wenigen Tagen im Industriemuseum Ennepetal Professor Dr. Reinhard Döpp und seine Mitstreiter vor.

„Das Material hat einen niedrigen Schmelzpunkt von etwa 200 Grad Celsius und ist deshalb leicht zu verarbeiten“, referierte Rainer Finke, einer der Initiatoren einer Aktion im Industriemuseum, die am Samstag, 21. Juni, dort stattfindet. Von 10 bis 16 Uhr schmelzen Frauen und Mädchen im großen Backsteingebäude, der ehemaligen Schraubenfabrik Boedecker, Ebbinghaus & Co, das silbrig glänzende Metall.

„Es kommt uns dabei darauf an, die Frauen, die einen wesentlichen Beitrag an der Industriegeschichte haben, auch bei solchen Aktionen in den Vordergrund zu rücken“, begründete der Professor die Ausrichtung des Projekts. In der Tat waren in der Klutertstadt die Frauen schon in frühen Zeiten in die Kleineisenproduktion fest eingebunden. „Nicht immer zu besten Bedingungen und zu gleichen Löhnen wie die Männer“, gab Rainer Finke zu bedenken. Das fing schon bei der Unterbringung an. Da nur wenige der weiblichen Arbeitskräfte sich eine eigene Wohnung oder ein Zimmer leisten konnten, lebten sie um 1892 im alten Flügel des heutigen Rathauses, das damals ein Frauenwohnheim war.

Das Zinngießen für Frauen und Mädchen ist eines von 21 Projekten in der Region, das im Rahmen der Aktion „Junges EN 2014“ förderungswürdig ist. Die AVU, bei der Vorstellung vertreten von Sprecher Jörg Prostka, hatte für die bis Dienstag, 15. Juli, laufende zweite Staffel des Wettbewerbs spannende Themen auszuwählen. Das Zinngießen war unter den Favoriten, weil sich optisch ansprechende Objekte ohne unverhältnismäßigen Aufwand herstellen lassen.

Von der Schönheit der Objekte konnte man sich vor wenigen Tagen bei einer kleinen Ausstellung im Industriemuseum überzeugen. Tiere, Menschen an Maschinen, Tannenbäume für Dioramen und Plaketten waren zu besichtigen. Die seit dem 16. Jahrhundert beliebte Technik des Zinngießens erlebte um die Zeit Friedrichs des Großen ihren Höhepunkt. Damals ließen sich die Feldherren für ihre militärischen Sandkastenspiele die noch heute als Sammelobjekte beliebten Zinnsoldaten herstellen. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich diese Kunst zu einer mehr in zivile Bereiche reichenden Freizeitbeschäftigung.

Weit bekannt sind die „Flachmänner“, also Zinnfiguren, die eher zweidimensional daherkommen. Es gibt aber die 3D-Variante, sogenannte Vollplastiken, zu denen bei der kleinen Schau der filigran bearbeitete Dudelsack-Schotte gehörte. Auch niedliche Kätzchen oder Dackel präsentierten sich lebensecht, aber ziemlich schwer.
Die Damen des „Arbeitskreises Frauengeschichte im Industriezeitalter“ verfolgten interessiert die Ausführungen der Museumsverantwortlichen und freuen sich auf den Tag, an dem Frauen und Mädchen ihr Können am Schmelztiegel und an den Farbtöpfchen beweisen.