„Tour de Sizilien“ endete an Zitronenplantage

Ennepetal. (zico) In die Welt hinaus zog es Jürgen Weller schon immer. Etwas sehen wollen vom Erdball mit all seinen Naturschönheiten und kulturellen Schätzen, diesen Wunsch hatte er schon als junger Mann. Das war 1965 so, als er nach Indien aufbrach, auf seiner Reise aber im Nord-Irak hängen blieb. Und auch 2010 wohnte das Fernweh in ihm, als er mit Freunden nach Sizilien reiste, um die süditalienische Insel mit dem Rad zu erkunden. Jetzt hat der Ennepetaler ein Buch darüber fertig gestellt: „Italienreise – Sizilien mit dem Rad entdeckt“.

„Vor einigen Jahren habe ich aus gesundheitlichen Gründen vom Laufen aufs Radfahren umgesattelt“, erzählt der ehemalige Vorsitzende der Sportfreunde Ennepetal, der den Verein 20 Jahre lang führte, die Vorgeschichte: „Sport mit Kultur und Geselligkeit verbinden, das macht für mich den Wert einer Unternehmung aus.“ Die erste große Unternehmung war eine Deutschland-Umrundung, die Weller und seine Windschattenkumpel 2009 vollendeten. Und jetzt eben: „Tour de Sizilien“.

„Das war unsere Reiseroute“: Gemeinsam mit drei Freunde begab sich Jürgen Weller auf Entdeckungsreise per Rad durch Sizilien. (Foto: Frank Schmidt)
„Das war unsere Reiseroute“: Gemeinsam mit drei Freunde begab sich Jürgen Weller auf Entdeckungsreise per Rad durch Sizilien. (Foto: Frank Schmidt)

„Unser Konzept war, mit dem Wohnmobil auf die Insel zu gelangen, mit drei Radfahrern und dem Wohnmobilfahrer Karl-Friedrich Franz aus Gevelsberg, von seinen Freunden nur Anton genannt. Der sollte dann jeweils zum Zielort einer jeder Etappe vorfahren, wo dann alle in dem Fahrzeug schlafen konnten. Außer mir strampelten sich auch der Breckerfelder Bernd Maslow und Nikolaus Schmidt aus Ennepetal ab“, schildert Weller den Tourplan.
Die Hinreise im Fahrzeug bis nach Rom glich einem Aufenthalt in der Waschstraße. „Es hat aus Kübeln gegossen“, erinnert sich der Mann, der die Marathonstrecke zu seinen Glanzzeiten in 2:44 Minuten absolvierte. Mit der Fähre setzte das Quartett von Neapel nach Palermo über, und dann ging’s los für die Pedaleure. Man hatte sich für die Route gegen den Uhrzeigersinn entschieden und radelte zunächst an der Westküste Siziliens Richtung Süden, denn dort warteten sehr interessante kulturelle Sehenswürdigkeiten auf die Rad-Reisenden.

„Zum Beispiel der best erhaltene Tempel aus der Zeit der griechischen Besiedlung im antiken Segesta, von den Nachfahren der Troja-Flüchtlinge erbaut“, hat sich Jürgen Weller akribisch mit der Geschichte der Insel auseinandergesetzt. „An einer der letzten Steidungen mussten wir unsere Räder sogar tragen, denn quer durch Straße und Gelände blockierten mächtige Erdbeben-Grabenbrüche jede Weiterfahrt“, berichtet das Buch. Fasziniert war die Gruppe auch von Selinunt, der einst mächtigen griechischen Niederlassung mit ihrer Akropolis – das Wort Akropolis steht für den höchsten Berg einer Ortschaft beziehungsweise für die dort errichtete Wehranlage der Stadt. Denn es war die Zeit der Poleis genannten griechischen Stadtstaaten, und weil viele dieser Stadtstaaten im griechischen Kernland überbevölkert waren, kam es zu den Auswanderungen auch nach Sizilien ab 734 vor Christus.

In froher Erwartung auf der Hinfahrt am Braccianosee: (von links) Karl-Friedrich Franz, Nikolaus Schmidt, der später einen folgenschweren Unfall erlitt, und Bernd Maslow. (Foto: privat)
In froher Erwartung auf der Hinfahrt am Braccianosee: (von links) Karl-Friedrich Franz, Nikolaus Schmidt, der später einen folgenschweren Unfall erlitt, und Bernd Maslow. (Foto: privat)

„So entstand damals Magna Graecia, was Großgriechenland bedeutet. Selinunt ist heute eine beliebte Ausgrabungsstätte“, weiß Jürgen Weller. Sein Buch ist gleichsam abenteuerliche Erzählung und Reiseführer, und es hätte noch manch spannendes Kapitel mehr, wenn es nicht zu einem bedauerlichen Zwischenfall gekommen wäre, der die Reiseplanungen über den Haufen warf. Auf dem Weg nach Syrakus, kurz vor der alten Barockstadt Noto, begeisterte sich Nikolaus Schmidt so sehr am Anblick einer Zitronenplantage, dass er es für einen kurzen Moment an der nötigen Aufmerksamkeit fehlen ließ. Er raste gegen eine Mauer, brach sich Oberschenkel und Handgelenk und musste vor Ort operiert werden, bevor er die Rückreise nicht per Rad und im Wohnmobil, sondern mit dem ADAC-Helikopter antrat.

So blieb es bei fünf Radetappen, auf denen die Gruppe insgesamt 550 Kilometer zurücklegte – die Tagesetappen umfassten zwischen 100 und 130 Kilometer. Ein Erlebnis wollte sich Jürgen Weller jedoch trotz aller Widrigkeiten nicht nehmen lassen – die Tour zum 3.323 Meter hohen Ätna. „Man wird als Tourist dort hoch gefahren. Es war saukalt und nebelig, aber dennoch ein tolles Erlebnis“, schwärmt der Klutertstädter.

Anschließend vging es nach Hause, und auch die Rückfahrt bot noch einmal unvergessliche Eindrücke und Begegnungen. So traf Weller in Domanico seinen früheren Arbeitskollegen Franco Armieri wieder, mit dem er viele Jahre bei der Hohenlimburger Firma Bilstein gearbeitet hatte – 20 Jahre hatten sich die beiden nicht gesehen. Klar, dass da kräftig nach italienischem Brauch und mit einem herrlichen Abendessen gefeiert wurde. Auch eine Besichtigung des wunderschönen Florenz ist im Buch ausführlich beschrieben. Und schließlich traf man auch noch auf ein altbekanntes Ennepetaler Gesicht: Hanni Kasslatter, geborene Merkentrup und frühere Wirtin der Harkortstuben an der Kirchstraße, fand ihr Eheglück in der Südtiroler Ortschaft Klausen, ist mittlerweile verwitwet und führt dort gemeinsam mit Sohn Klaus den „Gasthof zum Klostersepp“.

All diese und noch viel mehr spannende Erlebnisse kann man in dem jetzt fertig gestellten Buch „Italienreise – Sizilien mit dem Rad entdeckt“ nachlesen, das zum Selbstkostenpreis von zwölf Euro bei Jürgen Weller, Ruf 02333 / 70643,  oder in der Gevelsberger Buchhandlung Appelt an der Mittelstraße erhältlich ist.