Trotz Finanzkrise: Panik hilft nicht

Der Chefvolkswirt und Forschungsleiter der Bayrischen Landesbank, Dr. Jürgen Pfister, klärte über Chancen und Gefahren der Gemeinschaftswährung auf. (Foto: Stefan Scheler)
Der Chefvolkswirt und Forschungsleiter der Bayrischen Landesbank, Dr. Jürgen Pfister, klärte über Chancen und Gefahren der Gemeinschaftswährung auf. (Foto: Stefan Scheler)

Gevelsberg. (Sche) „Wenn fünf Leute im Restaurant bestellen, sollten sie nicht vorher vereinbaren, dass sie sich die Rechnung teilen“, brachte Dr. Jürgen Pfister, Chefvolkswirt der Bayrischen Landesbank, bei dem Vortrag unter dem Titel „Vermögensanlage in wirtschaftlich turbulenten Zeiten“ im Ennepe-Finanzcenter vor wenigen Tagen einen griffigen Vergleich aus dem Alltagsleben: „Dann bestellt sich nämlich jeder das Teuerste.“ So verhalte es sich auch bei Einführung der Eurobonds, also des gemeinschaftlichen Einstehens aller Euroländer für Schwierigkeiten der Nachbarn. Der Drang zum Sparen verflüchtige sich, wenn man die Kosten hoher Löhne und Sozialausgaben auf andere abwälzen könne.

Rund 140 an Geldanlagen und Währungssicherheit interessierte Gäste folgten gebannt und teilweise mit kritischen Nachfragen den Ausführungen des Norddeutschen in bayrischen Diensten, der sich seine wissenschaftlichen Meriten unter anderem im westfälischen Paderborn erworben hatte.

Thomas Biermann, Vorstandsvorsitzender der gastgebenden Sparkasse Gevelsberg, beklagte in seiner Begrüßung die anhaltende Niedrigzinspolitik. Sie enteigne die Sparer und Anleger „kalt“, da der Preisanstieg über dem Satz der Renditen liege. So werde Sparkapital verzehrt.

Dieser Auffassung schloss sich der Referent, der als Leiter der Forschung in seinem Institut auch wissenschaftlich tätig ist, in Form eines auch für Laien verständlichen und höchst informativen Vortrags an, der teilweise den Charakter einer Universitätsvorlesung trug, ohne trocken oder zu abstrakt zu sein. Beispiele aus dem Fußball mit Bezug auf das Champions League-Finale oder satirereife Ausflüge in die große Politik lockerten die Stimmung auf.

Im Hinblick auf die zurzeit aktuelle Niedrigzinspolitik wies der Finanzexperte zum Beispiel mit folgenden Worten auf das Missverhältnis zwischen Ertrag und erhöhten Lebenshaltungskosten beim Kauf von Pfandbriefen hin: „Das können Sie höchstens als sozialen Akt verbuchen.“

Der Wirtschaftsfachmann begründete auch, warum einige Länder das dringende Bedürfnis spüren, sich aus dem Euroverbund zu verabschieden. „Das sind die Staaten, die für andere zahlen sollen, aber selbst eine stabile Wirtschaft haben“, stellte er zum Beispiel Großbritannien heraus: „Die verlassen eher die EU, als den Euro einzuführen.“ Andere Länder wie Dänemark, das standhaft an seiner Krone als Währung festhält, könnten bei ihren funktionierenden Sozialsystemen der Gemeinschaftswährung ebenfalls wenig abgewinnen.

Über den europäischen Tellerrand hinaus wagte der Referent ebenfalls einen analytischen Blick. „Die USA und Japan haben das gleiche Problem wie Westeuropa“, legte er seinen Finger in die Wunden der Globalisierung: „Die hohen staatlichen und privaten Schulden sind ein Grundübel der fortgeschrittenen Länder.“

Als Fazit gab Dr. Jürgen Pfister den Gästen und Kunden der Sparkasse Gevelsberg eine kühne Perspektive mit auf den Heimweg. „Solange wir bei weltweiten Herausforderungen national weiterwursteln, kann es nichts werden“, drückte er seine Vision aus: „Lediglich eine Weltregierung mit echten Kompetenzen kann die Aufgaben der Zukunft stemmen.“

Die auch mit Fragen zum eigenen monetären Wohl an den Fachmann herantretenden Zuhörer warnte dieser vor übereilten Käufen von Gold oder Immobilien. „Bei Sachwerten Risiken und Preise beachten“, schärfte der Ökonom den Wissenshungrigen ein: „Wenn Berater für Investments über 30 Prozent Gewinn versprechen, sind feuchte Finger beim Ansehen der Börsennachrichten im Fernsehen garantiert.“