Verschlossene Türen: Ein Selbstversuch im „Escape Room“

Die erste Kombination stimmte nicht, das Schloss lässt sich nicht öffnen. Offensichtlich fehlen wichtige Infos. Da müssen wir unsere Umgebung weiter untersuchen. (Foto: Lara Zeitel)

Von Sarah Schwarz

Die Tür hinter mir fällt ins Schloss, von innen gibt es keine Möglichkeit, sie zu öffnen. Ich blicke mich in meiner kleinen Zelle um. Viel ist da nicht. Ein Metallbett mit zwei Decken, zum Schlafen viel zu unbequem. Ein an der Wand befestigter Tisch, ein verschlossener Schrank und zwei Bilder. Kein Werkzeug, kein Fenster. Nur eine kleine Aussparung in der Tür, die mit Gitterstäben und einer Klappe versperrt ist. Wie komme ich hier wieder raus?

Vor meiner Zellentür höre ich plötzlich Stimmen. Meine beiden Begleiterinnen scheinen es geschafft zu haben, aus ihren Zellen zu entkommen. Doch dabei haben sie den Alarm ausgelöst. Es bleiben uns nur 66 Minuten, um aus dem Gefängnis zu entkommen, bevor dieses gestürmt wird Doch meine Tür ist und bleibt verschlossen. Jetzt ist Teamwork gefragt.

Vom Internet in die Wirklichkeit

Rätsel lösen, Schlüssel finden, Codes knacken – darum geht es bei dem Freizeittrend der „Escape Rooms“, der auch in Deutschland immer beliebter wird. Ursprünglich spielte sich das ganze im Computer ab und der Spieler musste sich mit Mausklicks aus einem Raum befreien. Dabei wurden Rätsel gelöst, Dinge miteinander kombiniert und Codes eingegeben. Als eines der ersten „Escape Games“ gilt der „Crimson Room“ des Japaners Toshimitsu Takagi, welches 2004 die Runde im Internet machte.

Das habe ich damals natürlich auch gespielt. Aber so einen „Room Escape“ einmal in der Wirklichkeit zu erleben, ist noch mal etwas ganz anderes. Da sind die Beklemmung und die Spannung irgendwie größer. Auf eine gute Weise. Und es macht einfach Spaß, gemeinsam mit einem Team zu rätseln. Da ist es nicht schlimm, wenn man mal auf dem Schlauch steht. Die anderen haben ja vielleicht eine Idee, was diese verrückten Zeichen an der Wand bedeuten.

Hilfe aus dem „Off“

Und wenn das Team doch mal komplett hängt und nicht weiter weiß, gibt es Tipps von außen. Das kann per Text über einen Bildschirm oder per Stimme aus dem „Off“ funktionieren. Allerdings sind diese Tipps auch immer so gehalten, dass sie nicht direkt die Lösung verraten.

Wichtig ist die Kommunika­tion, im Alleingang kommt man aus dem „Escape Room“ nicht raus. Es kann auch mal etwas hektischer und lauter werden, wenn der Blick auf die Zeit fällt, die gnadenlos weiterläuft. In diesen Momenten merkt man schnell, ob man sich in der Gruppe wirklich so gut versteht, wie man das immer gedacht hat.

Flucht aus dem Gefängnis

Für einen Besuch im „Escape Room“ muss man übrigens auch gar nicht so weit fahren. In Hagen gibt es beispielsweise welche. Ausprobiert haben wir „Exit now“. Betrieben wird dieser von Torsten vom Lehn und André Hoßdorf.

Die Geschichte ist schneller erzählt als das Rätsel gelöst. Wir sind auf der Flucht aus der DDR von Grenzsoldaten gefangen genommen worden. Da ich bereits aktenkundig bin, wurde ich in Einzelhaft gesteckt und muss mich nun auf meine beiden Begleiterinnen verlassen, dass sie mich aus meiner kargen Zelle rausholen. Zum Glück bin ich nicht vollkommen hilflos, vielmehr ist es wichtig, dass ich Infos aus der Zelle an die beiden draußen vor meiner Tür weitergebe. Und glücklicherweise finde ich in der Zelle auch einen Gegenstand, der uns näher ans Ziel – die Flucht aus dem Gefängnis – bringt. So müssen die beiden nach Möglichkeiten suchen, mich aus der Zelle herauszuholen.

Wie, das wird hier natürlich nicht verraten. Nur soviel: Wir haben die Flucht geschafft. Knapp. Und mit Herz­klopfen. Und vor allem natürlich mit sehr viel Spaß.

Die erste Kombination stimmte nicht, das Schloss lässt sich nicht öffnen. Offensichtlich fehlen wichtige Infos. Da müssen wir unsere Umgebung weiter untersuchen. (Foto: Lara Zeitel)