Viel Werbung für Kirmes 2012

Gevelsberg. (zico) „Ein paar graue Haare mehr dürfte ich mittlerweile schon haben“, gesteht Michael „Willi“ Sichelschmidt in seinem zweiten Jahr als Vorsitzender des Gevelsberger Kirmesvereins. Der mittlerweile 52-Jährige übernahm das Ruder nämlich ausgerechnet in einer Phase, als den Ehrenamtlern viele rechtliche und sicherheitstechnische Neuerungen ins Haus standen: Verschärfte TÜV-Kontrollen nach der Loveparade-Katastrophe in Duisburg, Änderungen bei den Steuern, und im nächsten Jahr kommen Änderungen bezüglich der GEMA-Gebühren, die dem Kirmesverein praktisch eine Verdoppelung der Abgaben für das Abspielen von Musik bei Veranstaltungen „bescheren“.

Vergeblich

Dazu der letztlich vergebliche Kampf um den Erhalt der Traditions-Kirmesgruppe Haufe – der seit 1974 im Kirmesgeschehen aktive Sichelschmidt hatte vom ersten Tag an eine Menge zu tun im Vorsitz, zumal er sich auch noch auf die Fahne geschrieben hat, dem in einigen Kirmesgruppen vorhandenen Nachwuchsmangel mit öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen entgegen zu steuern.

„Es hat sich normalisiert“, betont der früher als Mühlenhämmer-Einzelgänger legendäre „Willi“ das Zusammenspiel mit dem TÜV: „Wir haben wegen der Sicherheitsbestimmungen zweimal im Düsseldorfer Landtag vorgesprochen und haben einen Weg gefunden, um Dinge wie Absturzsicherung, Zugbegleitung und die Auflagen bezüglich der Wagengespanne gut handhaben zu können.“ Nachdem eigentlich gar keine Gespanne mehr zugelassen werden sollten, darf nun doch ein zweiter Wagen an eine Zugmaschine gekoppelt werden, wenn beide Wagen luftgebremst sind und sich auf dem zweiten Wagen keine Personen befinden.

Auch Bonbons werden heuer wieder geworfen, nachdem man im vergangenen Jahr aus Vorsicht darauf verzichtet hatte. Eigentlich sollte jedes Rad eines Wagens, von dem Bonbons geworfen werden, mit einem Posten versehen sein. Doch da an der Strecke alle zehn Meter ein Posten steht, wird der Sicherheit ohnehin schon höchste Priorität eingeräumt. Alle Kirmesgruppen sind mit den Bestimmungen vertraut und achten auf ihre Einhaltung. „Und wie wir im kommenden Jahr mit den GEMA-Gebühren umgehen, müssen wir noch sehen. Die Kalkulation muss ja aufgehen, und auch in anderen Bereichen steigen die Kosten“, werden Sichelschmidt und seine Mitstreiter bei der Organisation zum Beispiel des Kirmesabends künftig mit ganz spitzem Bleistift rechnen müssen. Wie auch die Kassierer der einzelnen Gruppen – Steuerberater Axel Bahr gab eine Einweisung, wie künftig mit dem lieben Geld umzugehen ist.

Werbeoffensive

Gut angelaufen sind vielfältige Maßnahmen im Rahmen einer Werbeoffensive. Am Eingang der Fußgängerzone wurde ein Wegweiser aufgestellt, der davon kündet, wo die einzelnen Gruppen zu finden sind. Auch an den Eingängen der Bauplätze finden sich neue, schmucke Hinweistafeln. Optimiert wurde zudem der Internetauftritt, für den die Journalistin Kirsten Niesler, Kirmesvereins-Geschäftsführer Stefan Oesterling und Mühlenhämmer-Vorsitzender Markus Loetz verantwortlich zeichnen. Aktualität ist hier oberstes Gebot. „Die Zahl der täglichen Zugriffe hat sich bereits von 300 auf 500 gesteigert“, freut sich Michael Sichelschmidt. Sogar auf „Facebook“ ist der Kirmesverein mittlerweile zu finden – über www.facebook.com/gevelsbergerkirmes kann man sich aktuell über das Geschehen informieren. „Plakate, Flyer und Aufkleber wurden ebenfalls neu gestaltet“, so Sichelschmidt.

Als positiv bewertet er auch den Verlauf des ersten „Tages der offenen Bauplätze“ Anfang Juni, in dessen Rahmen alle zwölf Kirmesgruppen Einblicke in ihr Tun und Treiben gaben. „Rund 90 Fahrgäste nutzten das Busangebot der VER zu diesem Tag – das ist noch ausbaufähig, und eine solche Aktion muss ja auch wachsen“, zieht der Kirmesvereinsvorsitzende Bilanz. Auch wenn die Kirmesgruppe Haufe trotz vielfältigster Bemühungen nicht zu retten war, ist „Willi“ Sichelschmidt fest entschlossen, Tradition und Zukunft zu verbinden. Etwa über den Gevelsberger Ausbildungspakt, den die Stadt mit der Hauptschule geschlossen hat. Damit verbundene Praktikumsstunden können auch bei den Kirmesgruppen abgeleistet werden, denn hier können die Schüler zahlreiche Gewerke wie Schreinern, Malen und Lackieren oder auch Elektrik hautnah kennen lernen. „Ohnehin kann es nicht mehr nur darum gehen, feste Mitglieder zu binden, die sofort voll ins Geschehen einsteigen und sich zeitlich umfangreich binden – davor schrecken in der heutigen Zeit doch viele zurück“, so Sichelschmidt: „Auch wer sich nur an zwei oder drei Wochenenden einbringen möchte, um gemeinsam mit anderen etwas auf die Beine zu stellen, soll bei den Kirmesgruppen die Gelegenheit dazu haben.“

Hut ab

Respekt zollt der Vorsitzende im Übrigen allen Aktiven in den Gruppen: „Hut ab, was trotz der wettermäßig ausgesprochen schlechten Bausaison auf die Beine gestellt wurde. Alle haben prima durchgezogen; wir dürfen uns wieder auf einen tollen Kirmeszug freuen.“