Von Gevelsberger Hospizarbeit tief beeindruckt

Gevelsberg. (zico) „Ich habe sehr viel Hochachtung vor Ihrer Arbeit, denn ich weiß, was Sterbebegleitung bedeutet. Mein Vater ist in meinen Armen gestorben!“ Beim vom heimischen Landtagsabgeordneten Hubertus Kramer (SPD) organisierten Besuch von Landtagspräsidentin Carina Gödecke in dieser Woche im Hospiz Emmaus an der Hagener Straße in Gevelsberg fielen schnell auch persönliche Schranken. Die Politikerin vergaß dabei nicht, sich nach den Rahmenbedingungen für die Hospizarbeit und nach Optimierungsmöglichkeiten zu erkundigen.

Zu Beginn des Besuches strich Hubertus Kramer die Vorreiterrolle heraus, die das Gevelsberger Hospiz in Sachen Sterbebegleitung in der Region einnimmt: „Es war vor 20 Jahren ein mutiger Schritt von Pastor Ulrich Bauer, sich an dieses Projekt heran zu wagen. Dabei hat es von Anfang an an enge Verbindung zwischen Hospiz und der Politik gegeben – zunächst mit Bürgermeister Dr. Klaus Solmecke, jetzt mit seinem Nachfolger Claus Jacobi. Heute ist das Hospiz als ökumenische Einrichtung für alle Städte im Ennepe-Ruhr-Kreis tätig.“ Derzeit im Bau befindlich ist ein eigenes Hospizgebäude neben der Grundschule Vogelsang, das im kommenden Jahr bezogen werden soll. Möglich ist dies vor allem dank einer 300.000-Finanzspritze von der Stiftung Wohlfahrtspflege, zu der Hubertus Kramer nicht unwesentlich beigetragen hat. Der Abgeordnete knüpfte hier die nötigen kontakte und beriet den Hospizverein bei der Antragstellung. „Ohne Hubertus Kramers Einsatz wäre es wohl kaum zu dieser Förderung gekommen“, unterstrich Bürgermeister Claus Jacobi und freute sich, dass das Hospiz bei Vereinen und Organisationen in Gevelsberg-Vogelsang herzlich willkommen sei: „Alle begrüßen den Bau des neuen Gebäudes. In anderen Städten ist ein solch harmonisches Miteinander leider nicht selbstverständlich.“

Carina Gödecke interessierte sich im Rahmen einer gut einstündigen Gesprächsrunde sehr für die Erfahrungen, die derzeit 43 ehrenamtliche Mitarbeiter bei der Sterbebegleitung machen. „Es sind oft sehr persönliche Gespräche, die ich führe. Nicht immer kann man persönliche Distanz wahren, damit man das Erlebte nicht mit nach Hause nimmt. Es ist wie im sonstigen Leben auch – manche Menschen berühren einen sehr, und das lasse ich dann auch zu, auch wenn es Kraft kostet“, berichtete etwa Mitarbeiterin Astrid Brinkmann. Sandra Müller-Koll, stellvertretende Koordinatorin des Hospizes, bestätigte solche Erlebnisse: „Die Menschen wollen reden; da ergibt sich schnell ein enger Kontakt. Für jemanden, der erfährt, dass er in absehbarer Zeit sterben wird, ändern sich alle Prioritäten. Zunächst weiß man nicht mehr zu handeln.“ Dann gelte es, mit der Situation umzugehen. „Übertriebene Rücksichtnahme ist oft fehl am Platz. Die Betroffenen wollen keine totenstille, wollen zum Beispiel die übliche Geräusche aus Küche und Haushalt, die Leben signalisieren. Bei der Sterbebegleitung bin ich als Zuhörerin gefragt, möchte aber auch Wünsche erfüllen und mit den Betroffenen das Schöne in ihrem Leben reflektieren. Und nicht zuletzt bin ich auch dafür da, im Blick zu haben, ob die Betreuung des Patienten gut läuft oder ob etwas stört“, so Sandra Müller-Koll.

Hospizleiterin Helga Grams bestätigte, das die Arbeit auch an die Nieren gehen könne: „Mir ging das zum Beispiel im Falle eines behinderten Jungen so, der ein außergewöhnliches Talent zum Musizieren besaß.“ Grams vergas dabei nicht, auch politische Anliegen vorzutragen. „Derzeit werden bei der Finanzierung der palliativen Versorgung Strukturen geschaffen, die so sicherlich nicht vom Gesetzgeber gewünscht sind“, kritisierte sie. Hubertus Kramer wird deshalb ein Gespräch mit Fachleuten im Landtag organisieren, bei dem auch Vertreter des Hospiz- und Palliativ-Landesverbandes NRW mit am Tisch sitzen sollen, um ihre Wünsche bei der Finanzierung ihrer Arbeit zu äußern.

In Gevelsberg ruht die Finanzierung derzeit auf drei Säulen: Zum einen sind da die Beiträge der rund 300 Vereinsmitglieder, zum anderen Spenden, und es gibt auch Leistungen von den gesetzlichen Krankenkassen. „Die Spendengelder sind für unsere Arbeit von enormer Bedeutung“, betont Helga Grams.

Bei ihrem Abschied zeigte sich Carina Gödecke tief beeindruckt von der Arbeit des Hospiz’ Emmaus. „Ich kann mir durchaus vorstellen, nach meiner beruflichen Laufbahn selbst ehrenamtlich in diesem Bereich zu arbeiten. Ich weiß, dass man dafür als Persönlichkeit sehr klar sein muss“, so die 55-jährige Sozialdemokratin, die bei ihrem Abschied versprach, dem Hospiz auch künftig mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.