Von Schwelm nach Santiago

Schwelm. (Sche) „Die Strecke sollte nicht allzu weit weg von der Original-Route sein“, begründete Unternehmer Ralf Stoffels vor wenigen Tagen die Pflasterung der Kirchstraße in der Kreisstadt mit speziellen Steinen, die den Jakobsweg markieren. Der „Schwelmer aus Leidenschaft“ hat sich zusammen mit anderen Geschäftsleuten sowie der Gesellschaft für Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung Schwelm (GSWS) dafür stark gemacht, den Pilgern auf der Reise ins spanische Santiago de Compostela die nötige Orientierung mit auf den Weg zu geben. Dorthin führt der zu Ehren des Apostels Jakobus jährlich von zahlreichen Christen zu Fuß bewältigte Jakobsweg, der die Pilger auch durch unsere Region führt.

Hier präsentiert GSWS-Geschäftsführer Tilo Kramer einen der Jakobsweg-Pflastersteine einmal ganz aus der Nähe. (Foto: Stefan Scheler)

Das Symbol des heiligen Mannes ist die Jakobsmuschel, die sich deshalb auch als Erkennungszeichen auf allen Marken findet, die etwas mit dieser außergewöhnlichen Pilgerreise zu tun haben. So zum Beispiel in Breckerfeld oder am Gevelsberger Rathaus, wo entsprechende Kennzeichen die Erteilung von Belegstempeln als Marschnachweis anbieten. Da wollte man in Schwelm nicht zurückstehen und stieß das Projekt „Schwelmer Pilgersteine“ an.

Die Plaketten, deren Anschaffung die GSWS mit der Arbeitsgemeinschaft Innenstadt, Handel und Verkehr vorangetrieben hat, sind etwa zehn mal zehn Zentimeter groß und bestehen aus Messing, wobei der Hintergrund schwarz lackiert ist und Symbol sowie die Namensschilder der Spender blank belassen sind. „Die Platten sind auf würfelförmige Pflastersteine geklebt und auf der Haupt- und der Kirchstraße verlegt“, erläutert GSWS-Geschäftsführer Tilo Kramer: „Sie sind nicht billig, und ihre Anschaffung war deshalb nur mit Unterstützung vieler engagierter Bürger möglich.“ Als Beispiel ist hier vor allem Ralf Stoffels zu nennen, der die Werbetrommel rührte und insgesamt 16 Partner ins Boot holte. Einer der Gönner ist das an der Kirchstraße 13 ansässige Geschäft „Potpourri“, vor dem die Vorstellung der Aktion stattfand. Beteiligt haben sich alle, die in der Kreisstadt Rang und Namen haben, darunter die Kulturfabrik Ibach-Haus, die Stadtsparkasse Schwelm, Heimatpfleger Martin Schwamborn, Unternehmer Dirk Henning, die Firma Gerbracht, die Malschule Pfaffenbach und die Marvin Jones Band, um nur einige der edlen Spender zu nennen.

Insgesamt weisen 19 steinerne Wegmarken den spirituellen Wanderern die Richtung, von denen sich 16 in der Kirchstraße und drei in der Hauptstraße befinden. Die so erreichte Wegbeschilderung ist ergänzender Art, denn die üblichen Hinweise in Form von Klebeschildern des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) prangen an den Wänden von Wohnhäusern oder öffentlichen Gebäuden. „Die kann sich jeder besorgen“, ermuntert Sponsoren-Gattin Viola Kampschulte auch Privatleute, sich für die Gestaltung des Jakobswegs einzusetzen. Dass die Botschaft ankommt, bewies eine Passantin, die spontan versprach, die GSWS-Geschäftsstelle an der Römerstraße 29 aufzusuchen, um für eine Spende von 100 Euro eine der außergewöhnlichen Straßenmarkierungen zu erstehen. Zum Dank prangt dann ihr Name auf der kleinen Messingplatte neben dem Muschelzeichen, getreu dem Grundsatz: „Tue Gutes und rede darüber“. Wer sich ebenfalls in diese Art der Pilgerbetreuung mit gleichzeitiger Aufwertung des Stadtbilds einbringen möchte, kann bei der GSWS unter Ruf 02336/ 860370 Informationen erhalten.

„Für die Zukunft haben wir die Aufstellung den Jakobsweg ausweisender Schilder geplant“, möchte es Tilo Kramer nicht beim bisherigen Einsatz bewenden lassen: „Wer weitere Ideen zum Thema hat, kann sich gern an uns wenden.“ Zum Beispiel wäre eine Aufnahme der für Pilger wichtigen Orte in den Schwelmer Stadtplan interessant. Dort würde man dann auch die Stempelstellen bei Elektro Nockemann an der Hauptstraße 46, der Kaffeerösterei Rabenschwarz an der Kirchstraße 10, der katholischen Gemeinde St. Marien am Marienweg 2, dem Hotel Haus Wünsche an der Göckinghofstraße 47 und dem Jacobshäuschen an der Kölner Straße 1 finden.